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Michael Jack
11.11.2007, 01:55
Rezension „Lastentragen – die verkannte Gabe“ – 11.11.07

Erst im Untertitel des Buches von Christa und Dirk Lüling wird klar, dass das Buch von Hochsensibilität handelt: „Hochsensible Menschen als emotionale Lastenträger“. Die Autoren verknüpfen das bekannte Phänomen HS mit dem des emotionalen ‚Lastenträgers’, anscheinend nach John Sandford, und kommen somit zu dem neuen Begriff des ‚hochsensiblen Lastenträgers’, HSL, eine Art besonders empathischer Unterfall des hochsensiblen Persönlichkeitstypus. Die Autoren sind Gründer und Leiter von TEAM.F, einem Verein, der christliche Familienseminare anbietet.


Im ersten Kapitel stellen Lülings das Phänomen der Hochsensibilität vor, wobei die genannten Fakten und Vermutungen Kennern größtenteils bekannt sein dürften. Gelegentlich meint der Rezensent, eine gewisse unzulässige Generalisierung zu entdecken, die sich aber verschmerzen lässt.

Es schließt sich im zweiten Abschnitt eine Betrachtung von Kindheit und Jugend des hochsensiblen Lastenträgers an, wobei Säuglings- und Kleinkindzeit ebenso thematisiert werden wie spätere Kindheit und Teenagertage. In einem entsprechend unguten familiären Umfeld könnten HSL-Kinder negative Stimmungen so intensiv aufnehmen, dass eine Lebenslast, ein grundsätzlicher Lebensschmerz entstehe, der zu weichenstellenden falschen Entscheidungen die Lebensgestaltung betreffend führen könne, die häufig jahre- und jahrzehntelangen Kummer bedeuteten. Eltern sollten helfen, bei unerklärlichen Artikulationen starken Leids nach einer verborgenen, wahren Ursache zu suchen. Generell müsse Vertrauen in die aber auch sachgerechter Umgang mit der eigenen besonderen Wahrnehmung vermittelt werden. Interessant: Es müsse der Eindruck vermieden werden, HS sei etwas besonderes.

Im dritten Kapitel wird auf verbreitete Probleme hochsensibler Lastenträger im Erwachsenenalter eingegangen. Diese seien häufig Folge einer (vergessenen aber unbewusst weiterhin wirkenden) Grundsatzentscheidung in der Kindheit, eine „Retter-Identität“ anzunehmen; sich zwecks Leidvermeidung bei den Mitmenschen intensiv unter Hintanstellung eigener Interessen mit deren Problemen und entsprechenden Lösungen zu beschäftigen. Festzustellen seien ferner häufig ein geringes Selbstwertgefühl sowie eine Verachtung von Oberflächlichkeit. Ein wichtiger Schlüssel, sein Leben besser in den Griff zu bekommen, sei das Erlernen von Abgrenzung.

Es folgen Informationen zu der Frage, wie der HSL an der Selbstheilung arbeiten kann: Erforderlich sei es, die Erkenntnis, hochsensibel zu sein, als Maßstab für eine neu bewertende Analyse der eigenen Vergangenheit (gemeint ist das bekannte ‚Refraiming’) zu nutzen, um unterscheiden zu können, was an aktuellem Schmerz ‚Altlast’ oder wirklich neu sei. Ziel sei (nach einer bewussten Entscheidung hierzu) die Trennung von Intellekt und Gefühl („Geist und Seele“) in der Wahrnehmung des Leids der Nächsten: Man solle es wahrnehmen und nach Analyse (helfend) Konsequenzen ziehen, dürfe aber nicht zulassen, dass eigene Emotionen geweckt würden. In der Kindheit hätten HSL diese Trennung nicht vollziehen können, weshalb die Fähigkeit hierzu nun im Erwachsenenalter erlernt werden müsse.

Im fünften Kapitel betonen die Autoren die Notwendigkeit zu einem disziplinierten Leben: Der HSL benötige Zeiten des Rückzuges, er müsse bewusst Grenzen seiner Verantwortung abstecken, anhand von Symptomen eine individuelle Belastungsgrenze erkunden und sie auch einhalten. In einer Partnerschaft sei Kommunikation über diese Einschränkungen eines Partners unverzichtbar.

Im vorletzten Kapitel befassen sich Lülings mit der Frage, welche Aufgaben HSL in der Gesellschaft haben könnten, und meinen, sie (die HSL) seien für Ratgeber- und Seelsorgefunktionen besonders geeignet. Letzteres aufgrund einer engeren Beziehung zu Gott. In der christlichen Gemeinde habe auch prophetisches Reden seinen Platz, freilich müsse streng zwischen Eindruck, Erkenntnis und echter Prophetie unterschieden werden. Die Autoren geben hierzu Tipps.

Das letzte, siebte Kapitel ist eine Zusammenfassung des Buches in Gestalt einer kurzen Autobiografie eines HSL, der von dem Buchprojekt im Vorfeld gehört habe.


Im Buch finden sich – Veröffentlichungen über Hochsensibilität scheinen hierauf nicht verzichten zu können – einige Exzerpte aus Äußerungen Betroffener, die das Gesagte exemplarisch verdeutlichen sollen. Als wesentliches Merkmal hochsensibler Lastenträger wird eine große Harmoniebedürftigkeit vermittelt, die sich in dem Zurückstellen eigener Bedürfnisse um des lieben Friedens willen artikuliert.

Sehr positiv wirkt die ausführliche Behandlung des Themas Kindheit und Jugend, ein bisher in der deutschsprachigen HS-Literatur jüngeren Datums kaum behandeltes Thema. Ebenso überzeugend wirken die Erklärungen von Verhalten Hochsensibler in der Erwachsenenwelt durch Rückblicke in deren Kindheit. Die Erfahrung der Autoren als Familienberater dürfte Ursache für diese absolut gerechtfertigte starke Betonung der ersten Erlebnisse auf Erden sein.

Im Zweiten Teil des Buches werden allerdings die ständigen Bezüge zum Christentum zu einem richtigen Ärgernis. Mag man als säkular eingestellter Zeitgenosse (der Rezensent unterstellt, dass die meisten potenziellen Leser das sind) die Empfehlung zum Beten zunächst als Aufforderung zur Meditation (oder auch Kontemplation) für sich ‚übersetzen’, so wirkt es irgendwann doch ein wenig penetrant, wenn Gebetsmusterlückentexte auftauchen sowie von „Sünde“, „dämonischen Kräften“ und von „Satan“ die Rede ist.

Trotzdem: Speziell Eltern von hochsensiblen Kindern und Jugendlichen sollten eine Anschaffung erwägen. Und auch HSPs, die ihre Identität maßgeblich durch ihr Christsein definieren, werden wahrscheinlich mit ihren spezifischen Problemen bedient.

*Mia-Maria*
11.11.2007, 02:57
das drama des begabten kindes von alice miller *mir spontan dazu einfällt*

*Mia-Maria*
11.11.2007, 02:58
bis auf den religiösen aspekt

Clown
11.11.2007, 10:35
Gut, Michael Jack, dein Hinweis. Hier ein weiteres INFO aus "familie konkret". Für mich hat der Gedanke, dass Hochsensible Lastenträger sind, viel Einleuchtendes.

Hochsensible Menschen verstehen
Wenn Stimmungen wie durch einen Verstärker wahrgenommen werden
Kennen Sie hochsensible Menschen? Ich meine damit nicht die leicht verletzbaren überempfindlichen Menschen, die man nur mit Samthandschuhen anfassen darf und die ihr Umfeld zuweilen mit ihrer Überempfindlichkeit nerven. Echte Hochsensibilität ist eine angeborene Eigenschaft oder auch ein Gabe Gottes. Die meisten Menschen dürften wenigstens eine hochsensible Person in ihrem näheren Umfeld kennen. Denn Untersuchungen haben gezeigt, dass fast 20% der Menschen hochsensibel sind - also jeder oder jede Fünfte. Ich gehöre auch dazu.
Es ist wichtig, Hochsensibilität zu verstehen, damit man diesen Menschen nicht Unrecht tut. Sie "ticken" nämlich etwas anders als dat1:dat1:andere. Sie sind äußerst empfindsam. Wenn sie nicht verstanden werden - oder auch sich selbst nicht verstehen -, kann das zu seelischen Verletzungen und Überempfindlichkeit führen.
Was kennzeichnet nun hochsensible Personen? Sie haben sehr feine Sinneswahrnehmungen. Sie nehmen die Impulse ihrer Umwelt wie durch einen Verstärker wahr. Es fällt ihnen schwer, unwichtige von wichtigen Informationen zu unterscheiden und sie herauszufiltern. So erhalten sie ständig neue Informationen, die sie verarbeiten und verkraften müssen. Darüber hinaus nehmen sie auch manche Informationen wahr, die anderen völlig entgehen: Sie können die Stimmung einer Gruppe oder die innere Befindlichkeit einer Person erfassen, ohne dass darüber gesprochen wurde. Ihr "Wissen" erleben sie mitunter als verwirrend, denn der äußere Anschein ist oft ein ganz anderer. Da hochsensible Menschen täglich viel mehr Informationen verarbeiten müssen als andere Menschen, sind sie oft ab einem bestimmten Zeitpunkt plötzlich erschöpft und überreizt. Sie erreichen ihre Grenze der Belastbarkeit oft früher als andere Menschen. Dann wird sogar ein eigentlich entspannendes Abendprogramm für sie zu viel. Sie vertragen in dem Augenblick einfach keine neuen Reize mehr.
Eine weitere bemerkenswerte Eigenschaft der Hochsensiblen ist ihre starke Empathie. Unter ihnen gibt es viele "Lastenträger", die auf besondere Weise die inneren Lasten und den verborgenen Schmerz in Menschen wahrnehmen und tragen. Immer wieder kommen Personen auf sie zu, um ihnen ihr Herz auszuschütten und sie um Rat zu fragen. Aufgrund dieser Eigenschaft - oft auch ihrer eigenen Lebensgeschichte - nehmen sie Anteil an ihren Mitmenschen. Sie wollen dazu beitragen, die Last des Lebens und den Schmerz in dieser Welt zu verringern. Viele haben sich bereits in ihrer Kindheit dafür entschieden, diese Aufgabe zu übernehmen. Sie wollen "Retter" oder "Friedensstifter" sein. Letztlich handelt es sich dabei um einen positiven Charakterzug. Doch bei nicht wenigen Hochsensiblen hat sich diese Rolle leider verselbstständigt. Sie werden nun dazu getrieben, "retten" zu müssen, wenn sie mit einer Not konfrontiert werden.
Für viele Hochsensible wird er zu einer seelischen Qual, sich in Gruppen aufzuhalten, in denen es Spannungen gibt. Wenn sie mit Menschen zusammen sind, die starke innere Nöte haben, dann ermüden sie schnell. Selbst Gottesdienste, Konferenzen oder sogar ein Einkaufsbummel werden für sie zu einer Last, weil sie dabei die Lasten der anderen förmlich "aufsaugen". Ihr innerer "Radarschirm" ist ständig auf Empfang. Sie wissen schlicht nicht, wie sie sich abgrenzen und damit vor Überforderung schützen können.
Als Babys können Hochsensible gefürchtete "Schreikinder" sein. Das Schreien ist dann ein Zeichen ihrer Überstimulation. Diese Kinder brauchen einen gleichmäßigen Tagesablauf, eine vertraute Umgebung und Schutz vor zu vielen neuen Impulsen, um innerlich entspannen zu können. Später zeigt sich die Hochsensibilität oft darin, dass sie sehr wissbegierig sind. Sie wollen den Dingen auf den Grund gehen und fragen viel. Mit vorschnellen Antworten geben sie sich nicht zufrieden. Aber manchmal brauchen sie Stunden und Tage, um ihre Wahrnehmungen zu verarbeiten. In ihrer Gedankenverlorenheit erscheinen sie oft als "Träumer". Sie machen sich Sorgen um das Wohlbefinden ihrer Eltern, Freunde und Klassenkameraden. Wenn es ungerecht oder laut zugeht, leiden sie. Einige entwickeln sogar Lernblockaden. Sie spüren den Schmerz, der durch Ungerechtigkeit verursacht wird. Sie schmieden Pläne, wie sie diese Lage verändern und damit ihren Schmerz vermindern können. Schon laut geführte Gespräche oder eine laute Stimme empfinden manche als Bedrohung. Lautstark ausgetragene Familienkonflikte sind für sie deshalb eine Katastrophe. Einige hochsensible Kinder weinen schnell. Dies ist ihr Ventil für den inneren Schmerz. Wenn die Eltern dieser Kinder nicht für Schutz und Entlastung sorgen, bleibt ihr inneres "Alarmsystem" ständig eingeschaltet. Die Folge: Sie entwickeln mitunter einen tiefen Zorn auf ungerechte Menschen, auf das ihnen ungerecht erscheinende Leben und auch auf Gott, der sich aus ihrer Perspektive anscheinend nicht richtig um seine Geschöpfe kümmert. Nicht wenige entscheiden sich dann, selbst tätig zu werden und die Rolle eines Retters einzunehmen.
In der Teenagerzeit kann der innere Zorn so stark werden, dass sich diese Kinder verschließen und absondern. Sie suchen sich dann eigene Wege, um mit der Not fertig zu werden. Manche flüchten sich in innere Traumwelten. Andere versacken am PC oder suchen nach Verständnis bei Gleichaltrigen. Sie verfolgen damit eine zweifache Strategie: Sie ist für sie beides, Schutz vor und Protest gegen die ungerechte Gesellschaft. Manche erleben auch depressive Phasen. Sie betäuben den inneren Schmerz und die Aussichtslosigkeit ihres Lebens durch Suchtmittel.
Was brauchen hochsensible Personen? Kinder wünschen sich starke Eltern, die sie verstehen und schützen. Einem hochsensiblen Kind muss man beibringen, sich nicht alle Lasten und Nöte zu Eigen zu machen. Eltern sollten solchen Kindern die Grenzen der Verantwortung aufzeigen. Nöte und Lasten können im Gebet bei Gott abgegeben werden. Man sollte darauf achten, dass hochsensible Kinder nicht dauernd überstimuliert werden. Sie brauchen immer wieder Zeit für sich allein, um "runterzukommen". Bei Familienkonflikten sollten diese Kinder darüber informiert werden, dass Erwachsene verantwortlich für die Lösung sind und auch eine Lösung finden werden.
Um im Alltag durchzuhalten benötigen auch erwachsene Hochsensible regelmäßige Aus-Zeiten. Sie müssen sich zurückziehen können, um zur Ruhe zu kommen. Solch eine "emotionale Tankstelle" ist vielleicht eine leichte Gartenarbeit, ein Spaziergang im Grünen, eine kreative Beschäftigung, Sport - oder einfach ein Buch oder ein Film.
In der Team.F-Seelsorgeschule wird der Gesichtspunkt besonders heraus gestellt, dass viele Hochsensible emotionale "Lastenträger" sind, die seit frühester Kindheit die Nöte und Schmerzen ihrer Familienmitglieder und Freunde innerlich mit tragen. Sie bürden sich ständig neue Lasten auf und werden als "Retter" aktiv. Es wird darüber gesprochen, wie sie die angesammelten Lasten ablegen und aus ihrer "Retterrolle" aussteigen können. Denn Jesus Christus ist auch ihr Retter und Erlöser. Mit seiner Hilfe können belastete Hochsensible innerlich zur Ruhe kommen und sich vor neuen Lasten schützen. Dazu gehört auch, seelische Verletzungen aus der Kindheit und Jugend zu vergeben und aufzuarbeiten.
Für mich war dies ein ganz wichtiger Prozess. Er hat mir geholfen, innere Ausgewogenheit zu finden. Heute bin ich meinen hochsensiblen Wahrnehmungen und Reaktionen nicht mehr ausgeliefert. Ich habe meine Prägung angenommen und kann mein Leben aus Gottes Perspektive sehen. In der Seelsorge ist mir diese Gabe eine große Hilfe. Denn ich erkenne schnell, wo jemand innerlich wirklich steht. Ich bin davon überzeugt: Hochsensibilität ist eine wunderbare Gabe Gottes. Wenn wir lernen, mit ihr richtig umzugehen, wird sie vielen Menschen zum Segen.
Dirk und Christa Lüling
Lastentragen - die verkannte Gabe
Hochsensible Menschen als emotionale Lastenträger
Best.-Nr. 147387, 140 S.; Pb.; € 9,95/10,20 (A)/sFr 18,90 (Asaph)
Es ist ein relativ neu entdecktes Phänomen: Etwa ein Fünftel aller Menschen empfindet wesentlich sensibler als andere - eigentlich eine ganz besondere Begabung. Doch Hochsensible leiden häufig. Sie finden ihre feine Wahrnehmung und ihre Reaktionen eher peinlich und werden auch von ihren Mitmenschen selten verstanden. Viele sind geplagt von großem inneren Schmerz, Selbstzweifeln und gefühlsmäßiger und gedanklicher Verwirrung.

melody
11.11.2007, 11:11
...

catface
11.11.2007, 11:26
Danke für die Rezension Michael

LiLaLu
20.10.2009, 17:18
Es gab eine ERF-Fernsehsendung (http://www.erf.de/index.php?content_item=164&node=2437#2437/164) mit Dirk und Christa Lüling.

Clown
20.10.2009, 19:10
schön, LiLaLu, durch deinen Beitrag geriet ich wieder in diesen thread. Viele Anregungen! :)

Clown
21.10.2009, 09:40
Dieses Zitat bewegt mich
- - - wird der Gesichtspunkt besonders heraus gestellt, dass viele Hochsensible emotionale "Lastenträger" sind, die seit frühester Kindheit die Nöte und Schmerzen ihrer Familienmitglieder und Freunde innerlich mit tragen. Sie bürden sich ständig neue Lasten auf und werden als "Retter" aktiv. Es wird darüber gesprochen, wie sie die angesammelten Lasten ablegen und aus ihrer "Retterrolle" aussteigen können.

Ella_1
21.10.2009, 10:11
Das ist ein hochinteressantes Thema. ich bin davon überzeugt, dass daran sehr, sehr viel Wahres ist.
Die religiöse Komponente möchte ich einmal weg lassen, da sie für mich nicht dazu gehört. Aber dass HS die Lasten ihrer Familie in sich tragen - und das, wenn es unerkannt bleibt, ein ganzes Leben lang - ist mit Sicherheit eine Tatsache.

Das Mitfühlen, das Aufnehmen von Befindlichkeiten seiner Bezugspersonen ist bei jedem Kind vorhanden. Erst recht bei hochsensiblen. Es entspricht voll und ganz meinen eigenen Erkenntnissen und dem, worauf ich dadurch gestoßen bin. Es geht bei der Erziehung/Begleitung von Kindern - hochsensibel oder nicht - immer auch um das, was die Eltern nicht verarbeitet haben. Denn das alles geben sie ihren Kindern mit. Kinder spüren Schmerz, auch wenn er verdrängt ist.
Ich habe diese Fähigkeit bis heute behalten und kann das spüren, was hinter den Fassaden der Menschen liegt. Ganz besonders natürlich, wenn ich mich ihnen verbunden fühle.
Und ich habe heute noch die Tendenz, ihnen helfen zu wollen. Das machte ich auch als Kind, daran kann ich mich bestens erinnern. Was mich selbst betraf, war mir weit weniger wichtig, da mich das Mitgefühl und Mitleiden mehr fertig machte als eigene Belange. Das war aber nicht über die gesamte Familie gleich verteilt, sondern je inniger die Zuneigung, umso mehr kam es zum Tragen.

Allerdings glaube ich, dass alle Kinder Lastenträger sind. Hochsensible spüren das nur weit deutlicher und leiden intensiver, haben dadurch aber auch eher die Chance, sich dessen bewusst zu werden.

Liebe Grüße
Ella

Clown
21.10.2009, 18:42
Ich glaube, Ella, du hast etwas Wichtiges ausgesprochen. Erwachsene, die als Kinder Lastenträger waren, haben ein Problem in ihrem Leben.

angie
21.10.2009, 18:49
Mir geht es ähnlich wie dir Ella. Das Problem des Lastenträgers ist, dass er sich leicht übernimmt und es nicht mehr merkt, bis irgendwann Körper oder Seele streiken.
Erkannt hat man Chancen, das Muster zu verändern, aber, es ist ein langer, mühsamer Prozess, bei dem man sich immer wieder zur Disziplin in eigener Sache ermahnen muss.
Das Mitfühlen und Einschwingen ist aber eine durchaus positive Eigenschaft, solange sie - aufgrund von fehlenden Abgrenzungsstrategien - nicht dazu führt, sich ständig an anderen und ihren Befindlichkeiten zu verausgaben.

HSP
21.10.2009, 21:36
Zutat Clown:
"Dieses Zitat bewegt mich
- - - wird der Gesichtspunkt besonders heraus gestellt, dass viele Hochsensible emotionale "Lastenträger" sind, die seit frühester Kindheit die Nöte und Schmerzen ihrer Familienmitglieder und Freunde innerlich mit tragen. Sie bürden sich ständig neue Lasten auf und werden als "Retter" aktiv. Es wird darüber gesprochen, wie sie die angesammelten Lasten ablegen und aus ihrer "Retterrolle" aussteigen können."

Das erinnert inhaltlich stark an Alice Miller: Das Drama des begabten Kindes
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Nochmal Zitat Clown:" Ich glaube, Ella, du hast etwas Wichtiges ausgesprochen. Erwachsene, die als Kinder Lastenträger waren, haben ein Problem in ihrem Leben."
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__Das glaub ich auch !________________



VG HSP

angie
22.10.2009, 19:33
...eignet sich dieses Thema wunderbar, um sich darüber auszutauschen, welche Strategien man im Laufe des Lebens erlernt hat, um sich von Lasten zu befreien, die man objektiv nicht tragen kann, aber subjektiv meint, noch tragen zu können.
Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe lernen müssen, mir weniger aufbürden zu lassen. Aber immer noch meldet sich das schlechte Gewissen - schwächer inzwischen - wenn ich etwas nicht übernehme, was mich überfordern würde.

Lulu Blue
22.10.2009, 19:38
Ja angie,

das ist eine gute Iddee, aber vielleicht sollten wir den Thread dafür in den geschützten Bereich verschieben?


LG Lu

angie
22.10.2009, 19:40
Ja Lu, auf jeden Fall! :umarm:

Ameise
22.10.2009, 19:55
Ich bin für ein neues Thema, denn dies hier ist ja ursprünglich "nur" eine Buch-Rezension gewesen ...

Lulu Blue
22.10.2009, 20:08
Die Idee ist noch besser @Ameise, ich hab ihn erstellt. :)