Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : "Islamische Parallelgesellschaft"
glasperlenspielerin
30.11.2004, 00:55
ein thema, das zur zeit die gemüter erhitzt.
vor ein paar wochen zeigte FRONTAL auf ZDF einen mitschnitt (der beitrag ging in der zwischenzeit auch in den medien/politik um), davon wie ein isalmischer prediger in berlin stimmung gegen die deutschen verbreitete… ich zitiere (so weit es eben aus dem gedächtnis geht) sinngemäß: „..der deutsche ist ein ungläubiger, ein atheist; es mag auch gute geben, aber im großen und ganzen ist er schlecht, man sollte abstand von ihm halten.... er stinkt und er rasiert sich nicht. deswegen sprüht man sich in deutschland mit parfum ein“.
in der gleichen sendung zeigte man einen beitrag über eine grundschulklasse (auch in berlin), in der mehr türkische kinder als deutsche drin waren. die lehrerin beobachtete angeblich, wie die deutsche minderheit in der klasse gemobbt wurde a lá „der ist christ, mit dem spiel ich nicht, ..der trägt ein kreuz um den hals, der ist ungläubig“ ( also genau das umgekehrte spiel, wie es gewöhnlich andersherum ist, dass z.b. türkische mädchen wegen ihres kopftuches ausgelacht/ ausgegrenzt würden) usw.;
jetzt diskutiert man in ganz deutschland diese zitate. und es hat ja inzwischen auch auf der gegenseite reaktionen gegeben.
teilweise weiß man als außenstehender wohl aber auch nicht, wie man die beiträge der medienanstalten auffassen soll... es ist eines der hitzigsten themen der letzten 14 tage...
ich hab heute wieder eine polit-sendung eingeschaltet und es ging diesmal um das thema der "kovertiten im islam" (personen, die vom islam zum christentum konvertiert sind). angeblich ist die islamische glaubensgemeinschaft so rigide, dass diesen menschen die todesstrafe drohe. einer der betroffenen zeigte sich auch nur mit unkennbar gemachtem gesicht vor der kamera aus angst vor einem attentat (namen konvertierter würden angeblich im internet verbreitet, so dass sie wie vogelfreie herumliefen..).
man kann als westlich-aufgeklärter mensch (der das glück hatte, muß man dazu sagen, von staatlicher seite eine "aufgeklärte" erziehung u. bildung) genossen zu haben, nur den kopf schütteln, ..aber welche wahl haben die menschen da wirklich? .. müßte man nicht die ganzen staats- u. erziehungswesen der islamischen welt neu umkrempeln, um die religion wieder aufd as zu besinnen, wozu sie "eigentlich da ist/sein sollte" (keine ahnung)???
würde gern mal ein paar meinungen dazu hören.
Neuerdings geistert ja das schöne Unwort von der deutschen Leitkultur. Unsere christlich, abendländische Kultur müßte akzeptiert werden. Sicher sollte jeder die Kultur des anderen respektieren, aber ich find dieses Forderung schon ziemlich anmaßend. Es suggeriert das wir alle Christen seien und gerade wenn ich sehe aus welcher Ecke dieses Forderungen kommen, möchte ich deutlich sagen das dies nicht meine Kultur und meine Werte sind. Es sind sowohl die radikalisierten Christen als auch radikalisierte Islamisten, die mir Sorgen machen. Religion hat nichts in der Politik zu suchen. Politik benutzt Religion als Machtinstrument.
Ich hab diese Berichte auch gesehen. Die dort gezeigten Menschen sind schockierende Beispiele, aber man sollte sich sehr davor hüten, deswegenden ganzen Islam zu verteufeln. Es gibt in beiden Religionen solche und solche.
Bedenklich finde ich was für Tendenzen beide Religionen teilweise schon zeigen. Es werden Kritiker und so genannte "Ungläubige" getötete. In den Niederlanden wird der islamkritische Regiesseur van Gogh getötet. In den USA werden Abtreibungsärzte von "sogenannten" Christen getötet. Solche Menschen dürfen keine Akzeptanz finden. Es gibt Menschen die ernsthaft auf eine Art Religionskrieg hinarbeiten, sowohl bei den Christen als auch bei den Muslime das find ich wahrhaft erschreckend.
Ich kritisiere das kritisierungwürdige einer jeder Religion (Die radikalen, hasserfüllten, intoleranten Gläubigen) aber gegen Menschen die ihren Glauben friedlich und tolerant ausüben hab ich nichts.
Nochmal zu den Berichten. Es stimmt das sich teilweise "islamische Ghetos" bilden und da ist auch vorsicht geboten, denn multikulturell bedeutet nicht sich abschoten. Aber ich warne davor das ganze politisch zu instrumentalisieren, wie es teilweise schon geschieht, das führt nur zu noch mehr Hass und Intoleranz.
Ich setze hier mal ein Gedicht und ein Zitat rein. Das Gedicht ist von Kurt Tucholsky. Es ist sehr provokativ. Ich bitte darum das nicht falsch zu verstehen. Es soll nur mal zum Nachdenken anregen wie heute oft Glauben ausgelebt wird.
Wenn aber Christus, der gesagt hat: 'Du sollst nicht töten!'
an seinem Kreuz sehen muß, wie sich die Felder blutig röten;
wenn die Pfaffen Kanonen und Flugzeuge segnen
und in den Feldgottesdiensten beten, daß es Blut möge regnen;
und wenn die Vertreter Gottes auf Erden
Soldaten-Hämmel treiben, auf daß sie geschlachtet werden;
und wenn die Glocken läuten: 'Mord! und die Choräle hallen:
'Mord! Ihr sollt eure Feinde niederknallen!'
Und wenn jemand so verrät den Gottessohn-:
Das ist keine Schande.
Das ist Religion.
(Kurt Tucholsky, dt. Schriftsteller, 1890-1935)
Und hier ein Zitat das es meiner Meinung nach auf den Punkt bringt:
"Religion kann nur durch die Reinheit ihrer Anhänger und durch ihre guten Taten verteidigt werden, keinesfalls durch Kampf mit den Anhängern anderer Glaubensbekenntnisse."
(Mahatma Gandhi)
Ehrlich gesagt beobachte ich das auch mit Sorge.
Ich bin selbst mit einem streng gläubigen Türken befreundet, und bekomme da so einiges mit. Er ist ein guter Kerl und versucht mich auch nicht irgendwie zu bekehren, aber doch merkt man indirekt, dass der Islam als solcher sich selbst doch irgendwie für sehr wichtig nimmt und anderen Glauben absolut nicht toleriert.
Für mich ist die Sache so: Der Begriff "Leitkultur" ist nicht gerade schön, aber doch drückt er aus, dass die Menschen in diesem Land eine gewisse Kultur haben, die sich über die Generationen geprägt hat - und ich finde diese Kultur hat deswegen auch einen Stellenwert der nicht vergessen werden sollte. Und natürlich hat auch die ausländische Kultur ebenfalls den gleichen Stellenwert in dem jeweiligen Heimatland - nur ist es nunmal so, dass diese Menschen zu uns gekommen sind - und von daher erwarte ich doch eine gewisse Anpassung an unsere Gesellschaft. Wenn wir in ein anderes Land gehen, dann würde man von uns das Gleiche erwarten. So eine im Grunde sinnlose Diskussion kann es eigentlich nur in Deutschland geben.
Es ist für mich z.B. ein Unding, dass gerade z.B. türkische Frauen sei Jahrzehnten in Deutschland leben, aber trotzdem nicht ein Wort deutsch können (dürfen). Von mir aus kann sie gern in ihrer Familie weiter die Sprache sprechen die ihr beliebt - aber wenn sie ein Teil unserer Gesellschaft werden will, dann sollte sie zumindest ansatzweise kommunizieren können (z.B. wenn sie zu einem Amt muss oder in eine Polizeikontrolle kommt etc.). Aber gerade das ist der Punkt: Viele wollen die Vorteile unserer und ihrer Gesellschaft haben, sind aber im Gegenzug nicht ansatzweise bereit sich uns anzupassen bzw. die Pflichten die daraus resultieren zu akzeptieren.
Gerade diese Arroganz macht mich manchmal doch sehr wütend. Diese genannten TV-Beiträge mögen eher extreme Fällen sein - aber doch zeigen sie eine gewisse Grundtendenz, die sicherlich fast überall existiert. Wie in jedem Glauben werden bestimmte Grundängste, Gruppenzwänge und angeborene Verhaltensweisen dazu mißbraucht diesen Glauben zu stärken oder zu rechtfertigen und sich von einem anderen abzugrenzen - nur scheint mir das in diesem Fall noch viel fundamentaler und rücksichtsloser zu sein, als es z.B. bei den Christen der Fall ist (aber sicherlich auch nicht immer war).
Meine Meinung: Wer uns nicht in unserem eigenen Land toleriert fliegt raus! Wer unsere Regeln und und unsere Kultur nachhaltig nicht beachtet oder beleidigt fliegt gleich hinterher. Und ich denke das ist nur fair - denn nichts anderes würde mit uns passieren, wenn wir z.B. in der Türkei uns so verhalten würden. Und zwar mit Recht! Ich bin der Meinung, dass man hier klar Stärke zeigen muss - nur so kann man zeigen, dass es Grenzen gibt, die wir zur Not auch bereit sind zu verteidigen.
@Neo
Ich bin da ganz deiner Meinung!! :)
buntschatten
30.11.2004, 14:50
Ich kann Dreamer zustimmen. Jeder Glauben (auch der an Freiheit und Gleichheit...) wird immer wieder für Macht und Geld instrumentalisiert und verkauft.
Etwas für mich wichtiges habe ich von einem Muslimischen Freund gelernt:
Ein Muslim wird in eine Glaubensgemeinschaft aufgenommen (den Namen habe ich vergessen, Umma glaube ich) die ihn/sie ab da als Teil der Person definiert. Wie "ich bin weiblich, ich bin deutsche.. usw.usw", nur das diese Zugehörigkeit als deutlich stärker empfunden wird, als die ebend aufgezählten. Natürlich bin ich getauft und damit Christ. Aber eine extra community (neudeutsch), in der ich aufgenommen werde, und in der ich mich auf Hilfe und Unterstützung verlassen kann?? Spenden und Hilfe für Arme z.B. sind im Islam keine Freiwilligkeiten, sondern Pflicht, wie das Gebet...
HSP könnte für viele hier eine solche Gruppe sein.....(??)
Seitdem beobachte ich deutlich besorgter, was in der Welt so vor sich geht, und wie die Reaktionen, auch scheinbar Unbeteiligter hier in Deutschland sind. Wobei ich ganz klar sagen muss; DASS IST KEINE ENTSCHULDIGUNG sondern einer meiner Bausteine zum Verständnis.
...Bedenklich finde ich was für Tendenzen beide Religionen teilweise schon zeigen. Es werden Kritiker und so genannte "Ungläubige" getötete. In den Niederlanden wird der islamkritische Regiesseur van Gogh getötet. In den USA werden Abtreibungsärzte von "sogenannten" Christen getötet. Solche Menschen dürfen keine Akzeptanz finden. Es gibt Menschen die ernsthaft auf eine Art Religionskrieg hinarbeiten, sowohl bei den Christen als auch bei den Muslime das find ich wahrhaft erschreckend.... Ich setze hier mal ein Gedicht und ein Zitat rein. Das Gedicht ist von Kurt Tucholsky. Es ist sehr provokativ. Ich bitte darum das nicht falsch zu verstehen. Es soll nur mal zum Nachdenken anregen wie heute oft Glauben ausgelebt wird.
Wenn aber Christus, der gesagt hat: 'Du sollst nicht töten!'
an seinem Kreuz sehen muß, wie sich die Felder blutig röten;
wenn die Pfaffen Kanonen und Flugzeuge segnen
und in den Feldgottesdiensten beten, daß es Blut möge regnen;
und wenn die Vertreter Gottes auf Erden
Soldaten-Hämmel treiben, auf daß sie geschlachtet werden;
und wenn die Glocken läuten: 'Mord! und die Choräle hallen:
'Mord! Ihr sollt eure Feinde niederknallen!'
Und wenn jemand so verrät den Gottessohn-:
Das ist keine Schande.
Das ist Religion.
(Kurt Tucholsky, dt. Schriftsteller, 1890-1935)
Und hier ein Zitat das es meiner Meinung nach auf den Punkt bringt:
"Religion kann nur durch die Reinheit ihrer Anhänger und durch ihre guten Taten verteidigt werden, keinesfalls durch Kampf mit den Anhängern anderer Glaubensbekenntnisse."
(Mahatma Gandhi)
Auch wenn ich der Ansicht bin, daß - wenn ich mich als Gast in einem fremden Land befinde - ich versuchen sollte, mich mit den dortigen Gegebenheiten zu arrangieren. Allerdings ohne mich selbst zu verbiegen, meinen Glauben oder meine Einstellungen zu verraten. Wenn ich jedoch anfange, meine Gastgeber zu diskreditieren, zu verteufeln, Hass zu schüren, reisse ich die für den Weg zum Mit-Menschen notwendige Brücken ein, säge mir den Ast ab, auf dem ich sitze. Auch ich fordere die Einhaltung unserer Gesetze und die Respektierung unserer ethischen Überzeugungen.
Und trotzdem: Angst machen mir die Fundamentalisten - egal aus welcher Ecke sie kommen. Sie pervertieren die ethischen Grundsätze ihrer Religionen. Auch Christen haben sich leider nicht immer mit Ruhm bekleckert. Obwohl Jesus immer Liebe und Gewaltlosigkeit gepredigt hat. Die Segnung von Waffen halte ich auch für eine solche Perversion. Da habe ich es doch schon eher mit der Forderung (bereits im alten Testament zu finden): Schwerter zu Pflugscharen... Ich stehe 150 % hinter den Zitaten von Tucholsky (aktuell wie vor fast 100 Jahren!) und Ghandi. Manchmal wünsche ich mir, ich könnte das, was mich umtreibt, meine innerste Überzeugung, auch so präzise auf den Punkt bringen...
Mit ein bißchen Akzeptanz und Toleranz ist ein friedliches Miteinander möglich, ich habe es immer wieder gesehen. Ich habe sehr intensive, persönliche Beziehungen zu Menschen, die den drei großen Buch-Religionen angehören (in der Reihenfolge ihres Auftretens in der Weltgeschichte: Juden, Christen, Moslems) und mußte dabei immer wieder feststellen, daß die militant-fundamentalistischen Extremisten laut und brutal alles übertönen, was an Weisheit, Toleranz, auf Ausgleich und ein friedliches Miteinander Bedachtsein auch noch da ist. Nur um beim Beispiel Israel zu bleiben: jeder weiß um die Intifada, kennt Arafats El Fatah und die Aktionen militanter Siedler. Daß es hier aber auch eine starke "Peace-Now-Bewegung" gibt, die auf Ausgleich bedacht ist, sich für ein friedliches Miteinander von Israelis und Palästinensern einsetzt, weiß kaum jemand.
Friedliche, tolerante Grüße,
Josi
@Neo
Ich stimme dir in vielem zu. Was mich an dieser "Leitkultur" stört ist der Verweis auf das christlich. So einige unserer Dichter und Denker waren Kritiker des Christentums. Aber gerade diese Dichter und Denker haben unsere Kultur auch sehr stark mitgeprägt. Wir haben eine reichhaltige Kultur die sich sicher nicht verstecken braucht.
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