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Hier ein INFO!
DIE ZEIT Nr. 9/95 - WISSEN
Der Stoff, aus dem der Schleier ist
von Malek Chebel
Leider hält der Artikel nicht, was die Überschrift verspricht. Ist doch jener Schleier eher ein Tuch eben gerade aus undurchsichtigem Stoff, nicht nur Gesicht und Kopf bedeckend, sondern auch Teile des Oberkörpers.
Ich bin kein Fachmann, aber habe nachgelesen, daß der Schleier auch ein Ewigkeitskleid ist, ein magischer Schutz gegen Geister. Bei den Langobarden soll das dünne Netz, in das man die Toten gehüllt hat, Maske geheißen haben. Also wie wir den letzten Dingen (zu denen auch die Liebe gehört) gegenübertreten, ist auch Thema des Schleiers.
Seit wann gibt es die Vorschrift, daß die islamischen Frauen, wenn sie mit Männern zusammenkommen, den Schleier tragen sollen? Nach Legenden, so des Bey Oghlu, ist die Vorschrift bereits im Jahre 5 der islamischen Zeit*rechnung erlassen worden.
Es war die Nacht, als der Prophet Zeinab bint Dschehsch heiratete. Als das Hochzeitsessen, bei dem auch Aischa, die Lieblingsfrau des Propheten, zugegen war, bereits vorbei war, verließen viele Gäste die Runde nicht. Auch nicht, als Mohammed voller Unwillen den Raum verließ, um nach seinen übrigen fünf Frauen zu sehen. Die Gäste schenkten dem Mißmut des Propheten keinerlei Beachtung, sondern blieben bei der jungen Aischa, die sich abseits, in einer Ecke, niedergelassen hatte, sitzen.
Mohammed mußte sogar, heißt es, mit Entrüstung die Hand eines Gastes auf der Hand seiner Frau ruhen sehen. Seitdem, heißt es, tragen die islamischen Frauen den Schleier. Soweit die alten Legenden.
Ich halte den o.a. Artikel für ergänzungsbedürftig. Liefert uns Ihr Archiv nicht noch mehr Aussagen zum Thema?!
- - - - - - -
p.s.
Meine Quelle zu den Legenden, eine Provinzzeitung aus dem Jahre 1916, hefte ich - als Fotokopie bei: »Aus Welt und Leben« - „Warum die Türkinnen verschleiert gehen.“ - Dömitzer Zeitung vom 27.07.1916.
"Hinter den Schleiern des Islam - Erotik und Sexualität in der arabischen Kultur"
Erdmute Heller Hassouna Moshabi
Büchergilde Gutenberg
zenzero nero
08.03.2005, 22:54
Schön bist du, meine Freundin, /
ja, du bist schön.
Hinter dem Schleier /
deine Augen wie Tauben.
Dein Haar gleicht einer Herde
von Ziegen, /
die herabzieht von Gileads Bergen.
Deine Zähne sind wie eine Herde /
frisch geschorener Schafe, /
die aus der Schwemme steigen.
Jeder Zahn hat sein Gegenstück,
keinem fehlt es.
Rote Bänder sind deine Lippen;
lieblich ist dein Mund.
Dem Riß eines Granatapfels
gleicht deine Schläfe /
hinter dem Schleier.
Wie der Turm Davids ist dein Hals, /
in Schichten von Steinen erbaut;
tausend Schilde hängen daran, /
lauter Waffen von Helden.
Deine Brüste sind wie zwei Kitzlein, /
wie die Zwillinge einer Gazelle, /
die in den Lilien weiden.
Wenn der Tag verweht
und die Schatten wachsen /
will ich zum Myrrhenberg gehen, /
zum Weihrauchhügel.
Alles an dir ist schön, meine Freundin; /
kein Makel haftet dir an.
aus dem Hohen Lied Salomos
zenzero nero
08.03.2005, 23:07
Krone und Schleier (http://www.krone-und-schleier.de/de/ausstellung.htm)ist die erste große Ausstellung über die vergangene Welt der mittelalterlichen Frauenklöster. Sie zeigt 500 einzigartige Kunstwerke und faszinierende Gebrauchsgegenstände aus religiösen Frauengemeinschaften. 150 Museen und Sammlungen aus Europa und Amerika beteiligen sich mit herausragenden Leihgaben. Viele sonst verborgene Objekte sind erstmals öffentlich zu sehen, und seit Jahrhunderten Getrenntes führt die Ausstellung wieder zusammen.
Krone und Schleier wird gleichzeitig an zwei Orten gezeigt: Im Ruhrlandmuseum Essen steht die Zeit der europäischen Klöster und Stifte von 500 bis 1200 im Mittelpunkt, die Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland zeigt in Bonn die Vielfalt der religiösen Orden im deutschen Spätmittelalter (1200 bis 1500). Die Ausstellung ist von beiden Häusern mit einem internationalen Team von Fachleuten gemeinsam entwickelt worden.
Frauenklöster boten im Mittelalter eine attraktive und angesehene Alternative in einer von Männern bestimmten Gesellschaft. Die Ausstellung zeigt, wie stark das reale und das geistige Leben der Stiftsfrauen und Nonnen von Bildern geprägt war. Die Kunstwerke aus Frauenklöstern spiegeln die Macht, das Ansehen, die soziale, wirtschaftliche und religiöse Bedeutung dieser Konvente wider, sie verkörpern deren Ansprüche und Ideale. Die Vielfalt weiblicher religiöser Lebensformen im Mittelalter wird eindrucksvoll erfahrbar.
Detaillierte Informationen erhalten Sie auf den Homepages der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (http://www.kah-bonn.de/) und des Ruhrlandmuseums. (http://www.ruhrlandmuseum.de/aktuell/sonder/detail.jsp?cid=1339)
zenzero nero
08.03.2005, 23:14
.....den Schleier.....
Verstehen beinhaltet aber auch andere Prozesse, die von der eigenen Person abhängig sind..... Edward Said bezeichnet diesen Diskurs, den die westliche Wissenschaft über den Orient führt Orientalismus (1978/ 1981). Der Okzident definiert sich dabei schon jahrhundertelang über den Orient, indem der Orient mit Eigenschaften belegt wurde und wird, die nicht auf objektivem Wissen beruhen. Diese sind viel eher als Projektionen des Westens zu verstehen, um den Orient als den anderen und damit den Unterlegenen festzuschreiben - mit dem Zweck, die westliche Vormachtstellung durch die Behauptung einer natürlichen Verbindung mit einer evolutionistisch höher stehenden Zivilisation zu rechtfertigen.
Die Rolle der Frau spielt in diesem Mythos eine ganz besondere Rolle. Ihr Stellenwert in der islamischen Gesellschaft wird mit den Wörtern unterdrückt, eingesperrt und bemitleidenswert zum Ausdruck gebracht. Der Schleier symbolisiere die Minderwertigkeit der Frau innerhalb der islamischen Gesellschaft. Die Frauen zu entschleiern wurde ein Anliegen nicht nur der Kolonialmächte - wie z. B. Algerien -, sondern auch vieler Feministinnen. Der unverschleierte Körper wurde zum Markenzeichen einer „modernen“ Gesellschaft gemacht, die sich von „traditionellen“ und religiösen Werten gelöst hat. Nicht hinterfragt werden aber eigene gesellschaftliche Zwänge, denen sich auch westliche Frauen stellen müssen.
Vergessen wird dabei auch das eigene kulturelle Erbe. So spielt(e) die Bedeckung des Kopfes auch in unserer Gesellschaft eine wichtige Rolle. Der Terminus Weib beispielsweise wird zurückgeführt auf das Wort Wiba, das soviel heißt wie Verhüllte. Dies bezeichnete zunächst die Kopfbedeckung der verheirateten Frau, um später auf die Person übertragen zu werden. (vgl. Akkent 1999:94 und Höglinger 2001:135f.)
MEHR ? - gibts hier (http://www.smart-art.at/schleierhaft/index.html)
@zenzero nero
Danke für den Link. Bin selber noch am überlegen, wo ich nun hinfahre.
Essen oder Bonn. Mein Mann hat jahrelang in Bonn gewohnt. Essen kennen wir nur vom durchfahren. Schwierig.
Gruß
Anna
„schleier-haft?“
Schleier – verschiedene Nationen – verschiedene Traditionen
Die Ausstellung „schleier-haft?“ am GRG21 Franklinstr. 26, 1210 Wien bot dem Interessierten die Möglichkeit sich über das Kopftuch- und Schleiertragen zu informieren.
Viele Schülerinnen und Schüler haben an diesem Projekt, mit dem Ziel, die Traditionen in anderen Ländern besser verständlich zu machen, gearbeitet. Um sich mit den verschiedenen Kulturen ein wenig identifizieren zu können, haben wir uns mit Schülerinnen des Islamischen Gymnasiums, Rauchfangkehrerg.34, 1150 Wien, unterhalten. - Die Südwind Ausstellung „Der Vordere Orient“ war eine Woche lang an unserer Schule zu sehen. Hier hatten wir die Möglichkeit, in die islamische Welt einzutauchen und typisch orientalische Bräuche kennen zu lernen.
_________
Prolog: Persönliche Impressionen - von Monika Höglinger
Anonyme Gesichter hinter bunten Tüchern.
Augen, die sich kurz begegnen. Verstohlene Blicke.
Eine Mauer zwischen uns. Das Tuch errichtet diese Wand.
Verbirgt, was mir fremd ist, verschleiert, was ich nicht verstehe.
Wie schaut sie aus?
Was macht sie?
Wer ist sie?
Sichtbar und unsichtbar zugleich bleibt sie für mich.
Gefühle tauchen auf, die unangenehm sind.
Assoziationen mit längst vergangenen Zeiten verstellen mir den Blick.
Eingesperrte, arme Frauen!
Wohin soll ich schauen?
Junge Mädchen – ein kichernder Haufen - in engen langen Röcken, an den Füßen klobige Plateauschuhe, Zigarette im Mund, am Kopf ein Kopftuch.
Die Armen, würden auch gerne so sein wie die anderen Mädchen!
Bei H & M in der Unterwäscheabteilung, modern gekleidete junge Frauen, alle mit Kopftuch.
Interessieren sich die Frauen denn für Mode?
Auf der Straße begegnen mir Frauen in langen Mänteln, perfekt gebundenes Kopftuch.
Puh, muss das heiß sein!
In der Universität, Frauen mit weiten Jeans und legeren Blusen. Das Kopftuch perfekt gebunden, so sitzen sie in den Vorlesungen.
Dass die das dürfen?
-
Es wurde viel über die weibliche islamische Kleidung – den Schleier oder das Kopftuch - geschrieben, das meiste davon bewegt sich zwischen zwei Polen. Die einen versuchen den Schleier zu romantisieren und das Leben hinter dem Schleier als Ideal für die Frauen darzustellen. Die anderen wiederum erachten ihn als gefährlich, weil er für sie Ausdruck der Unterdrückung muslimischer Frauen ist und/oder sehen darin ein Symbol für den fundamentalistischen Islam, dessen Ideologie auch eine Gefahr für die westliche Zivilisation darstellt.
Das Phänomen des Schleiers bleibt uns dadurch aber verborgen, weil wir den Blick nicht von den Bildern abwenden können, die wir in uns tragen. Nicht nur für EthnologInnen stellt sich die Aufgabe, tiefer zu blicken und unsere eigenen Schleier zu enthüllen.
Nur wenn ich nicht von der Motivation geleitet werde, die anderen durch mein Weltbild zu erklären und darin einzuordnen, sie anhand meiner Standards zu be- und/ oder zu verurteilen, wird wirkliches Verstehen möglich werden. Von diesem Punkt aus können auch Handlungen gesetzt werden, die nicht von Macht und Dominanzverhalten der westlichen Zivilisation geleitet sind.
So habe ich mich im vorliegenden Buch mit muslimischen Frauen - speziell in Wien - auseinandergesetzt. Mich haben ihre Beweggründe und Motivationen interessiert, hier das Kopftuch zu tragen. Ich wollte die Bekleidung der Frauen weder romantisieren noch dämonisieren, sondern verstehen. Verstehen, welchen Stellenwert, welche Funktion das Kopftuch innerhalb des Lebenskontextes der Frauen hat, sowohl auf der Mikroebene des Individuums, als auch auf der Ebene der österreichischen Gesellschaft, von der die Frauen ein Teil sind. Eine weitere Ebene, die nicht auszublenden ist, ist der globale Zusammenhang aus dem heraus die Frauen agieren. So lässt sich die Bekleidung der Frauen nicht nur auf das Individuum reduzieren, sondern wird von nationalen und globalen Prozessen beeinflusst, in denen der Islam eingebunden ist.
Verstehen beinhaltet aber auch andere Prozesse, die von der eigenen Person abhängig sind. Als Forscherin bin ich eingebettet in ein gewisses Wahrnehmungsschema, das durch den Ort und die Kultur, in der ich lebe, aber auch durch einen wissenschaftlichen Diskurs geprägt ist. Edward Said bezeichnet diesen Diskurs, den die westliche Wissenschaft über den Orient führt Orientalismus (1978/ 1981). Der Okzident definiert sich dabei schon jahrhundertelang über den Orient, indem der Orient mit Eigenschaften belegt wurde und wird, die nicht auf objektivem Wissen beruhen. Diese sind viel eher als Projektionen des Westens zu verstehen, um den Orient als den anderen und damit den Unterlegenen festzuschreiben - mit dem Zweck, die westliche Vormachtstellung durch die Behauptung einer natürlichen Verbindung mit einer evolutionistisch höher stehenden Zivilisation zu rechtfertigen.
Die Rolle der Frau spielt in diesem Mythos eine ganz besondere Rolle. Ihr Stellenwert in der islamischen Gesellschaft wird mit den Wörtern unterdrückt, eingesperrt und bemitleidenswert zum Ausdruck gebracht. Der Schleier symbolisiere die Minderwertigkeit der Frau innerhalb der islamischen Gesellschaft. Die Frauen zu entschleiern wurde ein Anliegen nicht nur der Kolonialmächte - wie z. B. Algerien -, sondern auch vieler Feministinnen. Der unverschleierte Körper wurde zum Markenzeichen einer „modernen“ Gesellschaft gemacht, die sich von „traditionellen“ und religiösen Werten gelöst hat. Nicht hinterfragt werden aber eigene gesellschaftliche Zwänge, denen sich auch westliche Frauen stellen müssen.
Vergessen wird dabei auch das eigene kulturelle Erbe. So spielt(e) die Bedeckung des Kopfes auch in unserer Gesellschaft eine wichtige Rolle. Der Terminus Weib beispielsweise wird zurückgeführt auf das Wort Wiba, das soviel heißt wie Verhüllte. Dies bezeichnete zunächst die Kopfbedeckung der verheirateten Frau, um später auf die Person übertragen zu werden. (vgl. Akkent 1999:94 und Höglinger 2001:135f.)
Möchte kurz was einwerfen.
Vor ein paar Wochen erklärte mir eine politisch sehr engagierte Frau (politisch links), dass die historische Bedeutung der Verhüllung/des Kopftuches sei, dass der arme -in diesem Zusammenhang scheinbar absolut passive und wehrlose- Mann nicht von den sexuellen Reizen der Frau verführt werde. So soll es auch so sein, dass die Frau die Verantwortung an ihrer eigenen Vergewaltigung trage, da sie den (wiederum armen) Mann verführt habe und somit sie für dieses Laster zu bestrafen sei.
Weiss jemand, ob das stimmt?
Meinst Du das die Vergewaltigung die Strafe sei - oder wie meinst Du es genau?
Meinst Du das die Vergewaltigung die Strafe sei - oder wie meinst Du es genau?
Ich hatte das so verstanden, dass Frauen, deren Vergewaltigung bekannt wurde, zusätzlich bestraft wurden (oder werden?), bis hin zur Todesstrafe.
In einigen Ländern droht Frauen sogar der Tod als Strafe, wenn sie vergewaltigt wurden. Ich weiß nicht ob der Schleier deswegen eingeführt wurde, aber die Denkweise gibt es noch in vielen muslimischen Ländern.
So ist es, Tiro. Wo einer gefunden werden soll, da findet sich immer ein Vorwand, den Schwarzen Peter zu delegieren. Leider :mad: Am besten, frau löst sich in Luft auf, um die armen Männer nicht durch ihre Anwesenheit zu provozieren/verführen usw. :D
Es ist durchaus was dran, dass Männer sehr leicht auf weibliche Reize reagieren und sich über Sex auch ohne Probleme manipulieren lassen.
Aber die Verantwortung dafür allein auf die Frauen abzuwälzen ist eine Schande sondergleichen, egal wie temperamentvoll ein Volk ist.
Ok - ich hatte das von dir geschriebene anders aufgefasst.
Was ich weiß ist, dass z. B einer der Hintergründe der Hexenprozesse war, dass Männer den Frauen die "Schuld" gaben von ihnen "sexuell gereizt" zu werden - was ja wohl eher im Kopf des Betrachters liegt.
Soweit ich weiß, fühlen Männer in anderen Kulturkreisen sich alleine schon durch Haare die zu sehen sind "sexuell angesprochen" (selbiges Problem wie oben schon erwähnt) von daher denke ich, dass das Kopftuch zu tragen ein Schutz ist (natürlich nicht nur - gibt ja viele Motive), zumindest ist es ein Mitgrund.
Oft ist es so, dass Frauen für eine Vergewaltigung noch die Schuld "tragen" müßen. Das gilt m.E. überall - mal mehr oder weniger. Denn - was soll denn (jetzt ganz genau genommen) die Frage: "Was hatten Sie denn an"?
Kannst Du damit etwas anfangen?
Es ist durchaus was dran, dass Männer sehr leicht auf weibliche Reize reagieren und sich über Sex auch ohne Probleme manipulieren lassen.
Aber die Verantwortung dafür allein auf die Frauen abzuwälzen ist eine Schande sondergleichen, egal wie temperamentvoll ein Volk ist.
Bei einer Vergewaltigung steht mein Urteil fest. Der Mann hat die alleinige Schuld. Ein Nein bedeutet auch nein. Selbst wenn eine Frau nackt rumlaufen würde.
Aber: ZB. angeblich aufreizend gekleidete Frauen, die vergewaltigt wurden, werden sie nicht auch kritisiert, daß sie sich nicht hätten sollen so kleiden? Daß sie so nicht abends/nachts herumlaufen hätten sollten (nehme jetzt das totale Clichébeispiel mal her)?
Klar gibt es das. Aber so etwas wird, zumindest in der Psychologie, in Zusammenhang mit Vergewaltigungsmythen genannt, die manche Menschen haben, um ihre Taten zu rechtfertigen oder auf andere herabsehen zu können. Diese Verzerrungen dürften aber nicht der Grundkonsens der westlichen Kultur sein, denn hier werden Vergewaltiger trotzdem bestraft, auch wenn das Opfer dies oder das anhatte. Die Sache mit dem Schleier ist aber kulturell etabliert. Ich denke, das ist der Unterschied.
@ Anna:
Damit kann ich was anfangen.
Das ist natürlich das Letzte, wenn vor Gericht die Frage "was hatten Sie denn an?" gestellt wird, da sie für das Wesentliche irrelevant ist, nämlich für die ausgeführte Straftat. Da hat Dreamer imo vollkommen recht. Nur ist die Vergewaltigung unabhängig von solchen Juristen im Westen prinzipiell eine Straftat, die der Vergewaltiger begeht und in manchen Ländern ist diese Auffassung kulturell herum gedreht. Somit ist der Schleier tatsächlich zwangsläufig ein gewisser Schutz.
Bei einer Vergewaltigung steht mein Urteil fest. Der Mann hat die alleinige Schuld. Ein Nein bedeutet auch nein. Selbst wenn eine Frau nackt rumlaufen würde.
Ja - Dreamer ich sehe DAS ganz genau so.
So ist es, Tiro. Wo einer gefunden werden soll, da findet sich immer ein Vorwand, den Schwarzen Peter zu delegieren. Leider :mad: Am besten, frau löst sich in Luft auf, um die armen Männer nicht durch ihre Anwesenheit zu provozieren/verführen usw. :D
In Luft auflösen - da sagst Du was. Wie geht denn das bloß?:(
Klar gibt es das. Aber so etwas wird, zumindest in der Psychologie, in Zusammenhang mit Vergewaltigungsmythen genannt, die manche Menschen haben, um ihre Taten zu rechtfertigen oder auf andere herabsehen zu können. Diese Verzerrungen dürften aber nicht der Grundkonsens der westlichen Kultur sein, denn hier werden Vergewaltiger trotzdem bestraft, auch wenn das Opfer dies oder das anhatte. Die Sache mit dem Schleier ist aber kulturell etabliert. Ich denke, das ist der Unterschied.
Das sehe ich etwas anders, Balu. Vergewaltigung wird hier auch erst geahndet und bestraft, seit sich ein paar oft abschätzig als "verquere Emanzen" bezeichnete Frauen massiv ins Zeug legten, Lobbying betrieben und das Thema immer wieder politisierten. Und noch heute müssen sich Opfer zum Teil diversen unberechtigten Vorwürfen stellen.
@ Balu
Ja es ist eine Straftat. Ich weiß. Dennoch bin ich jetzt als Frau entsetzt wenn Männer meinen, da sie sich irgendwie gereizt fühlen - weil sie den Objektblick haben mich nicht in erster Linie als Menschen anzusehen. Die völlig "unpersönlich" motivierte "Sexualität" ohne das Innen einer Frau zu Schätzen und zu Mögen, kann ich als Mensch oft nicht ahnen. Ich muß die Seele eines Mannes sehen und kann mit dieser Oberflächlichkeit nichts anfangen. Ich habe mal zu einem sehr intelligenten Menschen gesagt: Und wenn ich nackt über die Straße laufe hat sich verdammt noch mal kein Mann etwas dabei zu denken. Die Antwort war: Mit Ihrer natürlichen Einstellung gehören Sie in den Urwald! ER (ein Mann) hat es nett gemeint und verstand ganz genau wovon ich sprach.
Kommt das rüber was ich meine?
Das sehe ich etwas anders, Balu. Vergewaltigung wird hier auch erst geahndet und bestraft, seit sich ein paar oft abschätzig als "verquere Emanzen" bezeichnete Frauen massiv ins Zeug legten, Lobbying betrieben und das Thema immer wieder politisierten. Und noch heute müssen sich Opfer zum Teil diversen unberechtigten Vorwürfen stellen.
Da kann ich nicht widersprechen, weil ich mich historisch gesehen gar nicht auskenne. Deshalb habe ich von einer Prinzip-Ebene aus argumentiert. Das ist natürlich idealtypisch und wird der Wirklichkeit nicht immer gerecht.
Aber war Vergewaltigung nicht immer schon strafbar? Ich weiß, dass Vergewaltigung in der Ehe noch gar nicht so lange geahndet wird.
Aber zurück zum Schleier: Welche Einstellung sollte man vertreten. Ein "Kopftuchgegner" zu sein, könnte als kulturelle Arroganz gesehen werden. Andererseits -bei dieser Bedeutung des Verschleierns- wie tolerant muss man sein? Ich finde es sehr schwer, sich hier eine Meinung zu bilden.
Tja, da hast du recht, Balu. Es ist schwierig. Persönlich bin ich gegen den Schleier, weil es aus meiner Sicht keinen vernünftigen Grund dafür gibt, dass sich eine Frau verschleiern soll. In der Bibel heisst es auch, die Frau soll mit gesenktem Haupte gehen. Das tut heute ja auch keine mehr.
Aber zurück zum Schleier: Welche Einstellung sollte man vertreten. Ein "Kopftuchgegner" zu sein, könnte als kulturelle Arroganz gesehen werden. Andererseits -bei dieser Bedeutung des Verschleierns- wie tolerant muss man sein? Ich finde es sehr schwer, sich hier eine Meinung zu bilden.
Das ist in der tat schwer. Ich bin ehr ein Kopftuchgegner. Überall dort wo die Frau gezwungen wird oder Nachteile erwarten muß, wenn sie kein Kopftuch trägt, ist es auf jeden Fall verurteilenswert.
@ Anna
Oberflächlichkeit makes the world go round :D . Dass Männer, aber auch Frauen, auf bestimmte Körperformen schematisch anspringen, garantiert erst mal ganz wertneutral den Fortbestand der Spezies. Ob einem das reicht oder nicht, hängt dann noch von weiteren Faktoren ab. Während der eine Mann durch eine Frau zusätzlich noch intellektuell stimuliert werden möchte, gibt´s bei dem anderen Mann halt nichts zu stimulieren außer seinem ...
Verstehe, Balu:D
Da bin ich eben genau anders rum:D . Erst die Seele - dann meinetwegen ggf. der Körper:D ;)
Vielleicht sollte man in das gar nicht so sehr Bedeutung hineinlegen? Oder ignoriert man damit die Symbolik vom Kopftuch, was man nicht ganz außenvorhalten kann/sollte?
:hmm:
Ich denke, daß Problem liegt darin, daß viele Frauen das Kopftuch nicht freiwillig, sondern gezwungenermaßen tragen. In ganz radikalen Kreisen reicht schon die Ablehnung das Kopftuch zu tragen für eine Todesdrohung.
Ich denke, so ein Schleier kann tatsächlich auch schützen. Er besitzt aber auch erotischen Reiz - verschleiertes ist reizvoll und interessant. Die Frage, was verbirgt sich dahinter, ist spannend.
Man denke an den Tanz mit den sieben Schleiern - es gibt unendliche Möglichkeiten mit dem Schleier zu spielen - zu verhüllen und zu enthüllen - etwas zu zeigen, für einen Augenblick und es blitzschnell wieder wegzunehmen.
Ich habe in einem Buch über den Orient gelesen, dass die Frauen angehalten werden, sich zu verschleiern, um nicht die heißblütigen Männer in Versuchung zu bringen. In diesem Sinne schützen sich die Frauen mit dem Schleier tatsächlich vor nicht berechtigten Übergriffen.
Hallo Dreamer,
ich weiß es nicht. Finde da in mir auch keinen Punkt.
Es gibt auch Frauen, die das Kopftuch freiwillig, eigengewählt tragen und sich damit wohlfühlen. Nicht jene, die nirgends im gesellschaftlichen Leben einen Stich tun dürfen (Beruf, Freizeit, Lebensgestaltung). Doch dann ist es das "System" und nicht der Glaube/die Kultur, obgleich ich glaube, daß ein Westeuropäer es schwierig hat, sich in die Menschen dort hineinzuversetzen. Glaube ist da ja (oft) megapräsent/wichtig, im Lebensplan drinnen, durchzieht sich durch "alles" (Politik, Land, was-weiß-ich). Daraus resultieren andere Grundwerte. Diese müssen nicht allesamt verkehrt sein, nur weil ein Westeuropäer sich damit nicht identifzieren kann. Meine damit nicht Unterdrückung Frau etc., sondern die Dinge, die der Glaube dort die Menschen auch gut/sichernd prägt. Das Haus gründet sich auf anderen Pfeilern. Ich kann mich da ganz schwierig nur hineinversetzen.
Insgesamt bin ich - logo - gegen Form der Einschränkung (Mann/Frau/Mensch) und Ungleichbehandlung, etc.. Ich kann es nicht ganz greifen, worauf ich hinauswill.
Hm, zunächst müssen "sie" ja erst mal klarkommen. Alle. Frauen wie Männer, mal recht unanhängig von dem, was andere meinen, was gut für sie wäre.
*Antwortversuch* :(
Ich versteh schon was du meinst. Wenn jemand freiwillig ein Kopftuch trägt ist auch nicht wirklich was dagegen einzuwenden. Es geht mir einfach um die unterdrückerische Variante, die wir gerade hier in Deutschland recht häufig erleben. Interessant finde ich es, daß islamische Länder da oft verständnisloser reagieren als wir. Zum Beispiel ist in der Türkei in Schulen, Unis und im öffentlichen Dienst, daß tragen von Kopftüchern verboten.
Dass Männer, aber auch Frauen, auf bestimmte Körperformen schematisch anspringen, garantiert erst mal ganz wertneutral den Fortbestand der Spezies.
Ganz so wertneutral ist der Fortbestand unserer Spezies ja nicht, wenn Du mal bedenkst, daß sich manche Menschen das Ende der Welt (und damit auch das Ende der Menscheit) regelrecht herbeisehnen. Evolutionstechnisch mag das zwar stimmen, aber den eigentlichen Grund unserer Bedürfnisse brauchen wir doch gar nicht zu kennen: So ißt Du zwar, weil Du Hunger hast, aber daß dieses Befriedigen des Hungergefühls durch Essen Dein Überleben sichert, brauchst Du nicht zu wissen. ;)
Ich habe in einem Buch über den Orient gelesen, dass die Frauen angehalten werden, sich zu verschleiern, um nicht die heißblütigen Männer in Versuchung zu bringen. In diesem Sinne schützen sich die Frauen mit dem Schleier tatsächlich vor nicht berechtigten Übergriffen.
Hierzulande ist es ja gerade anders, nämlich daß der Mann mit der "Last" (wenn man so will) seiner Bedürfnisse allein zurechtkommen muß, während die Frau in bezug auf Kleidung und Aussehen sämtliche Freiheiten genießt. Ich kann mir jedoch nicht vorstellen, daß die Frauen mit ihrer angeblich so guten Menschenkenntnis (was ja durchaus stimmen kann) nicht um die Wirkung ihres Äußeren wissen. Natürlich wissen sie es und setzen dieses Wissen auch gezielt ein, während sich der Mann in Zurückhaltung üben soll und im Prinzip sogar Handlungsunfähig wird, weil hinter jeder versuchten "Annäherung" die Interpretation der sexuellen Belästigung lauert. :(
Wo wir schon bei "nicht berechtigten Übergriffen" sind: Ich bin der Meinung, daß die Heißblütigkeit der jungen Männer gesellschaftlich so aufgefangen werden muß, daß sie einerseits keinen Schaden stiftet und andererseits besagte Männer nicht in ihrer Entwicklung hemmt (z.B. aufgrund der schon erwähnten erwarteten Verdrängung oder "Kontrolle" der Bedürfnisse).
thema mal nach oben hole
huhu Clown :)
was ist denn der Anlass des wieder-nach-oben-Holens?
Ich hab gestern wieder einen Bericht bei Phoenix gesehen zu diesem Thema. Ging aber eher um die Zwangsverheiratungen usw. und dass Ehre ein dehnbarer Begriff ist, den jede Familie für sich selbst definiert. Dass die Frau in vielen Fällen als "beschmutzt" gilt, wenn sie verlobt ist und ihr Mann vor der Verheiratung stirbt. Und dass sie dann den Bruder heiraten muss, da sie sonst keiner will da eben "beschmutzt" bzw. die Familienehre eben dann unter ihr zu leiden hat.
Ist schon grotesk das :o
Aber das geht jetzt vielleicht zu sehr in eine andere Richtung.
Deshalb meine Frage, was der Anlass für Dich war, es wieder rauszukramen. So dass man vielleicht eher wieder zum Ursprungsthema Schleier kommen kann.
Zedka, hier ist etwas Aktuelles! :)
16.02.2007 Schleier als Bildungsschranke?
- von Edith Laudowicz
Beschäftigt man sich mit dem Thema „Islam“ so ist in den letzten Jahren das Thema Kopftuch in den Mittelpunkt der Diskussion über Lebens- und Bildungsmöglichkeiten muslimischer Frauen gerückt. In unserem Land erregte in den letzten Jahren die Diskussion um das Kopftuchverbot weit mehr die Gemüter vieler Frauen als die jahrelange Diskriminierung muslimischer Migrantinnen im Bildungs- und Ausbildungswesen, die sich angesichts verschärfter ökonomischer Bedingen auch in unserem Land trotz vieler Bemühungen nicht wesentlich verbessert.
Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht dies: Von den 12,5 Mio Schülerinnen (48 %) und Schüler (51) im Schuljahr 2003/2004 waren insgesamt 1,16 Mio. (9,3 %) nichtdeutscher Staatsangehörigkeit. Bezieht man jedoch den Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ein, kommt man zum Drittel aller Kinder und Jugendlichen in Westdeutschland, die aus Migrantenfamilien stammen (Anmerkung 1) In Bremen beträgt der Anteil von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund 40,7 %.
Betrachtet man die Herkunftsländer, ist der Anteil von Türken mit 26 % am stärksten, weitere starke Gruppen stammen aus dem ehemaligen Jugoslawien unter der Kategorie „andere“ finden sich Zuwanderer aus Afghanistan, dem Libanon, Tunesien, Algerien, Palästina, Indien, Pakistan, Iran u.a. von denen anzunehmen ist, dass sie Muslime sind, so dass der Anteil ca. 40 % betragen dürfte.
Ausschlaggebend für den Schulerfolg von SchülerInnen mit Migrationshintergrund ist neben den Deutschkenntnissen weniger die ethnische oder religiöse Zugehörigkeit, sondern eher die soziale Herkunft. Zwei Drittel aller nicht in Deutschland geborenen Eltern von Migrantenkindern sind Arbeiter oder Angestellte, wobei knapp die Hälfte eine angelernte Tätigkeit ausübt. Je höher die Qualifikation der Eltern, je größer ist die Chance einer erfolgreichen schulischen Laufahn der Töchter.
Die meisten Einwanderer – auch die muslimischen Eltern mit starker religiöser Orientierung - wünschen sich für ihre Kinder eine gute Bildung und einen erfolgreiche Schullaufbahn. Die Untersuchung von Büsing/Karakasoglu (Anmerkung 2) verweist darauf, dass immerhin 36 % der Eltern mit einem niedrigen Bildungsniveau Töchter mit höheren Abschlüssen hatten.
Es gibt bislang nur wenig Untersuchungen zur Bedeutung der Religion bei Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Erstmals 1996 beleuchtete eine Studie die religiöse Haltung von Jugendlichen (Anmerkung 3). Muslimische Jugendliche betonten den starken Rückhalt, den ihnen die Religion vermittle und das positive Eingebundensein in ein soziales Netz, dass der Vereinzelung entgegenwirke. Die befragten muslimischen Mädchen gaben an, dass restriktives Verhalten der Eltern ihnen gegenüber ihrer Meinung nach nicht auf die Religion, sondern auf die patriarchale Kultur zurückzuführen sei. Damit stützen sie Beobachtungen, die auch bei anderen Gruppen zu beobachten sind. Das Leben in der fremden Kultur oder der Diaspora führt zu einer verstärkten Hinwendung zu traditionellen kulturellen Werten. Die Shell-Studie 2000 befasste sich erstmals ausführlicher mit dieser Frage. Eine religiöse Orientierung zeigten vor allem türkische Jugendliche, wobei weibliche Befragte einen höheren Grad der religiösen Orientierung aufwiesen. In der von Boos-Nünning/Karakasoglu durchgeführten Studie gaben die muslimischen jungen Frauen an, die Religion vermittle Selbstvertrauen und sei eine wichtige Lebensressource zur Bewältigung des Alltags. Religiös orientierte Mädchen wollen zukünftig ihre Kinder ebenfalls religiös erziehen.
1996 veröffentlichten Frauke Biehl und Sevim Kabak 10 Interviews von Frauen muslimischer Frauen zwischen 23 und 50 Jahren (Anmerkung 4).
Sie kommen ähnlich wie die genannten Untersuchungen zu dem Fazit, dass Religion im Leben der Frauen wichtig und sinnstiftend ist, Halt bietet und das Selbstvertrauen sich und anderen gegenüber stärkt, auch dann wenn alle einem festgelegten religiösen Vorschriftenkanon folgen. Insbesondere aber stiftet sie eine Identität jenseits von nationalen Grenzen.„Das Gefühl sowohl in der Türkei als auch in Deutschland fremd zu sein, wir durch den Islam als ihr „zuhause“, als etwas, das ihnen gehört, aufgefangen.“ (Anmerkung 5) Biehl/Kabak widersprechen der These, die Hinwendung zur Religion sei eine Abkehr von der deutschen Gesellschaft. Viele Frauen führen innerhalb des islamischen Bezugskontextes eine Auseinandersetzung sowohl mit den Vorstellungen der Eltern wie auch mit den Werten der deutschen Gesellschaft. Auch Boos-Nünning/Karakasoglu vertreten die These, dass die Bezugnahme junger islamischer Frauen auf die Stellung im wahren Islam ihnen eine Möglichkeit biete „ die Anforderungen der nicht muslimischen Welt und die Anforderungen der muslimischen Eltern an ihre Verbundenheit mit der Herkunftskultur in Einklang zu bringen. Die Bezugnahme auf den Islam erweitere ihren Aktionsradius,“ (Anmerkung 6) Die Hinwendung zum Islam und deren Gemeinschaften eröffnet ihnen partiell eine Möglichkeit, eigenen Wege zu gehen, die von der Familie akzeptiert werden ihnen aber zugleich die Möglichkeit bietet, sich mit Gleichaltrigen zu treffen, ohne sich rechtfertigen zu müssen, die vor allem von den stark religiösen Mädchen wahrgenommen wird.
Die Rolle des Kopftuches im Rahmen ihrer Religiosität ist vielfältig: Übereinstimmend jedoch empfinden die Befragten die Gleichsetzung von „schleiertragend und ungebildet oder rückständig“ als diskriminierend ebenso die Rechfertigungen, zu der sie in Gesprächen mit Deutschen häufig gezwungen werden. Sie beharren auf dem Recht, individuell entscheiden zu können, ob sie es tragen oder nicht und geben überwiegend an, es aus eigenem Willen zu tun.
Während kein Zusammenhang zwischen Grad der Religiosität und der Bildung bei muslimischen Jugendlichen nachgewiesen werden konnte, erwiesen sich stark religiöse muslimische Jugendliche in ihrer Geschlechterrolleneinstellung traditioneller als die anderen.
Stellt man sich nun die Frage, wie es mit dem Wunsch nach einer beruflichen Ausbildung junger Migrantinnen mit muslimischem Hintergrund bestellt ist, so zeigen verschiedene Studien, dass die Mehrheit junger Frauen Beruf und Familie realisieren möchten. Eine ausschließliche Orientierung an familiären Lebensplänen ist nicht die Regel. Lediglich durch Misserfolge bei dem Übergang von Schule in Ausbildung bzw. Beruf, kann sich bei ihnen eine familiäre Orientierung herausbilden: Dies trifft gleichermaßen auf türkische Mädchen zu: nur sehr wenige wollen nach Beendigung der Schulzeit zu Hause bleiben(wobei hier auch die Frage aufzuwerfen ist, ob dies freiwillig geschieht). Sieht man sich jedoch die Realität der Berufsausbildung an, so wird deutlich, dass Ursache einer möglichen Hinwendung zur Familie und frühen Mutterschaft nicht in einer familiären Orientierung zu sehen ist, sondern in der verschlechterten Lehrstellensituation begründet liegt. Seit Mitte der 90er Jahre finden immer weniger Jugendliche mit ausländischen Pass oder Migrationshintergrund einen Ausbildungsplatz. Während 1994 noch 44 % waren sank die Zahl im Jahr 2004 auf 25 %. Nur 31 % der ausländischen weiblichen Jugendlichen fanden einen Ausbildungsplatz.
Anmerkungen:
1 Bericht über die Lage der Ausländerinnen und Ausländer in Deutschland, September 2002 – 2004
Anteil der Ausländer 2005
2 Boos-Nünning, Usula/Karakasoglu, Yasemin; Viele Welten leben: Zur Lebenssituation von Mädchen und jungen Frauen mit Migrationshintergrund; Münster 2005, S. 178
3 siehe ebda. S. 375
4 Biehl, Frauke/Kabak/Sevi; Muslimische Frauen in Deutschland erzählen über ihren Glauben, Gütersloh 1999
5 ebda. S. 118
6. Boos-Nünning, Usula/Karakasoglu, Yasemin; Viele Welten leben,...a.a.O. S. 376
(Dieser Artikel ist eine stark gekürzte Fassung eines Vortrages über das Thema )
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