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zenzero nero
14.04.2005, 23:32
Gehörst Du auch dazu ?
- diese frage begleitet mich seit zwei Tagen. Auch mir nur flüchtig bekannte Kollegen wollen erfahren, wer denn betroffen ist von der angekündigten Schliessung eines Geschäftsbereiches. 400 Arbeitsplätze gehen dann verloren, nur in unserem Werk, einige Kilometer weiter sind es 600. Sorgen zeichnen die Gesichter, was wohl aus den Familien, dem Leben, den Träumen dieser Menschen werden wird, jetzt nach Hartz IV. Die in diesem System zur "Förderung der Eigeninitiative" auf die Strasse gesetzt werden.
Auch Wut kommt auf wegen der vielen falschen Versprechungen. Lohnverzicht auf der Arbeitnehmerseite sollte mit dem Verzicht auf Kündigungen honoriert werden. Alles scheint Makulatur, ein Teil des Unternehmens wurde abgetrennt und jetzt wird ja der "gute Name" des Konzerns von derartigen Aktionen nicht berührt. Und der neue Teilkonzern kann ja jetzt ohne diese Vorbelastung agieren.
Ich bin (noch, meinem Teilbetrieb gehts noch gut), nicht betroffen, aber getroffen von der Art und Weise wie hier ein Stück soziale Unternehmenskultur und Verantwortung für Mitarbeiter mit Füssen getreten wird.
Sehstern
14.04.2005, 23:42
(boah! sprachlos. wieder mal.)
zenzero nero
14.04.2005, 23:57
Es ist, wenn die Nachrichten über Massenentlassungen berichten, immer so weit weg.
Dies hier geht mir sehr nahe, kenne ich doch etliche der Betroffenen. Dann ist es nicht mehr so einfach dies alles nur mit verfehlter Unternehmensstrategie oder wirtschaftswissenschaftlichen Argumenten abzutun. Es geht immer um Menschen, diesmal um meine Nachbarn.
Ich hab es leider auch etliche male miterlebt. Die Region in der ich wohne war in den letzten Jahren von Firmenschließungen und Massenentlassungen geprägt. Besonders verärgert es mich wie mit diesen Menschen auf dem Amt umgegangen wird.
Dreamingcat
15.04.2005, 08:24
Der Arbeitsmarkt ist grausam geworden, weil man sich auf nichts und niemanden mehr verlassen kann. Eine Freundin in Wien hat es kalt erwischt. Über viele Jahre hat sie sich als alleinerziehende Mutter in einer Schweizer Filiale hochgearbeitet. Jetzt ging der Seniorchef, der große Stücke auf sie hielt. Der Juniorchef kehrt nun mit eisernem Besen. Ein Opfer wurde sie. Wie schwer es für frau werden wird, mit 45 Jahren jetzt etwas Neues zu finden, kann sich wohl jeder vorstellen.
Und an die Zukunftsaussichten meiner Kinder mag ich gar nicht denken. Ich habe viel mit jungen Menschen zu tun. Man spürt eine gewisse Resignation. Traurig. Der Gedanke an zukünftige Arbeit belastet schon die jungen Leute. Statt neugierig draufloszulernen, herrscht bei einer doch recht großen Zahl Unsicherheit und Zukunftsangst.
Ausgesprochen ungerecht, wie einige Wenige sich bereichern an den Maßnahmen zur Erhaltung der Wirtschaftlichkeit, während auf denen herumgetrampelt wird, die doch den Erfolg ebenso mitgestaltet und mit möglich gemacht haben. Werte wie Loyalität und Verläßlichkeit werden nicht mehr geschätzt. Verfehlungen oder Krankheit kann sich kein normal arbeitender Mensch mehr leisten, denn nur die Leistungsfähigkeit zählt, nicht (mehr) die Dauer der Betriebszugehörigkeit, die bisherigen Leistungen. Was zählt, ist die Gewinnstatistik.
Aus den Erzählungen meines Mannes (er ist Unternehmensberater) kriege ich jeden Tag mit, wie dieses "wirtschaftliche Denken" funktioniert. Dieses Denken hat er auch schon angenommen: rational, vernünftig, zielführend - so nennt er das. Idealismus und "Emotionales" haben da nichts zu suchen. Mit solchen Maßnahmen würden ja auch die übrigen Arbeitsplätze wieder gesichert.
Ich finde es grausam.
Ist solches Vorgehen in unserer industriellen Einbahnstraße der einzig übrige mögliche Weg?
Ausgesprochen ungerecht, wie einige Wenige sich bereichern an den Maßnahmen zur Erhaltung der Wirtschaftlichkeit, während auf denen herumgetrampelt wird, die doch den Erfolg ebenso mitgestaltet und mit möglich gemacht haben. Werte wie Loyalität und Verläßlichkeit werden nicht mehr geschätzt. Verfehlungen oder Krankheit kann sich kein normal arbeitender Mensch mehr leisten, denn nur die Leistungsfähigkeit zählt, nicht (mehr) die Dauer der Betriebszugehörigkeit, die bisherigen Leistungen. Was zählt, ist die Gewinnstatistik.
Aus den Erzählungen meines Mannes (er ist Unternehmensberater) kriege ich jeden Tag mit, wie dieses "wirtschaftliche Denken" funktioniert. Dieses Denken hat er auch schon angenommen: rational, vernünftig, zielführend - so nennt er das. Idealismus und "Emotionales" haben da nichts zu suchen. Mit solchen Maßnahmen würden ja auch die übrigen Arbeitsplätze wieder gesichert.
Ich finde es grausam.
Ist solches Vorgehen in unserer industriellen Einbahnstraße der einzig übrige mögliche Weg?
Es ist der Weg der am Ende das System zu fall bringen wird. Die schreiende Ungerechtigkeit und Unmenschlichkeit von Hartz 4 wird zu einer Erhöhung der Armut führen. Über kurz oder lang wird die Armut so groß werden, das es eine Revolution geben wird. die ersten Anzeichen dafür sieht man ja schon seit Jahren (Aufstand der Armen). Das System hat nur eine Chance seinen Untergang zu entgehen. Es erlernt Menschlichkeit oder es wird zerbrochen. So wie es jetzt ist hat das System keine Zukunft.
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