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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ganztagskindergärten und die dazugehörige pädagogische Arbeit mit den Kindern


Sternenfee
05.02.2005, 22:06
Jeder schreit nach Ganztagskindergärten und ja lange Öffnungszeiten, aber keiner kuckt, wie es einem Kind geht, wenn es um sieben Uhr gebracht wird und um 17 Uhr geholt wird. Klar, dem Kind geht es in der Einrichtung gut, aber die pädagogische Erziehung liegt bei den Erzieher/Innen und den pädagogischen Fachkräften. Ich arbeite in einem Kindergarten und übernehme die Sauberkeitserziehung eines Kindes und lerne ihnen die Sprache, wenn Kleine noch kaum reden,...ich hoffe, dass eine Form gefunden wird, wo nicht eine Familien- und KultusministerIn alleine entscheidet, wie es laufen soll, ohne die extremsten Bedingungen zu kennen.
Ich hatte ein Kind, der regelrecht ausflippte, wenn sich im Gruppenraum sich ein Möbelstück woanders befand, und nicht mit bekam, dass der Gruppenraum umgestellt wurde. Deshalb habe ich dies immer während der Zeit gemacht, wenn die Kinder da waren. Sie konnten auch mit entscheiden. Ich habe nach den situationsorientierten und bedürfnisorientierten Ansatz gearbeitet und mache das heute auch noch so. Ich beobachte sehr viel und versuche Defizite von Kindern, vor allem von Kindern, die in wenigen Monaten in die Schule gehen sollen, spielerisch auszugleichen.
Und von der jetzigen politischen Führung befürchte ich, dass an der Ausbildung von pädagogischen Fachkräften gedreht wird und ihnen das genommen wird, was sie in der Ausbildung lernen müssen, üben müssen, um für die Kinder da zu sein und sie unterstützen zu können. Wird daran gedreht oder am Gehalt, befürchte ich, dass der Kindergarten, wie anno dazumal wieder zu einer Aufbewahrungsstätte wird. Sternenfee

Quadrofina
05.03.2005, 18:39
...diese Entwicklung sehe ich leider auch. Und ich finde die Eltern sollten sich ihre Kinder nicht aus der Hand nehmen lassen. Ich selbst habe ein paar Jahre auf vieles verzichtet, weil es mir wichtig war, mein Kind richtig in die Welt zu begleiten. Es ist ein Menschenleben, wo in der Kindheit die wichtigsten Weichen gestellt werden, und das ist mehr Wert als irgendwelches materielles Gut.

Ich bin also eher dafür, das Kindererziehung wieder vorwiegend zwischen den Eltern bleibt und nicht in eine Institution abgeschoben wird.

Ich habe durch mein Kind ebenso viele Dinge neugelernt oder für mich entdeckt - es hat mich genauso erzogen, wie ich ihn und dafür bin ich meinem Sohn dankbar, das ich ihn begleiten darf.

Ein Kind ist für mich nach wie vor ein Wunder - ich stehe mit staunenden Augen davor - und freue mich es miterleben zu dürfen!

Sternenfee
05.03.2005, 19:11
Danke für deine Meinung, es tut gut, wenn da jemand ist, der das Wohl eines jeden Kindes am Herzen liegt. Ich denke, deine Kinder haben eine wunderbare Mama.
Ich habe heute einen Spielzeugkataklog gefunden und ich war echt entsetzt, wie die Phantasie dem Kindern genommen wird. Da gibt es Malschablonen, sogar für ein Haus, einer Blume oder einen baum. Und dann stehe ich natürlich fassungslos im Kindergarten, wenn ich möchte, dass die Fünfjährigen neben ihr Osterei auf ihrem Blatt einen Hasen malen sollen und nicht wissen, wie ein solcher aussieht. Das stimmt mich traurig. Julie

maputo
06.03.2005, 05:16
Hallo Sternenfee,

meiner Meinung nach erübrigt sich ein Ganztages- ebenso wie ein normaler Kindergarten in dem seltenen Fall, dass ein Kind das Glück hat, eloquente, umfassend gebildete, herzensgute, humorvolle, überdies wohlhabende Eltern zu haben und gleichzeitig in einer Umgebung leben zu dürfen, in der es andere Kinder verschiedener Altersstufen und reichlich Natur zu erfahren gibt. <Ironiealarm aus>.
Ehrlich gesagt, ich weiß nicht genau, worauf Du hinaus willst. Die Diskussion, die ich mitbekomme, geht darum, dass die GEW sich für ein Erzieherinnen-Studium stark macht und den Berufstand stärken will. Und Pisa-geschockt mahnen Hinz und Kunz - Wissenschaftler, aber auch die Politiker -, dass im Kindergarten stärker ziel- und erziehungsorientiert gearbeitet werden muss. So schlimm es ist, es müssen v. a. sprachliche Defizite ausgeglichen werden, damit die Kinder in der Schule überhaupt in der Lage sind, dem Lehrstoff zu folgen; sprich, damit ihre natürliche Neugier nicht durch sprachliches Nicht-Verstehen erstickt wird.
Leider ist es heute so, dass - je nach Quelle - zwischen 10 und 25 Prozent der Schulanfänger unsere Sprache nicht so gut verstehen, dass sie in der Schule mitkommen könnten. Und es handelt sich bei weitem nicht nur um Kinder von Menschen ausländischer Herkunft.
Es ist schön, wenn man wie Quadrofina die Chance hat (vielleicht auch durch großen Verzicht), sich selbst mit viel Zeit um sein Kind zu kümmern - aber das ist eben nicht allen gegeben und mit Sicherheit handelt es sich nicht allein um eine Frage des Wollens.

Gott, mein Ideal - gegen alle gesellschaftlichen Alterspyramidenkeifereien - wäre es, dass Leute, bevor sie Kinder bekommen, IQ + Psychotests machen müssten. Heerscharen von Kindern - vor allem Hochsensible - verhungern seelisch und intellektuell, lange bevor sie in die Schule kommen.

Dass Politiker-Sprüche (von wegen Stärkung des Kindergartens bzw. Einführung einer Vorschule) nicht unbedingt in Realität münden, räume ich ein. Dennoch, Deine Befürchtung, dass sich alles in Richtung Aufbewahrungsstätte bewegt, kann ich nicht nachvollziehen; lasse mich aber gerne aufklären.
Deine Argumentation erscheint mir aber im Ansatz unlogisch. Du schreibst, "keiner kuckt, wie es einem Kind geht, wenn es ........" Und gleich danach "Klar, dem Kind geht es in der Einrichtung gut..."

Aufklärungsuchende Grüße

maputo

PS: Auch wenn es jetzt obermäkelig klingt, ich kann's grad in dem Zusammenhang nicht ignorieren: Es heißt nicht "Ich lerne Ihnen die Sprache" - die Kinder lernen die Sprache, der Lehrer lehrt sie!


Jeder schreit nach Ganztagskindergärten und ja lange Öffnungszeiten, aber keiner kuckt, wie es einem Kind geht, wenn es um sieben Uhr gebracht wird und um 17 Uhr geholt wird. Klar, dem Kind geht es in der Einrichtung gut, aber die pädagogische Erziehung liegt bei den Erzieher/Innen und den pädagogischen Fachkräften. Ich arbeite in einem Kindergarten und übernehme die Sauberkeitserziehung eines Kindes und lerne ihnen die Sprache, wenn Kleine noch kaum reden,...ich hoffe, dass eine Form gefunden wird, wo nicht eine Familien- und KultusministerIn alleine entscheidet, wie es laufen soll, ohne die extremsten Bedingungen zu kennen.
Ich hatte ein Kind, der regelrecht ausflippte, wenn sich im Gruppenraum sich ein Möbelstück woanders befand, und nicht mit bekam, dass der Gruppenraum umgestellt wurde. Deshalb habe ich dies immer während der Zeit gemacht, wenn die Kinder da waren. Sie konnten auch mit entscheiden. Ich habe nach den situationsorientierten und bedürfnisorientierten Ansatz gearbeitet und mache das heute auch noch so. Ich beobachte sehr viel und versuche Defizite von Kindern, vor allem von Kindern, die in wenigen Monaten in die Schule gehen sollen, spielerisch auszugleichen.
Und von der jetzigen politischen Führung befürchte ich, dass an der Ausbildung von pädagogischen Fachkräften gedreht wird und ihnen das genommen wird, was sie in der Ausbildung lernen müssen, üben müssen, um für die Kinder da zu sein und sie unterstützen zu können. Wird daran gedreht oder am Gehalt, befürchte ich, dass der Kindergarten, wie anno dazumal wieder zu einer Aufbewahrungsstätte wird. Sternenfee

glasperlenspielerin
08.03.2005, 16:06
naja, schön ist es nicht, wenn die kinder "abgeschoben" werden. dennoch denke ich auch, dass keine mutter dies gerne tut...manchmal wundert es natürlich schon, wenn in einer familie, die finanziell relativ gut abgesichtert ist (zwei sehr gute verdiener), die kinder ganztags in der betreuung sitzen. über eine gute bekannte habe ich eine familie kennengelernt, die 5 kinder hat-der mann ist mathematiker, die frau richterin. ihre kinder gingen schon mit einem jahr in den hort (der jüngste sproß ist zwei jahre alt) bzw. haben mittags eine sehr gute babysitterin (meine bekannte), die auch sehr eng mit dieser familie befreundet ist..so dass sie sogar mit ihrem freund weihnachten dort verbracht hat und sie auch auf feiern einlädt (wo ich dieses paar auch kennenlernte).
die kinder habe ich auch schon kennengelernt-sie sind ausgesprochen lieb, ruhig..aufgeweckt, intelligent, haben ein ausgesprochen vorbildliches sozialverhalten, von dem jeder mutter/vater nur träumen würde. bei einem der kinder wurde außerdem eine hochbegabung festgestellt und es erhält jetzt in der übermittagsbetreuung seiner grundschule eine entsprechende förderung.

mich wundert es einerseits schon extrem, dass die beiden eltern (die mir im übrigen einen sehr introvertierten und sensiblen, empathischen eindruck machen) nicht mehr anteil am wachsen ihrer kinder nehmen wollen (4 der ersten von den 5 kindern waren immerhin wunschkinder der beiden) und sie weiterhin in ihren berufen bleiben wollen...es verdutzt, aber die kinder wirken ausgeglichen, sehen fast jeden tag ihre babysitterin, die schon ähnlich in die familie integriert zu sein scheint wie eine "große schwester"... ...wenn man dies sieht, hat man jedenfalls nicht den eindruck, den eltern irgendwas vorwerfen zu müssen.

nautilius
08.01.2008, 09:33
hallo leute,

ich hätte mal eine frage, gibt es in deutschland bereits einen ganztagskindergarten?