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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Soziale Gerechtigkeit


Eros
02.05.2004, 14:46
Hallo zusammen,

wie denkt Ihr über dieses Thema? Ich finde dass es heutzutage jeden treffen kann, dass er zum Soziempfänger wird (schlechte Konjunktur, Arbeitslosigkeit, Unfall, Krankheit) sind oftmals Gründe, die zum Sozialfall führen, führen können. Wie denkt Ihr über diese Menschen? Ich denke man kann sie nicht alle über "einen Kamm scheren", jeder wird aus den unterschiedlichsten Gründen zum Sozialfall. Ich kann manche verstehen, die sich deshalb nicht trauen, mehr auf Menschen zuzugehen, wegen der Stigmatisierung!
In einer Stadt wie Frankfurt am Main lebt mittlerweile schon jede 3. Familie mit mehr als 2 Kindern von Sozialhilfe, Tendenz steigend!! Wie denkt Ihr über diese Menschen? Für mich haben viele nicht alle, Mitleid verdient!


Tendus

glasperlenspielerin
02.05.2004, 15:37
es sind nicht nur familien. ich denke, dass es mehr noch alte/behinderte alleinstehende menschen sind.

ich steh manchmal abends an einer bushaltestelle vor einem discounter. im hinterhof steht eine mülltonne für "abfälle" (überlagerte ware u.ä.) . es ist schon mehrmals vorgekommen, dass ich dort jemanden kramen sehen hab. ein alter, sehr ordentlich aussehender mann kam dort mit seinem fahrrad angefahren und packte sich verschiedenen sachen einen einkaufsbeutel voll.

andererseits denk ich, wird gerade sowas wie sozialhilfe oft schamlos ausgenutzt. ich empfinde es wirklich als dreistigkeit, wenn junge leute in meinem alter schon nicht mehr ihren hosenboden hochkriegen, obwohl sie kerngesund sind (es mag depressive , behinderte oder sonstwie beeinträchtige menschen geben, die diese hilfe brauchen und verdienen), aber ich muß mich auch klar und deutlich gegen das "sozialschmarotzertum" aussprechen. ich denke, davon gibt es mehr als genug in deutschland. neulich hab ich gehört, dass durch entsprechende kontrollen in berlin gelder in höhe mehrer millionen eingespart werden konnten.

Eros
02.05.2004, 15:56
Hallo,

@ glasperlenspielerin

du hast Recht! Ich finde dass es heute schon zuviele Empfänger gibt, als das dies alle auf ihre Berechtigung hagenau hin überprüft werden können/könnten. Wenn ich sehe da wo ich wohne, zu was für Massnahmen geschickt werden, die letztendlich gesehen nichts bringen, so muss ich sagen, dass da doch Geld völlig unsinnig aus dem Fenster herausgeworfen wird und das geht dann nun mal zu Lasten derer, die wirklich darauf angewiesen sind!!


Tendus

Dreamer
02.05.2004, 15:57
@glasperlenspielerin

Ich wohne hier in einer sozial sehr schwachen Gegend und sehe jeden Tag wie dreckig es den Menschen geht. Sicher ist Sozialschmarotzertum ein Problem. Aber eines das zu einseitig gesehen wird. Die reichen Schmarotzer werden nämlich immer vergessen. Leute wie Welteke die sich trotz horender Gehälter Urlaube und Partys bezahlen lassen. Reiche die staatliche beihilfen kassieren. Mir ist sogar ein Fall bekannt in dem ein Millionär Sozialhilfe kassierte und das ganze war dann auch noch durchs Gesetz abgedeckt. Ich denke man muß auch anfangen das Schmarotzertum der Reichen auszumerzen. Das wird nämlich leider all zu oft vergessen

Diana
02.05.2004, 17:13
@ Dreamer: Ich hätte schon längst mal eine Liste aufmachen sollen und immer einen Strich, wenn Du Dinge hinschreibst, die ich auch so sehe. ;-)

Solche Leute wie dieser Millionär oder andere, die sich nehmen, ohne dass sie es - zumindest materiell ;-) - brauchen, ziehen die gesamte Sozialgemeinschaft in den Dreck. Es ist manchmal echt zu bitter, dass solche Leute an alles rankommen (nicht nur "die Reichen", sondern auch die, die Glasperlenspielerin wahrscheinlich meint, kenne persönlich auch Fälle aus der Gegend, in der meine Eltern wohnen), während die, denen es WIRKLICH dreckig geht, entweder dringende Sachen nicht genemigt bekommen oder sie sogar trotz oder gerade wegen ihrer Bedürftigkeit zu stolz sind (viele alte Leute!!!), sich zu melden. Sehr trauriges Thema. Ich weiß auch nicht, wie das weitergehen soll, nicht nur in Bezug auf die Arbeitslosigkeit jetzt, sondern auch auf die Armut, insbesondere Altersarmut, die auf große Teile der Gesellschaft zukommen wird. :roll:

Eros
02.05.2004, 18:46
Hallo,

welche Gefahren sieht Ihr denn so, wenn die Schere zwischen Reich und Arm auseinandergeht? Ich denke mal es wird mehr Kriminalität geben, die Reichen werden von den Zinsen leben, weil sie genug haben. und es wird mehr sog. Tafeln geben, weil sich die Armen immer weniger leisten können. Wie sieht Ihr das?


Tendus

Sensibelchen
02.05.2004, 19:07
Ich denke, dass die Schere zwischen Arm & Reich immer schon auseinandergeklafft hat.

Diana
02.05.2004, 19:17
Die Gesellschaftsstruktur der Nachkriegsbundesrepublik Deutschland war eine "sich selbst nivellierende Mittelstandgesellschaft". Dass dem nicht mehr so ist, sondern große Teile der "Mittelschicht" "abbröckeln" und sich die Struktur polarisiert, also es eher eine Frage von Arm und Reich wird, das ist in diesem Land noch nicht allzu alt. Eine Bewegung vielleicht seit Anfang/Mitte der 90er? Müsste man in soziologischen Studien nachschauen.

Dreamer
02.05.2004, 19:46
@ Dreamer: Ich hätte schon längst mal eine Liste aufmachen sollen und immer einen Strich, wenn Du Dinge hinschreibst, die ich auch so sehe. :wink:


Das ist mir auch schon aufgefallen. aber du postest ja auch oft meine Meinung vorher so das ich mir das schreiben sparen kann. :wink:

Aber mal zum Thema:
Ich kann Diana wieder mal nur in allen Punkten zustimmen. Die Schere zwischen arm und Reich wird immer größer. Das verursacht erhöhte Gewaltbereitschaft und Kriminalität (siehe auch Globalisierungsgegner). Der Klassenunterschied zwischen Arm und Reich ist mittlerweile zu einen regelrechten Konflikt ausgeartet. Im kleinen heißt das mehr Kriminalität. Im Großen Gewaltbereite Globalisierungsgegner die regelrechte Straßenschlachten veranstallten. Möglicherweise werden sich sogar über kurz oder lang Terrorgruppen bilden.

Eros
02.05.2004, 19:52
Hallo,

die einzigsten die den Klassenunterschied zwischen reich und arm stoppen können ist die Politik.
Sie ist doch gefordert, so Dinge wie Armut und auch die Globalisierung zu regeln. Es gehen immer mehr mittelständische Betriebe insolvent, oder werden von den Großkonzernen übernommen. Apropos Grosskonzerne: Ein Großkonzern kann auch einfach mal ein Werk in Deutschland trotz schwarzen Zahlen schließen und sagen, der Profit ist zwar da, aber er ist zu wenig, deshalb machen wir mal eine Filiale oder ein Werk zu. Sie haben nur eins im Sinn: Die Gewinnmaximierung und das geht mit Personalentlassungen natürlich am Besten. Die sozialen Schichten sind ihnen dabei gleichgültig. Auch für Euch ein Grund zur Sorgnis?

Tendus

zenzero nero
03.05.2004, 00:23
Wie wahr,
Ich habe einen Kollegen, der 2001 einen unverschuldeten Arbeitsunfall hatte, bei dem sein Knie so schwer beschädigt wurde, das er Arthrose im Knie hat und jetzt nur noch eine sitzende Betätigung ausüben soll. Dem Mann ist von unserem Chef (ich arbeite in einem grossen Konzern) gesagt worden, er wäre nur ein Kostenfaktor und das Unternehmen könne ihm keinen anderen Arbeitsplatz geben. Umschulung bringe da auch nichts, er ist 46, d.h. Umschulung gemacht, knapp und arbeitslos weil mit 50 nimmt einen kein Unternehmen mehr. Die Berufsunfähigkeitsrente wurde übrigends 2000 abgeschafft. Die wäre aber nicht aus der Rentenversicherung gezahlt worden, sondern von der Berufsgenossenschaft, die von den Arbeitgebern finanziert wird.
Das schlimmste aber finde ich ist, das ER selbst sagen soll, das er seinen Job nicht mehr machen kann. Dann würde ihm das Unternehmen kündigen können und er und seine Familie wären "auf Sozialhilfe".

Noch ein paar Zahlen aus den Unternehmen: Anfang der 90´er mussten bei uns durchschnittlich 33 Arbeitnehmer einen Manager ernähren. Mittlerweile sind es 64 Arbeitnehemer, der Unternehmensgewinn ist aber im selben Zeitraum gesunken = in der Managersprache "Leistungsgerechte Bezahlung". Die wurde für alle Arbeitnehmer bei teilweise erheblichen Kürzungen im selben Zeitraum eingeführt.

Ich habe heute den Herrn Seehofer von der CSU im Fernsehen kurz gesehen. Er hat den Managern in unserem Land fehlende Ethik und Moral vorgeworfen. Er meint, das auch die Unternehmen eine verantwortungfür den Zustand der Republik haben und nicht immer nur auf die Politik eindreschen sollten, sondern endlich auch mal selber Verantwortung fürs Allgemeinwohl übernehmen müssten. Und das Manager auch für ihre Fehlentscheidungen, denn ein Teil der Misere ist auf solche zurückzuführen, endlich die Verantwortung übernehmen und schon im Vorhinein auch die sozialen Komponenten mitberücksichtigen.

@Tendus
Das machen aber leider auch viele Mittelständler, das sie dahin gehen, wo die Arbeit billiger ist (siehe Brandt - Zwieback und....).
Und sicher mach ich mir Sorgen.
Vor allem wegen der oben erzählten Geschichte, die meinem engsten Kollegen passiert ist.

zenzero klassenkämpferisch? :cry:

Dreamy11
03.05.2004, 00:44
Bin Dank Krankheit von Überfördernder Arbeit zum dauer Sozi geworden...Und keine Reha und keine Umschulung...Die Reagierung soll sich bis zum boden Schämen...Die Reichen werden Reicher und die Armen ärmer...wie erschreckend und traurig...:( :cry: :x

Eros
03.05.2004, 18:11
Hallo zusammen,

wie würden denn Eure Angehörigen (Eltern, Verwandte) denken, wenn ihr von Sozialhilfe leben müsst? Ich wüsste nicht, was meine Eltern denken würden, sie würden diese Umstände sehr bedauern wahrscheinlich.
Frage: Wie käme dies bei Euren Bekannten/Verwandten an?

Grüsse

Tendus

Sensibelchen
03.05.2004, 20:28
Es kommt immer auf die Umstände drauf an, wie es dazu gekommen ist, dass man plötzlich auf Sozialhilfe angewiesen ist. Dementsprechend unterschiedich können dann die Reaktionen ausfallen: von Mitleid bis über Unverständnis.

Eros
09.05.2004, 12:00
Hallo zusammen,

dann ist es auch noch so, dass die Sozialämter nicht gut genug zusammenarbeiten, d. h. dem Sozialhilfebetrug Tür und Tor geöffnet wird, da diese nicht miteinander verknüpft sind. Da kommt es als mal vor, dass der eine zum Soziamt A geht, eine Leistung erhält, die Nische zum Betrügen entdeckt und auf den Entschluss kommt, zum Soziamt B geht, um sich dort auch noch die "Stütze" abzuholen. So dass ein Sozihilfesingle z.B. durchaus auf diesem Wege über 1000 Euro monatlich sich so "ergaunert" oder "erschwindelt". Und andererseits kommt es aber auch leider vor, dass denjenigen, die wirklich jeden "Cent" zum Leben brauchen, die Stütze gestrichen wird und manche von denen leer ausgehen und somt so gut wie nichts haben. Das finde ich fies und ungerecht! Und da könnte schon bei richtiger Beobachtung viel Geld eingespart werden! Wie sieht Ihr das?


Tendus