Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Dunkelrestaurants
Hi...
es gibt sog. Dunkelrestaurants. Essen im Dunkeln, um die Welt eines Blinden nachzuerleben, um es einfach mal auszuprobieren, was es heißt auf den Sinn des Sehens zu verzichten.
"Ein Sehender soll auch einmal fühlen, wie es ist, abhängig zu sein." (Stuttgarter Zeitung (http://www.stuttgarter-zeitung.de/stz/page/detail.php/900707/artikel_bildlinks_druck))
"Schmecken, Tasten, Riechen und Hören. Diese alltäglichen Erfahrungen werden Sie nach einem Besuch im Dunkelrestaurant in einem anderen Licht sehen."
(Nocti Vagus (Berlin) - die Idee dahinter (http://www.noctivagus.com/idee_1.htm))
***
Stelle mir das persönlich schwierig vor dergleichen auszuprobieren. Vor Jahren hatte ich es einmal, daß ich von absoluter Nachtdunkelheit draußen umgeben war. Kein Licht weit und breit war zu sehen, keine Konturen waren auszumachen. Hat man so eigentlich recht selten. Damals war mir ziemlich ungut dabei zumute.
In der eigenen Wohnung ohne Licht des Nachts (auf den Weg zum Bad hin) klappt das ja noch halbwegs, wenn es aber eine ganz neue Umgebung ist, die man nicht kennt, wird es - finde ich - heikel.
Dennoch: Das Fordern anderer Sinne (Geschmack/Tasten/Hören) hat den Reiz des Erfahrens/Ausprobierens. Einen Sinn bewußt ausgrenzen. Könnte eine bemerkenswerte Erfahrung werden.
LG Hirto
Pretender
22.07.2005, 18:28
Ein schönes Thema Hirto!
Ich war vor etwa 3 Jahren an einer grossen Ausstellung in Bern, wo der Blindenverbrand eine sogenannte "Blindenbar" betrieben hat. Eine normale Bar mit ein paar zusätzlichen Bistrotischen. Das ganze mit Brettern und Tüchern so absolut gegen Licht abgeschirmt, dass ein Vampir dort drin seine helle Freude gehabt hätte! :D
Wir mussten draussen warten, bis eine blinde Dame uns abholte, anschliessend führte sie uns - alle Händchen haltend - nach drinnen. Nach ca. 10 Meter und 2 Richtungsänderungen hatte ich bereits keinen Schimmer mehr wo ich war und es war wirklich finster "wie in einer Kuh", wie man das bei uns so sagt.
Wir wurden an die Bar geführt, wo sie uns das bestellte Getränk in null-komma-nichts serviert hat. Nun ging es ans Einschenken. Wie merkt man dass das Glas voll ist? Klar, den Finger reinstecken! Uuups, schon zuviel und bereits gekleckert... :D Man unterschätzt die Situation anfangs total!
Ich hatte nachher noch die Gelegenheit so ca. 10 Minuten mit dieser Dame zu sprechen. Sie war seit der Geburt blind und hatte nie die Möglichkeit gehabt, etwas in ihrem Leben zu sehen. Und ich selber hatte mich noch nie so dermassen nur auf eine Stimme konzentriert! Sie klang einerseits selbstbewusst, andererseits jedoch soooo unglaublich sanft! Ich glaube, ich hätte mich auf der Stelle in ihre Stimme verlieben können... :D
Natürlich war das Bezahlen der Rechnung resp. die Kontrolle des Geldbetrages für SIE überhaupt kein Problem... bis aber ICH die passende Note aus meiner Geldbörse gekramt hatte, verging für mich eine Ewigkeit... ;)
Nachdem ich es jedoch geschafft hatte, führte Sie unsere Gruppe wieder in das Tageslicht hinaus... wo ich einen kurzen Blick das Gesicht dieser jungen Frau werfen konnte. Und obwohl sie vom Äusserlichen her nicht mein Typ war, würde ich sie sehr gerne "wiederhören". Denn seit diesem Zeitpunkt weiss ich endgültig, wie unwichtig das Äussere für unser Empfinden jemandem gegenüber sein muss!
Drum, wenn ihr irgend einmal die Möglichkeit für den Besuch einer solchen Einrichtung erhaltet, zögert nicht sondern gönnt Euch diese absolut einzigartige Erfahrung!!
Hi Pretender...
hui... jemand, der das schon ausprobiert hat. Danke für Deine Eindrucksbeschreibung. Bar bzw. Restaurant in Zappendusterdunkel gibt es in meiner Stadt nicht.
Gab es Musik in der Bar? War die Bar viel besucht (Geräuschkulisse von anderen)? Oder waren alles mucksmäuschenstill :rolleyes: ? Ich denke, das fängt dann auch schon damit an "Wie finde ich mein Glas", oder?
LG Hirto :kleeblatt
Pretender
22.07.2005, 20:03
Was heisst den hier "wie finde ich mein Glas"? Es muss heissen: "Hallooooo, ist sonst noch jemand hier??" ;) Es war wirklich super eindrücklich! Wir waren zu dritt an der Bar, ich sass ganz links aussen beim Durchgang. Die Bardame warnte mich jedesmal, wenn sie nach vorne musste... da sonst ev. :eek: !
Es fängt schon bei der Unterhaltung an. Drinnen hörte man nur ein Raunen, d.h. die Leute flüsterten schon fast - aus Rücksicht auf alle anderen oder weil sie von den Eindrücken fast überwältigt waren? Das "Nicht-Sehen" beeinflusste mich teilweise so stark, dass ich immer wieder nachfragen musste, ob mir die anderen überhaupt zuhörten... Natürlich genoss ich das Gespräch mit der Dame, denn unter diesen Umständen waren alle "Sehenden" die Blinden, d.h. sie erklärte mir, wie sie sich in der ständigen Dunkelheit ihres Lebens zurecht finden konnte! Ich muss sagen, dass ich diese Frau, welche so selbstverständlich mit ihrem Handicap umgehen konnte, ob ihrer Lebensfreude bewundere!
Mein Freund trinkt seinen Kaffee normalerweise mit Zucker und Milch, aber ich glaube, dass er vor lauter Fummeln damals zum ersten Mal darauf verzichtet hatte :D Wo ist die Flasche Cola? Wo ist mein Glas? IST ÜBERHAUPT NOCH ETWAS IN DER FLASCHE DRINN? :kratz: :D Das nächste Mal gehen wir zusammen Spaghetti essen! :D :rolleyes:
Hirto, dieses Erlebnis wirst Du nie mehr vergessen. Öffne Dich und lass es eifach auf Dich zukommen, ohne Erwartungen oder Ängste! :)
Übrigens, Musik gab's keine dort. Ohne Augenlicht konzentriert man sich ohnehin schon auf jedes Geräusch, das einem eine gewisse Orientierung vermitteln kann...
Grüessli, Pretender
Pretender
22.07.2005, 20:13
Übrigens, ich hab' dazumal ein Foto gemacht, hier! ;)
Matt_kirsche
22.07.2005, 20:19
Denselben Effekt erzielt man übrigens auch, wenn man beim Essen einfach die Augen zumacht ;)
Matt_kirsche
22.07.2005, 20:24
Ich halte von solchen Etablissements jedenfalls recht wenig, ist für mich auf einer Stufe zu sehen mit reichen Leuten, die für einen Tag "arm spielen" oder Gehenden, die sich für einen Tag in den Rollstuhl setzen "um zu sehen, wie es ist, querschnittsgelähmt zu sein".. Als "Nichtbehinderter" kann man sich aber nunmal nicht hineinversetzen, du sitzt in einer völlig dunklen Kneipe? Wow (Sarkasmus), sobald du rausgehst, kehrst du in dein Leben zurück, mit weit geöffneten Augen. Entweder man ist blind, oder man ist es halt nicht, und ich finde herzlich wenig "toll" daran, für ein bis zwei Stündchen blind zu "spielen". Wenn ich blind wäre, würde ich Menschen, die solche Orte aufsuchen, müde belächeln und das ist nicht mal bös gemeint von mir...
Ganz ehrlich, ich als Blinder hätte keine Lust auf Sehende um mich herum, die mal sehen wollen, wie es ist, blind zu sein
Pretender
22.07.2005, 21:29
@Matt
Na ja, wenn Du glaubst, dass es lediglich ums "Blind spielen" geht, dann hast Du absolut nichts verstanden :arghh:
Stichwort: Verständnis! Warum auch sollten Blindenverbände solche Projekte unterstützen und sogar selber ins Leben rufen... :rolleyes:
Matt_kirsche
22.07.2005, 21:40
Tja, in dem Fall leg ich offensichtlich auch nicht besonders viel Wert darauf, es näher zu verstehen.. Wenn ich blind wäre, würde ich jedenfalls solche Plätze meiden, ich hätte keine Lust auf Sehende um mich herum, die meinen, sich in mich hineinversetzen zu müssen, was sie eh nicht schaffen, weil sie die Behinderung nunmal nicht haben. Wenn sie genug haben, gehen sie, aber ich, tja, ich bleibe blind.. Ganz toll.
Wenn du sehen willst, wie es ist blind zu sein, verbind dir an einem Sonntag die Augen und lauf den ganzen Tag "blind" durch dein Haus, da hast du mehr von und es kostet nichts und du beleidigst diejenigen, die diese Behinderung wirklich haben, nicht mit deinen Versuchen dich in sie hineinzufühlen
Pretender
22.07.2005, 21:58
Aha. Das gibt aber noch lange nicht die Antwort, weshalb Blindenvereinigungen GENAU SOLCHE Projekte unterstützen und entwickeln und auch solche Bars und Restaurants betreiben! Es sind absolut nicht die Sehenden, die solche Projekte betreiben! Denn genau solche Orte fördern das Verständnis für diese Randgruppe, was bei vielen selbstherrlichen arroganten "Nicht-Handicapierten" einfach fehlt...
Matt_kirsche
22.07.2005, 22:02
Es gibt immer Befürworter und Gegner, ich wäre mit Sicherheit einer der Gegner (aus besagten Gründen) und würde solche Plätze meiden.. Da hast du deine Antwort
Pretender
22.07.2005, 22:57
Finde ich schade, ist aber halt Deine Meinung. Ich selber aber glaube, dass den Blinden durch das Ignorieren solcher von ihnen errichteten Projekte überhaupt nicht geholfen ist! Im Gegenteil. Es wäre ja der Wunsch dieser Randgruppe, dass die Leute sich mit dem Besuch solcher Einrichtungen aktiv mit diesem Handicap auseinander setzen (wer verbindet sich schon zu Hause die Augen...) und ihnen so mehr Verständnis für ihre Behinderung entgegen bringen... was sollten sie denn sonst machen? Aufrufe starten? :rolleyes: Reden bringt wie wir alle wissen fast überhaupt nichts, aber durch Erfahrungen am eigenen Leib geht manchem plötzlich ein Licht auf! Wie viele Menschen wissen ihre Gesundheit resp. ihr Augenlicht überhaupt zu schätzen?? Durch Ignoranz wurde noch niemandem geholfen...
Fahrenheit
22.07.2005, 23:55
In Wiesbaden gibt es ein "Schloß Freudenberg" (Zum Schloß) (http://www.schlossfreudenberg.de/) in dem man Erfahrungen zur Entfaltung der Sinne machen kann.
Auch dort wird ein solches Dunkelcafé betrieben, welches ich einmal besucht habe.
Ich finde es einfach unsinnig.
shadow of light
23.07.2005, 00:34
gibt es in köln nicht die unsichtbar? oder war es düsseldorf >grübel< ich habe schon sehr viel positives davon gehört, aber da ich selbst panische angst bekomme wenn ich nicht sehen kann was um mich herum ist macht mich schon allein die vorstellung verrückt... ich glaube das augenlicht zu verlieren wäre für mich der schrecklichste verlust, einfach aus dieser angst heraus...
Ich bin vor mehreren Jahren einmal in völliger Dunkelheit durch einen großen Wald nach Hause gegangen. Ich habe geschätzt eine Stunde dafür gebraucht.
Es war beeindruckemd. Absolute Dunkelheit. Da lernt man/frau, sich auf andere Sinne als die Augen zu verlassen ...
Und Glühwürmchen habe ich auch gesehen ... :D Das war meine einzige Lichtquelle da ... ;)
Hi...
ich finde, es ist ein Unterschied, ob man sich die Augen verbindet oder ob man sich mit offenen Augen in stockfinsterer Umgebung ist und man krampfhaft dennoch versucht Lichtpunkte/Konturen etc. auszumachen, sie aber nicht findet. Ist wesentlich eindrucksvoller. Eindrucksvoll nicht im Sinne von sensationstoll, sondern: "Ein Eindruck wirkt, hinterläßt in einem selbst ein gewisses Gefühl". Das gewisse Gefühl bei mir (wo ich die dunkle Nacht um mich hatte) war ziemlich bedrohlich auf mich wirkend.
Die Dunkelrestaurants sähe ich einfach als ein Angebot zum Neuerfahren. Mehr nicht. Logo – danach geht man zurück ins Licht, aber Dunkelrestaurants werden – glaube ich – nicht als Running-Gag angeboten, sondern als Möglichkeit etwas a) über sich und seine Sinne zu erfahren und b) einen kleinen Teil des Erlebens von Blinden nachzufühlen; ergo plus etwas an Verständniserweiterung für Blinde/Sehbehinderte. Bleibt jedem selbst überlassen, was er aus solchem Besuch für sich herauszieht.
Ehrlich gesagt: Ich frage mich, wo die Blinden/Sehbehinderten sind? Ich sehe sie kaum hier in den Straßen. Ganz selten sieht man jemanden alleine herumgehen mit Stock oder Blindenhund. Wo leben die Blinden? *ernsthafte Frage*.
Mir fallen nur wenige kleine Orientierungshilfen für Blinde auf. In der Stadt hier ist die Bodenpflasterung, die die Bushaltestellen abgrenzt, geriffelt in Profil. An den EC-Automaten sind Braille-Punkte, ebenso auf manchen Medikamtentenpackungen (eher die Ausnahme). Aber sonst?
Grüsse Hirto
Hi...
ich finde, es ist ein Unterschied, ob man sich die Augen verbindet oder ob man sich mit offenen Augen in stockfinsterer Umgebung ist und man krampfhaft dennoch versucht Lichtpunkte/Konturen etc. auszumachen, sie aber nicht findet. Ist wesentlich eindrucksvoller. Eindrucksvoll nicht im Sinne von sensationstoll, sondern: "Ein Eindruck wirkt, hinterläßt in einem selbst ein gewisses Gefühl". Das gewisse Gefühl bei mir (wo ich die dunkle Nacht um mich hatte) war ziemlich bedrohlich auf mich wirkend.
Die Dunkelrestaurants sähe ich einfach als ein Angebot zum Neuerfahren. Mehr nicht. Logo – danach geht man zurück ins Licht, aber Dunkelrestaurants werden – glaube ich – nicht als Running-Gag angeboten, sondern als Möglichkeit etwas a) über sich und seine Sinne zu erfahren und b) einen kleinen Teil des Erlebens von Blinden nachzufühlen; ergo plus etwas an Verständniserweiterung für Blinde/Sehbehinderte. Bleibt jedem selbst überlassen, was er aus solchem Besuch für sich herauszieht.
Ich persönlich würde ein solches Restaurant meiden. Ich kann mich auch ohne diese Erfahrung gut hineinfühlen. Blindheit wäre so ziemlich das schlimmste was ich mir vorstellen kann. Davor hätte ich wahnsinnig Angst. Und ich würde mich nicht freiwillig dem aussetzen.
Ehrlich gesagt: Ich frage mich, wo die Blinden/Sehbehinderten sind? Ich sehe sie kaum hier in den Straßen. Ganz selten sieht man jemanden alleine herumgehen mit Stock oder Blindenhund. Wo leben die Blinden? *ernsthafte Frage*.
Ich sehe hin und wieder mal einen Blinden in der Stadt, aber auch ehr wenige. Im Grunde ist es aber verständlich, schließlich sind sie eine Minderheit. Wäre ja auch schlimm wenn es so viele Blinde geben würde, das man andauernd welchen begegnen würde. Umso weniger unter dieser Behinderung leiden umso besser.
Mir fallen nur wenige kleine Orientierungshilfen für Blinde auf. In der Stadt hier ist die Bodenpflasterung, die die Bushaltestellen abgrenzt, geriffelt in Profil. An den EC-Automaten sind Braille-Punkte, ebenso auf manchen Medikamtentenpackungen (eher die Ausnahme). Aber sonst?
Bei uns sieht man auch nicht viele Hilfen. Erwähnenswert wären noch die an der Ampel (Das Geräusch), das ist hier fast Standard
Matt_kirsche
23.07.2005, 10:50
Bei uns sieht man auch nicht viele Hilfen. Erwähnenswert wären noch die an der Ampel (Das Geräusch), das ist hier fast Standard
Bei uns auch, selbst an Ampeln ohne "Drücker", da hängt zumindest immer ein Kasten, der ein "tack..... tack............ tack" verlauten lässt, oder halt ein "tack, tack, tack, tack", wenn die Ampel grün ist ;)
Wenn ich Blinden begegne, schaue ich immer, ob sie Hilfe benötigen. Manchmal warne ich vor Unebenheiten.
auch ich finde, dass diese dunkelrestaurants einfach den sinn haben, einblick in die erlebenswelt eines blinden zu geben. find ich eine gute sache, besonders weil es von blinden organisiert wird.
Bei uns auch, selbst an Ampeln ohne "Drücker", da hängt zumindest immer ein Kasten, der ein "tack..... tack............ tack" verlauten lässt, oder halt ein "tack, tack, tack, tack", wenn die Ampel grün ist ;)
Genau die meinte ich ;)
Wenn ich Blinden begegne, schaue ich immer, ob sie Hilfe benötigen. Manchmal warne ich vor Unebenheiten.
Ich bin da vorsichtig. Meiner Erfahrung nach brauchen und wollen Blinde oft gar keine Hilfe. Viele sind sogar sehr stolz drauf, das sie ihr Leben ohne fremde Hilfe bewältigen können. Ich denke immer daran wies mir gehen würde wenn ich blind wäre. Ich würde auch ohne fremde Hilfe klar kommen wollen. Es gibt nichts schlimmeres als von anderen Menschen abhängig zu sein.
Matt_kirsche
23.07.2005, 14:40
Bei mir würden permanente Hilfsangebote zudem wie Mitleidsbekundungen ankommen, auf die ich als Blinder nicht wirklich Wert legen würde (ich wär wohl einer von der verbitterten Sorte ;) )
Kurz"recherche":
In Deutschland gibt es ca. 155.000 blinde Menschen und rund 500.000 sehbehinderte Menschen.
Vorkommen und Gründe für Blindheit
Das Vorkommen von Blindheit ist von Land zu Land, und manchmal sogar von Gebiet zu Gebiet innerhalb eines Landes sehr unterschiedlich. Aber im Durchschnitt kommen in industrialisierten Ländern auf 1000 Einwohner etwa 2 Blinde und in Entwicklungsländern auf 1000 Einwohner 5-20 Blinde.
Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation gibt es heute zwischen 27 und 35 Millionen blinde Menschen in der Welt. Neunzig Prozent der Blinden der Welt leben in Entwicklungsländern, v.a. in Asien (ungefähr 20 Millionen) und Afrika (ungefähr 6 Millionen), zum größten Teil in sozial benachteiligten Gemeinden ländlicher Regionen und in städtischen Slums. Das Risiko der Blindheit in vielen dieser Gebiete ist 10-40 Mal höher als in den Industrieländern.
Beinahe die Hälfte der Fälle von Erblindungen ist auf Katarakt (Linsentrübung) zurückzuführen, ein weiteres Viertel auf Trachoma (infektiöse Bindehaut-/Hornhauterkrankung). Andere vorherrschende Ursachen für Blindheit sind Glaukom (erhöhter Augeninnendruck, der zur Sehnervschädigung führt) und Flußblindheit (nur in Entwicklungsländern).
Matt_kirsche
23.07.2005, 15:35
meine Mutter hat -12 Dioptrin und kommt auf 16% Sehkraft, erzähl mir nichts von Sehbehinderung ;) Naja, noch dieses Jahr wird sie operiert, was hoffentlich die Erlösung für sie, die sich davon erhofft, auch sein wird.. Ich hab Glück gehabt und wurde als einziges von 3 Kindern von einer Brille verschont :)
Hi Matt_kirsche... :schaem:
bin selbst auch stark kurzsichtig. War mal auf 8-9 Dioptrin, hat sich aber durch Kontaktlinsen runterreduziert auf knapp 7 Dioptrin.
Trage seit 15 Jahren Kontaktlinsen und bin sehr froh, daß ich gut damit klarkomme.
Ich weiß noch, wie ich mit 16 Jahren (da bekam ich die KL) erstmalig mein Gesicht ohne Brille auf der Nase scharf erkennen konnte. Ich sass die ersten Tage oft vorm Spiegel und schaute mich an. Kannte mich ja selbst so nicht - so ohne Brille. Kurzsichtigkeit wurde mit 5/6 Jahren erkannt. Aber schlechter sah ich bereits früher. Ich wußte es nur nicht.
Die Zeit des Schlechtsehens habe ich ganz eigenartig in Erinnerung. Schwer zu beschreiben, war aber recht unangenehm. Ich sah die Straßenseitenbegrenzung nicht richtig, fuhr mit dem Rad oft zu nahe an den Rand heran (Sturzgefahr). Kartenhäuserzusammenbauen machte mich unendlich nervös, alles Filigrane tat das, wo man eine ruhige Hand brauchte.
Deine Mutter bekommt die 12 Dioptrin aber nicht ganz weg mit der OP, oder?
Hirto :kuh:
Matt_kirsche
23.07.2005, 21:48
@Hirto: Doch, da sie nicht gelasert wird, sondern künstliche Linsen eingesetzt bekommt, die dann hoffentlich auch richtig "berechnet" wurden, wird sie ohne Brille auskommen, die -12 Dioptrin können so komplett kompensiert werden (geht ja schließlich nur um den richtigen Brennpunkt auf der Netzhaut)... Das Ganze ist zudem eine notwendige OP, weil meine Mutter beginnenden grauen Star auf beiden Augen hat, die Prozedur wird also auch von der Krankenkasse übernommen, warum nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.. :o
Wie bei allen künstlichen Linsen (habe ich von meiner Mutter erfahren), können diese nicht mehr von der Linsenmuskulatur gedehnt oder verkleinert werden, eine Lesebrille wird sie also in jedem Fall brauchen, nur wird sie in Zukunft auf die Kontaktlinsen verzichten können... Mit zunehmenden Alter kann das Tragen davon eh problematisch werden, da die Augen, wie bei meiner Mutter, im Zuge der Wechseljahre häufig sehr trocken werden (sie muss daher auch Tränenflüssigkeit "substitutieren", d.h. in Form von kleinen Ampullen künstlich zuführen..)
Wenn ich schreibe "ich schaue, ob sie hilfe brauchen", dann gehe ich garantiert NICHT hin und sage "ey, alter, du bist blind, du brauchst mich. einen zehner und ich helf dir aus dem schlamassel raus !"
Wen ich schreibe, "ich schaue, ob sie hilfe brauchen", dann meine ich damit, daß ich versuche, Gefahren zu erkennen - wie Unebenheiten, oder sich nahende Straßenbahnen - die sie nicht sehen können ... erahnen, ja, oder andere Sinne benutzen.
Matt_kirsche
23.07.2005, 23:55
War schon klar, dass du das ohne Geldgegenleistung machst, nur ich als Blinder würde das nicht so toll finden, wenn da ständig Leute um mich rumspringen würden, die mich vor eventuellen "Gefahren" warnen, weil sie mich als nicht in der Lage sehen würden, die selbst zu bemerken ;)
Ich springe ja auch nicht um Leute herum. ;) Glaubst du, ich bin nur am Leben, um um Leute herumzuspringen ? ;)
"Was machen Sie denn da ???" "Ich laufe vor diesem Blinden herum, weil ich sein Suchhund bin."
"Aber er hat doch schon einen Blindenhund !?"
"Oh, den habe ich jetzt nicht gesehen." :p
Eiskristallin
24.07.2005, 02:21
paßt auch zum thema:
http://www.dialog-im-dunkeln.de/
In verschiedenen spirituellen Kulturen wird die Reizdeprivation durch Dunkelheit (plus Stille) dafür genutzt, sich und der Welt zu begegnen jenseits dessen, was wir unsere "Psyche" nennen.
Holger Kalweit, Psychotherapeut und Ethnologe, hat sich solchen Dunkelretreats unterzogen und später begonnen, sie auch in seiner Arbeit zu nutzen.
Was ist Dunkeltherapie? (http://www.pichard.de/REIKI/f3_reiki.htm)
die sägefischin
17.08.2005, 00:36
http://www.unsicht-bar.com/unsicht-bar-koeln/html/home_1.html
meine schwester und ich wollen das mal ausprobieren ... ich denke, daß das einfach der selbsterfahrung wegen interessant und lohnend ist - sich mal auf die komplette dunkelheit einlassen, dafür die anderen sinne schärfen und sich stärker am gehör, am tastsinn, am geruchssinn orientieren ... ja à pro pos tastsinn: glaube, mit dem bezahlen ist ne herausforderung ... ich meine, die münzen kann man ja anhand gewicht und prägung ertasten und identifizieren ... aber mit den scheinen ...?!
na, ich werd' auf alle fälle berichten, wie's war :)
Es würde mich nicht wundern, wenn auf den Scheinen Braille-Zeichen drauf wären.
Babapapa
25.10.2005, 14:27
ein artikel im spiegel (http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,379342,00.html)
Mich würde mal interessieren, wie es sich auf das Verhalten untereinander auswirkt, wenn man sich in völliger Dunkelheit gegenüber sitzt? Das mag jetzt komisch klingen.
Aber ich stell mir gerade vor, man geht zu mehreren dorthin. Normalerweise hält man im Gespräch Blickkontakt, achtet auf Mimik und Gestik und "liest" so zusätzlich zu den Worten mit.
Wenn man sich so in völliger Dunkelheit gegenüber sitzt, bleibt einem eigentlich nichts anderes als dem Gegenüber zu vertrauen. Wie fühlt es sich an? Gerade auch, wenn man den anderen schon etwas kennt und es sonst anders gewohnt ist? Verändert einen das nicht auch unter Umständen im Bezug auf die Wahrnehmung des Gegenübers?
Ich weiß nicht, ob verständlich wird, was ich meine. Ich würde die Erfahrung sehr gern mal mit einer Bekannten zusammen machen, meine Problem sind nur die siebzig Nahrungsmittelunverträglichkeiten. :rolleyes:
Oder kennt jemand von euch zufällig auch ein Dunkelcafe, wo man eventuell auch nur was trinken kann?;)
Liebe Grüße
Micha
Remedias
20.04.2008, 19:46
Dunkeltherapie?
Hört sich ziemlich scheußlich an.......
In Südamerika habe ich öfters absolute Dunkelheit im Dschungel erlebt, und das Gefühl, ganz allein unter Feinden zu sein kommt wahrscheinlich noch aus der Evolution, als unsere Vorfahren kleine bepelzte Tierchen waren....aber ich glaube nicht, dass diese archaische Angst mit dem Lebensgefühl eines Blinden zu vergleichen ist.....
lG Remedias
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