Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : HSP und Melancholie
Ich denke sehr viele HSP haben eine sehr melancholische Seite in sich. Was denkt ihr darüber?
Naja, ich habe auf jeden Fall eine. Bin auch sehr nostalgisch, zumindest in gewisser Hinsicht. Und denke für die Begriffe meines Vaters viel zu viel (und über unnütze Dinge wie gesellschaftliche Probleme oder psychologische Themen oder so) nach. :wink:
Allerdings habe ich auch eine Kasperle-Seite. :D Und Lachen soll ja so gesund sein (Glück gehabt ...). *g*
Wie haltet ihr es eigentlich mit der Vorstellung von einem "inneren Team"? Diese Vielfältigkeit der Persönlichkeit und den Umstand, dass verschiedenste Persönlichkeitsanteile zusammenwirken und mal die eine, mal die andere und dann wieder eine ganz andere Persönlichkeitsnuance dominiert? Da ich es echt liebe, mich selbst zu analysieren, ist es doch immer wieder ein Vergnügen, solche "Modelle" an mir selbst zu überprüfen. :wink:
Allerdings habe ich auch eine Kasperle-Seite. :D
Die kenn' ich! :wink:
Wie haltet ihr es eigentlich mit der Vorstellung von einem "inneren Team"?
Mein inneres Team tut sich schwer mit der Teamarbeit. :roll:
Mein inneres Team tut sich schwer mit der Teamarbeit. :roll:
Hihi, ja, meins legt mich manchmal richtig lahm ... Oder ein Teil wird böse auf ein anderes oder stellt ihm ein Bein ... Manchmal ist das wirklich ein undisziplinierter Haufen, schämen sollten die sich. :wink:
Michael Jack
10.02.2004, 17:12
Guten Tag
Ich denke sehr viele HSP haben eine sehr melancholische Seite in sich. Was denkt ihr darüber?
Früher war sie ganz stark. Der Übergang von Depression zu Melancholie ist ja eh unscharf. Mittlerweile hat sich meine Haltung zur Welt allerdings stark ins Humoristische verrlagert. Was auf Erden passiert hat - in Camus'scher Tradition - eine so überwältigend absurd-komische Determinante, dass ich nicht mehr in diese Form der Traurigkeit versinken kann, die Melancholie braucht.
Allerdings habe ich auch eine Kasperle-Seite.
1. Der einzig sinnvolle Weg, mit dieser Welt umzugehen.
2. Der einzig tragfähige Weg, diese Welt zu ertragen. :)
Vorstellung von einem "inneren Team"?
Jo, ne permanente Konferenz, wenn man so will. Egal, was ich denke: Immer wieder kommt der andere Teil der Persönlichkeit, der mich sofort zurechtweis. Er zieht durch den Kakao, ermahnt zur Disziplin, ist advocatus diaboli und und und...
Eine wahnsinnig wirksame Waffe gegen Kummer, Fanatismus, etc. Sozusagen ein(e) permanente(s) Therapiegespräch/Diskussion.
Mein inneres Team tut sich schwer mit der Teamarbeit.
Die dürfen ja nicht alle einer Meinung sein. Dann macht's ja keinen Sinn :)
macht's gut,
Michael
Windhauch
10.02.2004, 19:20
Ich war früher waaahnsinnig melancholisch. Das war fast zum Verrücktwerden. Heute sehe ich das eher wie Michael Jack, mit einer Prise Humor. Ich kann besser über Kleinigkeiten hinwegsehen und bin irgendwie in der Lage... mh, wie soll ich das ausdrücken? Produktiver zu grübeln. Ja, das triffte es.
Wäre ich so geblieben wie vor ein paar Jahren, wäre ich heute wohl auch eine von denen, die sich den ganzen Tag über Maschendrahtzäune aufregen können, weil die Welt so schlecht ist und überhaupt.
Nostalgisch bin ich eigentlich immer noch. Eigentlich komisch, weil mir meine Vergangenheit wie ein einziger, dunkler Sumpf vorkommt.
Wer was mit meinen verwirrten Zeilen anfangen kann, der darf sich glücklich schätzen :D
LG
Windhauch
Ja,
wir können tatsächlich unglaublich melancholisch sein, ich denke, wir halten die Melancholie auch besser (oder intensiver?) aus als andere... mir zumindest wird in nahen Gesprächen oft gesagt: "Das wird mir jetzt zu schwermütig, lass uns über was anderes reden!"
Geht Euch das auch so?
Was ich besonders interessant in diesem Zusammenhang finde: Ich habe schon in der letzten Zeit (vor allem dann aufgrund des Threads "HSP und Freitod") öfters darüber nachgedacht, ob nicht die Epoche der Romantik mit ihrem Hang zur Melancholie (aber auch mit dem Hang ihrer VertreterInnen zur Selbsttötung) mehr als eine literarische und philosophische Neuerung, sondern auch eine (bisher einzigartige) Epoche der gelebten und geförderten Hochsensibilität war.
Die "Kasperle" - Seite, von der ihr schreibt, schätze ich persönlich vor allem an anderen Menschen. Ich glaube, ich eigne mich mehr zum traurigen oder, besser noch, zum verplanten Clown. Aber ich liebe geistreiche Albernheiten anderer...
Was haltet ihr von dieser Romantik-These?
Fee
P.S.: Zum "inneren Team": Ein Herr Friedemann Schulz von Thun (ich glaube den schreibt man so) hat drei populärwissenschaftliche und sehr interessante Bücher mit dem Titel "Miteinander reden" geschrieben, in denen das "innere Team" eine bedeutende Rolle spielt. Wenn Euch so etwas interessiert, dann kann ich die nur empfehlen - sind wahrscheinlich auch in Eurer Stadtbibliothek zu entleihen, lesen sich wirklich gut und öffnen viele Blicke auf sich und andere.
Mein inneres Team arbeitet recht gut zusammen. Ich hab eine starke melancholische Seite. Man hat mich in meiner Kindheit sehr oft als schwermütig bezeichnet.
Hallo
Ich bin neu hier, habe aber schon öfter auf diese Seite geschaut.
Ich bin auch schon ein älteres Semester,aber ich denke das sollte keine Probleme machen. zu der Melancholie habe ich mir gerade letzten Monat ein Buch gekauft das wunderbar zu diesem Thema passt. Vielleicht kennt es ja auch jemand von euch.Es heißt:
Die Anatomie der Schwermut von Richard Burton und ist aus dem 16 Jahrhundert.Es ist sehr gut geschrieben und ein echter Klassiker.
Bis später
Anna
ich kann mit der wort melancholie nix anfangen. die duden deffinition kenn ich nicht. es hört sich für mich nur so schrecklich passiv oder besser autark/autonom/endogen an. schwermütig bin ich, ja. aber nicht aus langeweile. ich denke ich lehne es von temperament her eher grundsätzlich ab die wechselwirkung realität - empfinden zu unterschlagen.
was die teamgeister angeht (verdient eigentlich n eigenen thread) so meine ich dass der innerere dialog der grundlage für differenzierte wahrnehmung stellt eher im gegensatz steht zu der wahrnehmung ein team zu sein. also aus dem dialog ergibt sich einheit. das gefühl nicht mehr eins zu sein (das für mich besonders beim versuch menschen kennen zu lernen völlig normal ist) ergibt sich daraus, dass zu mindestens einem bestimmten zeitpunkt kein dialog mehr geführt wurde, sondern einfach eine unausgewogene "entscheidung" gefallen ist durch die der andere ängstlich aus dem parlament geflohen ist.
ich kann mit der wort melancholie nix anfangen. die duden deffinition kenn ich nicht.
Im Duden steht, dass "Melancholie" dem Griechischen entstammt und "Schwermut" bedeutet ... :wink:
hmpf *kratz*
lol,dat wa ja nun wieder ne meisterleistung von mir :D
*kicher* Ach was, ich fand das total schnuffig. :knuddel:
Und ich meinte das auch nicht "belehrend", sondern es juckte als "Steilvorlage" so verdammt in meinen Fingern, ich bin nur froh, dass Du jetzt nicht sauer bist! :D
glasperlenspielerin
23.04.2004, 19:48
weiß schon seit vielen wochen/monaten nicht, wie ich in diesem thread mal einen anfang machen kann-zu wichtig ist mir das thema:
melancholie ist sozusagen mein lebenselixier.
sehr gute bemerkung übrings, was fee da geschrieben hat:
Was ich besonders interessant in diesem Zusammenhang finde: Ich habe schon in der letzten Zeit (vor allem dann aufgrund des Threads "HSP und Freitod") öfters darüber nachgedacht, ob nicht die Epoche der Romantik mit ihrem Hang zur Melancholie (aber auch mit dem Hang ihrer VertreterInnen zur Selbsttötung) mehr als eine literarische und philosophische Neuerung, sondern auch eine (bisher einzigartige) Epoche der gelebten und geförderten Hochsensibilität war.
seh ich ganz genauso.
durch zufall hab ich hier gerade außerdem nen recht interessanten und gar nicht so schlechten artikel zum thema im netz gefunden. (.. schert euch aber nicht um die quelle, die ist wirklich etwas merkwürdig ;) ..habs auch aus einem anderen forum kopiert, wo' s auch schon wieder reinkopiert war usw.)
hab mal einige zeilen, die mir persönlich wichtig erscheinen, fett markiert:
Melancholiker - die einzig heilen Menschen
„Der eine nickt und sagt: `So ist das Leben.` Der andere schüttelt
seinen Kopf und weint. Wer traurig ist, sei´s ohne Widerstreben ...“
(Erich Kästner)
Tiefe Gefühle stärken die Persönlichkeit. Darum sollte man sich ganz
darauf einlassen.
„Schon bei den alten Griechen galten die Melancholiker als „die einzig
heilen Menschen“ unter ihresgleichen. Und auch im Mittelalter wurden sie
verehrt. Albrecht Dürrer, Lucas Cranach und Edward Munch stellten sie als
Personen dar, die auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und dem
Wesentlichen waren. Oft weisen sie in ihren Bildern darauf hin, dass wahre
Genies der Wissenschaft unter ihnen weilten. Denn Melancholiker sind
Grübler, die sich mit der seichten Oberfläche des Daseins nicht begnügen.
Vieles hinterfragen, bohren und nachhaken. Sie sind auf der Suche nach
Antworten, vom Wissensdurst erfüllt. Melancholie ist Triebkraft ihres
ganzen Schaffens.“
Die Zeiten haben sich geändert. Oberflächlich und pseudofröhlich dümpelt
die Konsumgesellschaft vor sich hin. Sie streben nach Macht, Reichtum und
wollen vor allen eins im Leben: Spaß, Spaß und noch mal Spaß. Bloß nichts
in Frage stellen. Es könnte doch unangenehme Folgen haben. Und dazwischen
leben einige Personen, die so nicht sein wollen. Die damit nicht anfangen
können. Sie machen auf ihre Mitmenschen oft einen abwesenden Eindruck.
„Was unterscheidet diese wenigen Personen von den Massen? Sind sie normal?
Diese Frage stellen sie sich oft selbst. Denn sie ecken mit ihrem Wesen
oft an. Werden mit einem Schulterzucken bedacht. Mitleidig belächelt, wenn
sie, wieder einmal über den Sinn des Lebens und den Umgang der Menschen
miteinander diskutieren wollen. Galt die Melancholie in der Antike noch
als hervorragende Charaktereigenschaft, wandelte sich ihr Bild mit dem
Zeitalter der Aufklärung.“ Die Dinge entwickelten sich rasant. Plötzlich
war keine Zeit mehr, sich Zweifel zu leisten. Denn das Zweifeln bedeutete
Zeitverlust. Zeitverlust zog Einkommensverlust nach sich. Allmählich galt
der, der sich den tiefen Gefühlen seiner Persönlichkeit hingab als krank.
„Sigmund Freud gab der Melancholie den letzten Stoß in Richtung
gesellschaftlicher Ächtung.
Er schrieb in seinem Aufsatz `Trauer und Melancholie`: `Die Melancholie
ist seelisch ausgezeichnet durch eine tiefe schmerzliche Verstimmung, eine
Aufhebung des Interesses für die Außenwelt, durch den Verlust der
Liebesfähigkeit, durch die Hemmung jeder Leistung und die Herabsetzung des
Selbstwertgefühls, die sich in Selbstvorwürfen und Selbstbeschimpfungen
äußert ...` Sigmund Freud, so sind sich Psychoanalytiker von heute einig,
hat die Begriffe Melancholie und Depression miteinander vermischt.
Plötzlich war aus dem „Denker“ ein „Kranker“ geworden, dem nur eine
Therapie helfen konnte.“ Und das ist bis heute so geblieben. Wenn man z.B.
im Fremdwörterbuch nachschlägt, findet man folgende
Definitionen: „Melancholie: von großer Niedergeschlagenheit, Traurigkeit
oder Depressivität gekennzeichneter Gemütszustand“ und „Depression:
Niedergeschlagenheit, traurige Stimmung“. Es ist kaum ein Unterschied
erkennbar! Man könnte meinen, beide Begriffe beschreiben den gleichen
Zustand. Ich denke jedoch, daß melancholische Menschen für Depressionen
anfälliger sind. Sie fügen sich nicht in die Nonstop-Spaß und Konsum-
Gesellschaft. Und weil sie nicht so gedankenlos durch die Welt laufen,
Freud und Leid sehen und mitfühlen, können sie an der Grausamkeit und
Gleichgültigkeit der menschlichen Gesellschaft zerbrechen.
„Gerade heute braucht die Gesellschaft mehr Menschen, denen tiefgehende
Gefühle wichtiger sind, als die Hektik und der Stress des Alltags. Sie
sind voller Mitgefühl, empfinden eine natürliche Achtung vor dem Leben.
Sind in der Lage, sowohl enorme Freude als auch tiefes Leid zu empfinden.
Werden in immer mehr Chefetagen geschätzt. Denn: Bei wichtigen
Entscheidungen zwingen sie mit klugen Fragen und anderen Ideen
innezuhalten. Nachzudenken. Das führt oft zu besseren Ergebnissen.
Melancholiker sollten diese Aspekte ihrer Persönlichkeit ausleben. ...
Denn Melancholie macht die Menschen klüger.“
Trotz der wissenschaftlichen Erklärung des Verliebens und Liebens – trotz
des Wissens, daß die Liebe nur ein naturgegebenes Gefühl ist, um seinen
Zweck zu erfüllen (wie die Angst auch) – trotzdem oder vielleicht gerade
deswegen (weil ich somit nichts dafür kann) trage ich die Sehnsucht danach
in mir; eine Sehnsucht, die mich wahnsinnig macht. Bin eben ein Mensch,
der enorme Freude (viel über Kleinigkeiten) aber auch tiefes Leid
empfindet.
Wie singt Udo Jürgens: „Ich wünsch´ Dir Liebe ohne Leiden und eine Hand,
die Deine hält. Ich wünsch´ Dir Liebe ohne Leiden und dass Dir nie die
Hoffnung fehlt! Und dass Dir Deine Träume bleiben und wenn Du suchst nach
Zärtlichkeit, wünsch´ ich Dir Liebe ohne Leiden und Glück für alle Zeit!“ –
das wünsche ich mir! Aber auch allen Lesern dieses Eintrags!!
Quelle: "Welt der Frau" Nr.29 (Lektüre aus der Pause im Altenheim *fg*)
..nur auf udo jürgens und den kommetar zu den chefetagen hätten sie gerne verzichten können..
ich wollte mich auch schon längst zu wort gemeldet haben ...
schade ist es einfach, dass melancholie bei so vielen negativ besetzt ist. wenn ich von meiner melancholischen ader sogar als grundlegendes persönlichkeitsmerkmal spreche, dann mein ich das ganz und gar positiv!! ohne sie wäre ich doch nicht wirklich ich selbst.
und ihr kennt ja bestimmt die 4 lebenssäfte, damit hab ich mich auch ein bisschen beschäftigt.
glasperlenspielerin
24.04.2004, 00:22
ich wollte mich auch schon längst zu wort gemeldet haben ...
schade ist es einfach, dass melancholie bei so vielen negativ besetzt ist. wenn ich von meiner melancholischen ader sogar als grundlegendes persönlichkeitsmerkmal spreche, dann mein ich das ganz und gar positiv!! ohne sie wäre ich doch nicht wirklich ich selbst.
[..].
geht mir ebenso.
zwischen "melancholie", "traurigsein", "schwermut" "depression" (in der reihenfolge ) liegen bei mir welten.. und auch innerhalb dieser gefühlszustände gibt es tausend zwischentöne und grenzbereiche.
melancholie ist auf jeden fall das optimistischste und lebensbejahendste aller dieser "dunkel"-gefühle.
Dreamy11
24.04.2004, 00:49
:? :? :? :? :? :? :? :? :?
Bin Sentimental, kann nix mit Schwermut anfangen.
Mir liegt die Schwere nicht...Wasser - Luft Mischung irgendwie :)
Kann viele stark melancholische Musik nicht hören, wie bei man Irischen Folk Stil.
*zwispalt* :? :)
glasperlenspielerin
24.04.2004, 01:37
:? :? :? :? :? :? :? :? :?
Bin Sentimental, kann nix mit Schwermut anfangen.
Mir liegt die Schwere nicht...Wasser - Luft Mischung irgendwie :)
Kann viele stark melancholische Musik nicht hören, wie bei man Irischen Folk Stil.
*zwispalt* :? :)
interessant wie du das siehst.
ich würde gerade meine stark ausgeprägte sentimentale und nostalgische seite auf meine melancholie zurückführen.
und meine musiksammlung beinhaltet zu 98,9% nur melancholisches, trauriges, schwermütiges oder depressives zeugs.. :wink:
und meine musiksammlung beinhaltet zu 98,9% nur melancholisches, trauriges, schwermütiges oder depressives zeugs
zum beispiel? würde gern mal wissen, unter welche "kategorie" meine musik demnach fällt.
zum begriff melancholie fällt mir auch noch ein: sehnsucht. ich weiß nicht genau, warum bei mir diese beiden dinge hand in hand gehen, aber meinem gefühl nach kann das eine ohne das andere nicht wirklich existieren. werde mal intensiv darüber nachdenken, wie es dazu kommt, dass ich so denke/fühle.
glasperlenspielerin
24.04.2004, 17:39
zum begriff melancholie fällt mir auch noch ein: sehnsucht. ich weiß nicht genau, warum bei mir diese beiden dinge hand in hand gehen, aber meinem gefühl nach kann das eine ohne das andere nicht wirklich existieren. werde mal intensiv darüber nachdenken, wie es dazu kommt, dass ich so denke/fühle.
sind für mich auch synonyme.
Sensibler
26.04.2004, 07:28
ich wollte mich auch schon längst zu wort gemeldet haben ...
schade ist es einfach, dass melancholie bei so vielen negativ besetzt ist. wenn ich von meiner melancholischen ader sogar als grundlegendes persönlichkeitsmerkmal spreche, dann mein ich das ganz und gar positiv!! ohne sie wäre ich doch nicht wirklich ich selbst.
[..].
geht mir ebenso.
zwischen "melancholie", "traurigsein", "schwermut" "depression" (in der reihenfolge ) liegen bei mir welten.. und auch innerhalb dieser gefühlszustände gibt es tausend zwischentöne und grenzbereiche.
melancholie ist auf jeden fall das optimistischste und lebensbejahendste aller dieser "dunkel"-gefühle.
Geht mir auch so. Ich glaube, dass dem meisten Leuten wohl die Sensibilität fehlt, um diese Zwischentöne erkennen und unterscheiden zu können. Deswegen haben da viele Leute so ein Schwarz-Weiß-Denken. Das eine ist gut, das andere schlecht.
aus melancholie entsteht viel inspiration und kraft für die starken tage
schon die chinesen wussten, im yang strömt man energie ab
im yin nimmt man sie auf
und melancholie steht für yin
Sensibler
26.04.2004, 09:36
aus melancholie entsteht viel inspiration und kraft für die starken tage
Ja, das stimmt. Das kann ich auch aus eigener Erfahrung in jeder Hinsicht bestätigen.
Mystique
26.04.2004, 14:40
Ich würde auch sagen, dass ich manchmal schon sehr melancholisch bin.
Und ich würde es auch nicht als so negativ bewerten, denn wie vienne schon sagte, kann man daraus Kraft schöpfen.
Das sehe ich genauso...
Nostalgisch bin ich auf alle Fälle auch.
Aber sowie ich diese Seite besitze, kann ich auch manchmal ein richtiger "Kasperle" sein. :-)
Liebe Grüße
Diana
Ich hole etwas weiter aus.
Tassos rätselhafte Melancholie beschäftigt seit Jahrhunderten die Forscher. Ich fand Ficinus in dem Buch »Saturn und Melancholie«, Studien zur Geschichte der Naturphilosophie und Medizin, der Religion und der Kunst, von den Autoren Raymond Klibansky, Erwin Panofsky und Fritz Saxl, Suhrkamp 1990. Dort heißt es:
Dem Denken Platons lag es fern, die Vorstellung einer Ekstase, die den Philosophen, den Liebenden und den Dichter gleichermaßen zur überirdischen Schau der reinen Ideen erhebt, mit dem Begriff der Melancholie in Zusammenhang zu bringen. Vielmehr galt ihm die Melancholie in erster Linie wenn nicht geradezu als Irrsinn, so doch als ein die Vernunft und den Willen trübender und schwächender moralischer Wahn. .... Erst auf dem Boden der Aristotelischen Naturphilosophie vollzog sich die Vereinigung zwischen dem ursprünglich rein medizinischen Begriff der Melancholie und der Platonischen Konzeption der Mania. Ihren Ausdruck fand diese Vereinigung in der für das griechische Denken paradoxen These, daß nicht nur die tragischen Heroen wie Ajax, Herakles und Bellerophon, sondern üblerhaupt alle Männer von überragender Bedeutung, sei es auf dem Gebiet der Künste, der Dichtung, der Philosophie oder der Staatskunst, ja daß sogar Sokrates und Platon Melancholiker gewesen seien. Diese Theorie ist im Problem XXX,1 (dem Aristoteles zugeschrieben) dargestellt. Melanchton nannte diesen Text eine "dulcissima doctrina".
Im Kommentar heißt es u.a.
Die Außergewöhnlichkeit, die jeden Melancholiker auszeichnet, schließt per se noch nicht die Fähigkeit zu überragenden geistigen Leistungen ein.
[Es wird erläutert]: - wann der Melancholiker "allzu melancholisch" ist, oder ein lethargischer Schwächling, ein stumpfsinniger Tor, ein Mensch des Durchschnitts, der Tollkühnheiten, ein Kauz oder ein Genie. Die Melancholie kann wechselhaft sein. Sie schafft vorübergehende Zustände. Sie kann den an und für sich nicht pathologischen Menschen in krankhafte oder zumindest krankheitsähnliche Zustände stürzen, etwa indem sie ihn zwischen schöpferischer Erregung und trauriger Verdüsterung hin- und herschleudert. Ficino hat das sehr prägnant formuliert:
An jedem ihrer beiden Extreme ist die Melancholie wirksam, aufgrund einer gewissen Einheitlichkeit ihrer beständigen und unveränderlichen Natur. Diese Polarität eignet den anderen Säften nicht.
Die andauernde Übersteigerung ihres Seelenlebens, die in der Physis begründet und daher vom Willen unabhängig ist, macht es den Melancholikern unmöglich, vernunftgemäß zu handeln wie den Cholerikern, nur daß bei diesen das übersteigerte Tempo, bei jenen der übersteigerte Druck die ruhige Besinnung ausschließt. Lediglich der Phantasie folgend, sind die Melancholiker in jeder Beziehung unbeherrscht. Bereits Platon hatte den Melancholiker mit dem Liebenden und dem Trunkenen zusammengestellt. Alle Schwächen der Melancholiker beruhen auf jener übermäßigen Irritabilität ihrer körperlichen Anlage. Ihr Handeln, ihre mangelnde Selbstbeherrschung entspringen einer übersteigerten Spannung, einer Eigenart des Stoffwechsels, einem launenhaften Erinnerungsvermögen.
Der Melancholiker hat eine in der Heftigkeit seines Wesens begründete Eigentümlichkeit, die geeignet war, die Konzeption des Melancholikers als Genie vorzubereiten. Gemeint ist die Fähigkeit, auf alle psychophysischen Einflüsse, insbesondere auf anschauliche Vorstellungen, genauso leicht und heftig zu reagieren, nämlich so wie der melancholische Saft auf Wärme und Kälte reagiert. Wenn der Melancholiker eher als andere Menschen dazu neigt, nachträglich oder zur Unzeit von Erinnerungen überfallen zu werden, die er zunächst durch Willensanstrengung vergeblich heraufzurufen versucht hat, so beruht das darauf, daß die gewaltsame Anspannung des Erinnerungsvermögens in ihm Vorstellungen und Bilder (FANTASMATA) entstehen lassen, die seinen Geist heftiger bewegen und fesseln, als es bei anderen der Fall ist. Dem automatischen Weiterwirken des auf diese Weise erregten und mit Inhalten gefüllten Erinnerung aber kann ebensowenig Einheitl geboten werden, als der Schütze den einmal abgeschossenen Pfeil wieder aufzuhalten vermag.
Die übertriebene Erregbarkeit der »vis imaginativa« wurde später für den Halluzinationszwang oder aber für eine besondere Kraft des anschaulichen Vorstellungsvermögens verantwortlich gemacht.
Der göttliche Wahn des Platon ist die Erinnerung an ein verlorenes, nur in Augenblicken der Ekstase wieder erschaubares Reich "überhimmlichschen" Lichts: die Melancholie des perpatos ist eine Erlebensform, innerhalb deren der Weg zum Licht, dem Verständnis späterer Zeiten zufolge, durch einen von Dämonen bewohnten Abgrund führt.
Bei den Humanisten der Renaissance kommt es dazu, daß die Einsicht in die gefährliche Labilität des eigenen Zustands, die doppelte Gewißheit von Schwäche und schöpferischer Kraft und das Bewußtsein, sich am Rande des Abgrunds zu bewegen, den alten Lehren ein Pathos verleiht, das ihre Verschmelzung mit dem Melancholiegefühl der Dichtung möglich macht.
Die Elite begann ihre Melancholie geradezu als ein eifersüchtig gehütetes Vorrecht zu betrachten. Bei Matteo Palmieri wurde das Problem des Verhältnisses zwischen Willensentscheidung und Gestirnverhängnis zu einer Art "Herkuleswahl" auf der Seelenreise.
inzwischen hat MELANIE das Thema neu eröffnet !
Ja, die dunkle Seite des Mondes! Ich sah beim Temperaments-Text, wie stark die Melancholiker hier vertreten sind.
Danke, Glasperlenspielerin, für das lange schöne Zitat!
Habe es gerade bei "Wer ist online?" entdeckt und grabe es auf.
Ich mag und genieße meine melancholischen Seiten. :)
Melancholie in der Medizin
Die historische Entwicklung der Melancholie hat ihren Ausgangspunkt in der antiken Humorpathologie(oder Viersäftelehre), die dem griechischen Arzt Hippokrates von Kós (http://de.wikipedia.org/wiki/Hippokrates_von_K%C3%B3s) (um 400 v.Chr.) zugeschrieben wird. Er erklärte die melancholia (griechisch: μελαγχολια) als einen Überschuss an schwarzer, verbrannter Galle der sich ins Blut ergießt (μελας, melas, "schwarz", + χολη, cholé, "Galle").
Galen (http://de.wikipedia.org/wiki/Galenus) (2. Jahrhundert n.Chr.), der das medizinische Wissen seiner Zeit zusammenfasste und den Vorstellungen der Hippokratiker (http://de.wikipedia.org/wiki/Hippokratiker) folgte, sah den Ursprung der Melancholie ebenfalls in einem Überschuss an schwarzer Galle, einer der vier Körpersäfte oder humores, die in der Milzund den Hoden produziert werde. Sie bestimme in der Temperamentenlehre (http://de.wikipedia.org/wiki/Temperamentenlehre) den Charakter der Melancholier und korrespondiere mit dem Element Erde dem Herbst, dem Erwachsenenalter, dem Nachmittag und in der mittelalterlichen Auffassung mit den Sternbildern Waage, Skorpion, Schütze Später sah die Melancholiker unter dem Einfluss des Planeten Saturn
Ein Fragment mit dem Titel "XXX,1", zeitweise dem Aristoteles (http://de.wikipedia.org/wiki/Aristoteles) zugeordnet, vermutlich aber von Theophrast (http://de.wikipedia.org/wiki/Theophrast) verfasst, äußerte sich als einziges antikes Zeugnis auch positiv über die Melancholie, wo diese zur Voraussetzung für den "göttlichen Wahnsinn" (mania) wird. Warum sind alle hervorragenden Männer, ob Philosophen, Staatsmänner, Dichter oder Künstler, offenbar Melancholiker gewesen? Dieser Gedanke sollte später die Genieästhetik (http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Genie%C3%A4sthetik&action=edit) des 18. und 19. Jahrhunderts stark beeinflussen.
Mit der Entdeckung des Blutkreislaufs (http://de.wikipedia.org/wiki/Blutkreislauf) 1628 (http://de.wikipedia.org/wiki/1628) durch den englischen Forscher William Harvey (http://de.wikipedia.org/wiki/William_Harvey) entsprach diese Theorie zum körperlichen Ursprung der Melancholie nicht mehr dem wissenschaftlichen Stand der Zeit. Der Begriff und seine Assoziationen übten aber, genau wie die Viersäftelehre, weiterhin Einfluss auf die verschiedensten Wissensgebiete aus.
"Melancholie ist das Vergnügen, traurig zu sein." – Victor Hugo
"Melancholie ist Stimmung mit Trauerrand." - Heimito von Doderer
Mirtaque
24.10.2005, 18:50
Edit: Bin mir doch unsicher geworden mit meiner Aussage hier. :rolleyes:
Als Ersatz für den gelöschten Text: :schaem:
Dunkelste Stunden
Das sind die Stunden, die wir nicht begreifen!
Sie beugen uns in Todestiefen nieder
Und löschen aus, was wir von Trost gewußt,
Sie reißen uns geheimgehaltene Lieder
Mit blutend wunden Wurzeln aus der Brust.
Und doch sind das die Stunden, deren Last
Uns Stille lehrt und innerlichste Rast
Und die zu Weisen uns und Dichtern reifen.
(H. Hesse)
kann ich den eigenen PC durchsuchen, - auf "Melancholie" kam als erstes dieser Text -
Erfüllungsverzicht: damit "es" ins "Werk" fließt
Es gibt von Freud eine aufschlußreiche Beschreibung des Melancholikers:
"Gar besonders häufig sind die Melancholischen anästhetisch gewesen, sie haben kein Bedürfnis (und keine Empfindung) nach dem Koitus, aber große Sehnsucht nach Liebe in ihrer psychischen Form, man möchte sagen psychische Liebsspannung; wo diese sich anhäuft und unbefriedigt bleibt, entsteht Melancholie."
S. Freud, Aus den Anfängen der Psychoanalyse 1887 - 1902, Briefe an Wilhelm Fließ, Ffm 1962, S. 82.
Dies trifft auf Walter Benjamin exakt zu. Er suchte Liebeserlebnisse und versuchte zugleich, einer körperlichen Erfüllung auszuweichen. "Er machte sich seine intimen persönlichen Beziehungen so schwer, daß er ihr Mißlingen gleichsam zu wünschen schien." (Charlotte Wolf)
Tatsächlich substituierte er die sexuellen Eroberungen durch andere: durch die des Sammelns seltener Bücher.
Mirtaque
26.10.2005, 19:38
, aber große Sehnsucht nach Liebe in ihrer psychischen Form, man möchte sagen psychische Liebsspannung; wo diese sich anhäuft und unbefriedigt bleibt, entsteht Melancholie."
Große Sehnsucht, größer als ein Koitus es je erfüllen könnte. Defizit in der Kindheit(zB). Das Verlangen der Mutterliebe (oder vom Vater), die nie genügend erlangt/vergeben wurde. Das Loch im Ursystem, gegraben und ausgehöhlt, so intensiv, daß es im Erwachsenenalter zumeist nur ungenügend gefüllt werden kann. Eine große Kerbe bleibt, läßt die Angst vor Beziehungsgestaltung anwachsen, da ein Verlassenwerden tötlich erfahren wird (das Loch wird erneut riesengroß aufklaffen und die Sicht auf den Schlund fühlbar lassen).
Das ungestillte Verlangen, gemocht zu werden. Ja, eine jede und ein jeder möchte vor allem nicht wegen einiger "Gegenleistungen" oder weil sie/er sich angepaßt hat, gemocht und akzeptiert und geliebt werden, - sondern der intensive Wunsch besteht, als genau die Person vom großen Mantel der Zustimmung und Zuneigung umschlossen zu werden, - ohne irgend eine Liste, die abgehakt werden soll.
Schöne Vorstellung -
jener Mantel umschließt dann exakt das Wesen, wie die Natur es so und nicht anders erschaffen hat. :)
Melancholie ist für mich fast nur mit Positivem verknüpft. Ich verbinde sie auch weniger mit traurigen Gedanken als mit Bildern, Melodien oder Natureindrücken, die Stimmungen erzeugen, die sehr sinnlich sind. Passiert jetzt im Herbst oft, wenn Nebel und besondere Lichtvariationen im Spiel sind. Das kann aber auch ein alter Friedhof oder auf Bildern ein bestimmter Gesichtsausdruck einer Person sein. Ich finde Melancholie äußerst attraktiv.
eine "lust der traurigkeit" kann als funktion doch nur kommunikativen charakter haben und sie muss sich auszahlen, dh erhört werden. woher sonst die lust zur aufrechterhaltung? denn pure traurigkeit dient sonst der verarbeitung und findet damit ein baldiges natürliches ende.
kommunikation setzt ein gegenüber vorraus, sei es eine imaginäre projektion oder ein elternteil.
in diesem sinne kann melancholie nur vor dem verlassen werde existieren, den im tatsächlichen verlassen sein macht kommunikation keinen sinn. die lust an selbstgemachter traurigkeit weicht dann dem echtem schmerz über die katastrophe. ohne ein inneres oder äusseres gegenüber ist diese nicht im sinne von traurigkeit zu verarbeiten.
kann man traurigeit nicht verarbeiten so verflacht sie und wandelt sie sich damit zu cholerik im sinne emotionaler instabilität/agitation.
der echte melancholiker ist vom verlassen sein also weit entfernt, möglicherweise kann er sich nichtmal befreien vom imaginären gegenüber.
je nach natur des inneren gegenübers ist die lust der traurigkeit also auch ein zeichen der besessenheit. oder der melancholiker kann sich sein gegenüber frei wählen?
aber melanchoie ist meist eine lüge, ein suhlen in falscher einsamkeit welche nämlich gerade als solche die konservierung des inneren gegenübers erlaubt. und dieses gegenüber somit den spielraum für tiefe endogene emotionsbäder sichert, ein sich fallen lassen ermöglicht. der melancholiker ist gut aufgehoben. wo auch immer. biss er sich von seinen illusionen befreit und selbst zerstört.
wenn du der abgebrochene zu boden gefallene ast eines baumes bist, dann hört dich keiner schreien, heulen macht keinen sinn, zornig über das schicksal sein auch nicht. es hilft alles nichts. es tut dir nur weh zu fühlen wenn es zu nichts führen kann. du kannst nur sterben. absterben.
Melancholie ist für mich die Bewusstheit, irgendwann Abschied nehmen zu müssen, von allem was mir lieb ist. Sie lässt mich so die Freude tiefer empfinden und weist mich auf die Kostbarkeit der Gegenwart. Sie macht mich dankbar für jeden schönen Moment und lässt mich diesen tiefer empfinden. Sie kann sich manchmal in Sehnsucht nach Ewigkeit ausdrücken, aber immer im Wissen, dass ich die nie haben werde, so wie ich jetzt bin auf dieser Welt.
ah! schön formuliert. so entspricht es etwa dem was ich mir darunter vorstelle, im besten sinne. aber es funktioniert für mich seit vielen jahren nicht mehr ...
welches gesicht hat die melancholie?
Clown schrieb; "Das ungestillte Verlangen, gemocht zu werden. Ja, eine jede und ein jeder möchte vor allem nicht wegen einiger "Gegenleistungen" oder weil sie/er sich angepaßt hat, gemocht und akzeptiert und geliebt werden, - sondern der intensive Wunsch besteht, als genau die Person vom großen Mantel der Zustimmung und Zuneigung umschlossen zu werden, - ohne irgend eine Liste, die abgehakt werden soll.
Schöne Vorstellung -
jener Mantel umschließt dann exakt das Wesen, wie die Natur es so und nicht anders erschaffen hat."
Wie schade, dass wir immer ein Stück hinter einer solchen Idealvorstellung her hinken, und es nie so ganz erreichen, wie sehr wir uns auch bemühen.
Leider kann ich nicht feststellen, dass es Massen von Menschen sind, die sich überhaupt darum bemühen, aber es gibt sie hier und da, wenn man die Bereitschaft mitbringt, es auch sehen zu wollen.
Das ganze hat eine Schattenseite: es ist gar nicht so leicht, damit umzugehen, wenn einem einfach Zuneigung entgegengebracht wird, ohne dass man das Gefühl hat, sie sich auch verdient zu haben.
Wir Menschen sind wahrscheinlich gar nicht so gestrickt, dass wir einfach, nur weil wir sind wie wir sind, nehmen können ohne zu geben.
Letztlich kommt es immer auf das Gleichgewicht zwischen "Geben und Nehmen" an, was über ein positives Funktionieren von Beziehung entscheidet,
Wer, bitte, bleibt schon gern etwas schuldig?:cool:
Immerhin, Clown, kann mental jeder sich diesen lückenlos umschließenden Mantel vorstellen und sich in ihn hineinträumen.
Immerhin, Clown, kann mental jeder sich diesen lückenlos umschließenden Mantel vorstellen und sich in ihn hineinträumen
no way :rolleyes:
man kann sich nichtmal trauen sich danach zu sehnen wenn man gelernt hat dass sich bei mänteln um das lieblingsversteck von dämonischen fratzen handelt
no way :rolleyes:
man kann sich nichtmal trauen sich danach zu sehnen wenn man gelernt hat dass sich bei mänteln um das lieblingsversteck von dämonischen fratzen handelt
Nun wenn dem so ist, dämonische Fratzen im Mantel, dann muss man wohl zuerst ein mentales Ritual gegen dämonische Fratzen durchführen - ausräuchern, beweihräuchern, aussegnen, mit Dämonenfresskolonnen attackieren u.s.w. da würde mir noch vieles einfallen.
Eher würde ich es mir, faul wie ich manchmal bin, einfacher machen und statt vom Mantel z.B. von einer Decke träumen.
Solange dir noch bewußt ist, dass du gelernt hast, wo die dämonischen Fratzen am liebsten sind, kannst du es es dir auch wieder aberziehen - schwierig, aber machbar!
*g* infp müsste man sein ...
angeblich bin ich infp, was auch immer genau das heißt. :cool: Ich habe es mit den tests nicht so!
Mirtaque
27.10.2005, 05:37
Aisha: Melancholie ist für mich die Bewusstheit, irgendwann Abschied nehmen zu müssen, von allem was mir lieb ist. Sie lässt mich so die Freude tiefer empfinden und weist mich auf die Kostbarkeit der Gegenwart. Sie macht mich dankbar für jeden schönen Moment und lässt mich diesen tiefer empfinden. Sie kann sich manchmal in Sehnsucht nach Ewigkeit ausdrücken, aber immer im Wissen, dass ich die nie haben werde, so wie ich jetzt bin auf dieser Welt.
Schön formuliert! Wahres darinnen ist.
***
Tue mich schwer mit dem persönlichen Erfahren von Melancholie. Sie gibt es "nicht". Überspringe sie und lande im Sand der Depression. Es gibt noch die tiefe Traurigkeit, vermutlich melancholievergleichbar (?). Melancholie verbinde ich anteilig mit Selbsttrostvergabe. Den Schmerz (der Traurigkeit zB.) zulassen, ihn spüren. Die Tränen (innerlich oder real äußerlich geweint) "heilen" dann, sie trösten. Man legt sich selbst den schützenden Mantel um (warme Formulierung von Dir, Clown).
Melancholie ist für mich die Bewusstheit, irgendwann Abschied nehmen zu müssen, von allem was mir lieb ist. Sie lässt mich so die Freude tiefer empfinden und weist mich auf die Kostbarkeit der Gegenwart. Sie macht mich dankbar für jeden schönen Moment und lässt mich diesen tiefer empfinden. Sie kann sich manchmal in Sehnsucht nach Ewigkeit ausdrücken, aber immer im Wissen, dass ich die nie haben werde, so wie ich jetzt bin auf dieser Welt.
....Melancholie, gefallen mir sehr gut deine Worte. Diese Beschreibung werde ich mir aufheben.
Vertrauen und Mißtrauen, Annäherung und vorsichtige Distanz, - zwischen den Geschlechtern bleiben jene fratzenhaften Kräfte am Wirken, das sehe ich auch so.
Hingabe ist ein schönes Wort.
Eine Garantie schwingt in diesem Wort gewiß nicht mit.
Babapapa
27.10.2005, 16:58
Man weiß von vornherein, wie es verläuft.
Vor morgens früh wird man bestimmt nicht munter:
Und wenn man sich auch noch so sehr besäuft:
die Bitterkeit, die spült man nicht herunter.
Die Trauer kommt und geht ganz ohne Grund.
Und angefüllt ist man mit nichts als Leere.
Man ist nicht krank. Und ist auch nicht gesund.
Es ist, als ob die Seele unwohl wäre.
Man weiß, die Trauer ist sehr bald behoben.
Sie schwand noch jedes Mal, so oft sie kam.
Mal ist man unten, und mal ist man oben.
Die Seelen werden immer wieder zahm.
Der eine nickt und sagt: "So ist das Leben."
Der andre schüttelt seinen Kopf uns weint.
Wer traurig ist, sei's ohne Widerstreben!
Soll das ein Trost sein? So war's nicht gemeint.
http://technoforum.dyndns.org/public_html/ubb/graemlins/schuechtern.gif
@Clown: Wahre Worte. Leider. :hinher:
fast ein Jahr vergangen - da hole ich den Thread wieder nach oben, denn mit dem Herbst beginnt für mich eine besonders melancholische Zeit. :)
vor einer Stunde taumelte mir ein besonders kleines gelbes Blatt an der Norderelbe direkt in die Hand, wir alle werden fallen eines Tages und der Herbst zieht jetzt sein Kleid, so bunt es ist, mit langen Schatten voller Melancholie über uns - -
laloflitz
15.10.2006, 10:10
nostalgisch - melancholisch - depressiv sind für mich nicht eindeutig voneinander absetzbar; angenehme melancholie gibt es für mich kaum, es sei denn ich befinde mich gerade in einem absoluten hoch, dann höre ich gerne schwermütige musik (the mission, the smiths), die mich ansonsten nur in meiner melancholie bestärkt und unweigerlich in die depression führt
tief in meinem inneren bin ich eigentlich negativ-melancholisch, auch wenn es nicht immer nach außen dringt; wenn ich in angenehmer gesellschaft bin und es eigentlich ein 100% schönes erlebnis ist, so kann ich doch keine 100%ige freude empfinden; irgendwie ist sie immer getrübt; ich weiß nicht, wovon :confused:
manchmal habe ich das gefühl, es ist sehnsucht nach absoluter sicherheit, absolutem frieden und absolut perfektem glück, das das irdische leben mit seinen tücken und bösen überraschungen nicht bieten kann.
laloflitz
15.10.2006, 10:12
fast ein Jahr vergangen - da hole ich den Thread wieder nach oben, denn mit dem Herbst beginnt für mich eine besonders melancholische Zeit. :)
ja, allerdings, da melancholie für mich aber negativ ist, ist der herbst für mich eine horrorhafte, depressive :( zeit...
ich bin gern melancholisch (neige sehr dazu), das ist für mich aber was ganz anderes, als depressiv zu sein. ich gerate auch nicht automatisch in eine depression, wenn ich melancholisch bin. melancholie ist für mich ein sehr zarter, feiner, vergeistigter zustand - wie ein dünner schwarzer schleier, ein trauerschleier, der sich vor die welt legt - wie die damen ihn um die jahrhundertwende an den hüten trugen. melancholie beinhaltet etwas resignation und desillusioniertheit, eine sanfte traurigkeit, kontemplation im stillen und einen hauch einsamkeit. :)
greenmachine
15.10.2006, 11:37
wenn ich in angenehmer gesellschaft bin und es eigentlich ein 100% schönes erlebnis ist, so kann ich doch keine 100%ige freude empfinden; irgendwie ist sie immer getrübt; ich weiß nicht, wovon :confused:
Geht mir genauso. Es bleibt immer eine gewisse Resttraurigkeit. Melancholie ist bei mir ständig vorhanden; mir ist ständig die Vergänglichkeit in allem bewusst, nichts hat Bestand und das macht mich melancholisch. Dazu kommt Nostalgie und die Verklärung der Vergangenheit, das Schwelgen in Zeiten die nie mehr kommen. Und auch die Kleinheit und das Unbedeutende (in einem größeren Zusammenhang) meiner Existenz.
In Gegenwart anderer, fröhlicherer Menschen, macht mich wiederum meine Resttraurigkeit traurig, kann ich doch nicht so scheinbar unbeschwert sein.
Ich glaube ich kultiviere meine Melancholie, mein Leben wäre wohl sehr öde ohne diese Grundstimmung. Manchmal, wenn mich das Leben sozusagen hernimmt in Gestalt von Herausforderungen, bin ich traurig, dass ich nicht in Ruhe traurig sein darf und mich zur Aktivität aufraffen muss.
@mimi:
Schöne Beschreibung!
danke greenmachine :)
ich bin derzeit sehr melancholisch ... weil ich mal wieder ein paar neue folgen einer meiner lieblingsserien (sherlock holmes mit jeremy brett) gesehen habe. und es nimmt mich immer verdammt mit, daß dieser wunderbare mann schon sterben mußte (brett, nicht holmes *g*). ich schwärme sehr für ihn; sein viel zu frühes ableben stimmt mich traurig. würde jetzt gern eine rose auf sein grab legen.
Ich bin auch Melancholikerin.
An sich dachte ich über Melancholie immer ganz anders,so lange ich das Wort kenne.Ich dachte es wäre Dieses:
Ein Melancholiker ist jemand,der tief fühlt,der aber dann auch seine Gefühle in Wort und Bild ausdrücken kann.
Ein Melancholiker ist nicht jemand,der sagt:"Ich bin jetzt traurig!" und sitzt in der Wohnung und macht nichts,er ist auch nicht jemand,der sagt:"So ist das Leben eben!" und auch keiner auf Dauer-Party-Stimmung,sondern an sich jemand,der jedes Gefühl tief empfinden/in sich erleben kann,ob Freude oder Leid.Ob er der heilste oder kränkeste Mensch ist,will ich so nicht sagen,
denn ich glaube,dass jeder Charakter seine Vor- und Nachteile hat.
Es gibt keinen Mensch,der der einzig Beste ist und keinen der am Schlechtesten ist.Es gibt auch nicht eine einzige Wahrheit.
Jeder Mensch hat eigene Werte,der Eine will Harmonie in der Familie,der Andere ist für allumfassende Liebe...und es ist in Ordnung.
Alle Menschen werden gebraucht!:)
melancholie ist für mich ein sehr zarter, feiner, vergeistigter zustand - wie ein dünner schwarzer schleier, ein trauerschleier, der sich vor die welt legt - wie die damen ihn um die jahrhundertwende an den hüten trugen. melancholie beinhaltet etwas resignation und desillusioniertheit, eine sanfte traurigkeit, kontemplation im stillen und einen hauch einsamkeit. :)
gut getroffen! ich würde melancholie für mich persönlich vielleicht noch etwas anders definieren/skizzieren, aber du hast es echt gut in worte gefasst. so fühle ich auch.
aus melancholie entsteht viel inspiration und kraft für die starken tage
schon die chinesen wussten, im yang strömt man energie ab
im yin nimmt man sie auf
und melancholie steht für yin
das finde ich extrem faszinierend!!
Sehr berührende Beiträge, von Euch.
Für mich hat Melancholie eine sehr schöpferische Qualität. Vielleicht gerade aus der Sehnsucht nach Frieden, Harmonie Vollkommenheit oder dem Leiden an der Welt so unvollkommen sie eben ist ensteht dieser ständige innere Dialog, diese innere Beweglichkeit, die Fülle und auch das tiefe Verständnis für Alles was ist und daraus wieder eine gewisse Heiterkeit (was mich ungeduldig und niedergeschlagen-traurig macht nur wenn ich NICHT melancholisch bin).
Der Melancholiker resigniert nicht! Sonst würde er ja nicht mehr leiden!
Im Inneren ist viel Wachheit und lebendigkeit. Schöpferische Gedanken und Gefühle aber nicht lösungsorientiert "produktiv"
Etwas als "schön" zu wahrzunehmen, nein sogar zu lieben! auch wenn es nicht "angenehm" oder "hübsch" oder "einfach" ist.
Ich liebe z. B. das Werk "der Schrei" von Edward Munck über alles (bin froh, dass es wieder gefunden wurde).
Darin steckt für mich die Liebe auch für das Unfertige, Schwache, Zerbrechliche, Schmerzende mit der Sehnsucht nach dem, wie es sein Könnte aber ohne den Antrieb es jetzt sofort Ändern zu müssen weil ich es sonst nicht mehr ertragen würde. Aber mit der Kraft es vielleicht zu versuchen?
Dass bedeutet für mich Melancholie.
Denn jemand der schreit, drückt sich aus, ist noch in Kommunikation mit der Welt, fühlt, lebt.
In dieser Zeit in der wir leben ist kein Raum mehr für Fragen ohne Antworten, Probleme ohne Lösungen, Erfindungen ohne benutzzerfreundliche Oberfächen.
Es macht depressiv, nicht melancholisch sein zu dürfen!
Alles zu lieben, eben weil es vergänglich ist und was man liebt ist schön.
Euer,
mit Scherben spielendes,
Krümel
deine schönen Zeilen, Aisha,- mir gefielen sie heute (draussen Dunkelheit und tief drinnen in mir schwere Gedanken), wieder so sehr, dass ich sie nochmals hersetze
Melancholie
ist für mich die Bewusstheit, irgendwann Abschied
nehmen zu müssen, von allem was mir lieb ist.
Sie lässt mich so die Freude tiefer empfinden und weist mich auf die Kostbarkeit der Gegenwart. Sie macht mich dankbar für jeden schönen Moment und lässt mich diesen tiefer empfinden.
Sie kann sich manchmal in Sehnsucht nach Ewigkeit ausdrücken, aber immer im Wissen,
dass ich die nie haben werde,
so wie ich jetzt bin auf dieser Welt.
(Aisha)
Lieber Clown, es ist ja schön gefallen Dir meine Zeilen. In Zukunft möchte ich jedoch vorher gefragt werden, wenn du etwas von mir, das ich im Chat sagte, ins Forum zitieren willst.
Chat und Forum sind für mich zwei ganz unterschiedliche Ebenen.
Danke im Voraus.
Schreiraupe
06.12.2007, 22:23
Ein schöner Thread :)
Ich bin definitiv Melancholiker, und ich mag es melancholisch zu sein.
In solchen Momenten habe ich oft das Gefühl ganz besonders stark meine Seele zu fühlen, ich finde der Ausdruck Sehnsucht, der hier weiter vorne gefallen ist, trifft es irgendwie sehr gut. Melancholisch sein ist auch sehnsüchtig sein, denke ich.
Ein schöner Thread :)
Ich bin definitiv Melancholiker, und ich mag es melancholisch zu sein.
In solchen Momenten habe ich oft das Gefühl ganz besonders stark meine Seele zu fühlen, ich finde der Ausdruck Sehnsucht, der hier weiter vorne gefallen ist, trifft es irgendwie sehr gut. Melancholisch sein ist auch sehnsüchtig sein, denke ich.
das hast du sehr schön beschrieben finde ich :) Ich bin definitiv auch Melancholiker, obwohl auch der Sanguiniker bei mir noch ein Wörtchen mitzureden hat :D (Dafür bin ich aber auch ganz dankbar). Eigentlich mag ich es auch melancholisch zu sein. Diese tiefen Empfindungen, das genaue Verarbeiten von Situationen udn Erlebnissen, meine inneren Selbstgespräche und Selbstreflexionen. Das ruhige nachdenken ... warum denkst du denn, dass melancholisch sein auch sehnsüchtig sein bedeutet ??? Kannst du das etwas genauer beschreiben ??? Ok hab mich zwar etwas durch den Thread hier gelesen - mich würd aber trotzdem noch mal interessieren, was genau "Sehnsucht" mit "Melancholie" zu tun hat.
Schreiraupe
07.12.2007, 13:37
Damit meine ich, das ungestillte Sehnsüchte nach z.B. Liebe, Geborgenheit, etwas Schönem mit Melancholie einhergehen können.
Und das man infolgedessen auch diese Sehnsucht zusammen mit der Melancholie fühlt, zumindest ich erlebe das so.
Oder auch das in einer Melancholie, die aus Weltschmerz geboren ist eine
Sehnsucht nach einer besseren Welt mitschwingen kann, und es sicherlich
irgendwie auch tut.
Oder auch das in einer Melancholie, die aus Weltschmerz geboren ist eine
Sehnsucht nach einer besseren Welt mitschwingen kann, und es sicherlich
irgendwie auch tut.
ok das versteh ich gut - kann ich von mir auch bestätigen. Danke für die Erklärung :)
Trümmerfeld
07.05.2008, 20:12
gone
Sanojlea
16.05.2008, 16:00
Danke für diesen Thread.
Ihr habt mich grade wieder ein Stück weiter gebracht in meiner Selbsterkenntnis! Und ich denke ich hab jetzt einen tieferen Einblick bekommen was dieser Zustand ist, in dem ich wenn ich Zeit und Ruhe hab ganz gern bin, aber von dem ich genervt bin wenn ich eigentlich Leistung bringen soll und Ihn nicht los werde...
Damit meine ich, das ungestillte Sehnsüchte nach z.B. Liebe, Geborgenheit, etwas Schönem mit Melancholie einhergehen können.
Und das man infolgedessen auch diese Sehnsucht zusammen mit der Melancholie fühlt, zumindest ich erlebe das so.
Oder auch das in einer Melancholie, die aus Weltschmerz geboren ist eine
Sehnsucht nach einer besseren Welt mitschwingen kann, und es sicherlich
irgendwie auch tut.
In diesen Worten finde ich meine "Stimmung" wieder, die mich ab und an heimsucht.
Manchmal kommt so ein Gedanke von "ich habe keinen Bock mehr" auf. Den schiebe ich dann allerdings weg...
Ich vermute mal...wir wissen alle, jeder für sich, das es eine "bessere Welt" gibt (oder geben könnte) - vielleicht haben wir auch die Erfahrung dieser schon oft machen dürfen (sofern man an Reinkarnation glaubt) und die Sehnsucht danach gepaart mit Melancholie überfällt uns zeitweise.
*Zirkuskind*
20.08.2008, 11:23
Irgendwie ist Melancholie der Bezug aufs Innen und Euphorie der Bezug aufs Außen. Und Melancholie stillt die Sehnsucht nach dem Innen und weckt die Sehnsucht nach dem Außen (manchmal).
Irgendwie ist Melancholie der Bezug aufs Innen und Euphorie der Bezug aufs Außen. Und Melancholie stillt die Sehnsucht nach dem Innen und weckt die Sehnsucht nach dem Außen (manchmal).
interessant, dass du das so siehst ... da ist sicher etwas dran, aber mir kommt gerade so der gedanke, dass ich manchmal auch 'mit mir', also innen ohne außenschwingung, ganz euphorisch bin, und dass melancholie oft auch starke bezüge zur außenwelt hat. kann man oftmals auch gar nicht so trennen; ich bin in der hinsicht sowieso irgendwie gestört :cool:
Es gibt von Freud eine aufschlußreiche Beschreibung des Melancholikers: "Gar besonders häufig sind die Melancholischen anästhetisch gewesen, sie haben kein Bedürfnis (und keine Empfindung) nach dem Koitus, aber große Sehnsucht nach Liebe in ihrer psychischen Form, man möchte sagen psychische Liebsspannung; wo diese sich anhäuft und unbefriedigt bleibt, entsteht Melancholie." - - - "Dies trifft auf Walter Benjamin exakt zu. Er suchte Liebeserlebnisse und versuchte zugleich, einer körperlichen Erfüllung auszuweichen. Er machte sich seine intimen persönlichen Beziehungen so schwer, daß er ihr Mißlingen gleichsam zu wünschen schien." (Charlotte Wolf). Tatsächlich setzte der melancholische Benjamin an die Stelle sexueller Eroberungen etwas anderes, - - das Sammeln seltener Bücher. :)
Für mich findet Melancholie Gestalt in all dem, woran der Zahn der Zeit nagt: das Vergilbte, Verblichene, das Unvollständige und Beschädigte; aber auch alles was sich zwischen Tag und Nacht in die Luft legt. Melancholie ist auch Sehnsucht nach dem Vergangenen, das eingebettet in der Erinnerung einen besonderen Platz gefunden hat - einen bittersüßen.
Es gibt beim Melancholiker auch immer wieder die Beimischung. Oft sind wir im Wesen ich-verstrickt. Oft ertragen wir auch zu geduldig in liebevoller Zuwendung und Duldung (über Gebühr) die Eigenart unserer Mitmenschen. Ich, als Beispiel, bin voller Polarität. Zyklothym, ein wechselndes Stimmungs-Wesen, auch als "Kreis-Seele" zu übersetzen. Ein Schwanken, ein Schaukelspiel der Gegensätze. Ich lebe in einer Weise anfallartig.
Ärztlicher Rat? Prof. Ansgar Matthes, Georg Thieme Verlag, spricht vom Symptom einer Funktionsstörung des Gehirns. - Übrigens kann jeder Mensch unter bestimmten Bedingungen, z.B. durch Sauerstoffmangel oder Vergiftung, einen epileptischen Anfall bekommen. Erscheinungen:
+ Abnorme elektrische Entladungen der Nervenzellen. + Bewußtseinspausen. + Die Aura, z.B. mit Kribbeln in den Fingern. + Blitzkrämpfe, ruckartiges Zusammenzucken, sehr kurz. + Dämmerattacken. + Ursachen: Störungen der Hirnentwicklung während der Schwangerschaft, z.B. durch Abtreibungsversuche. Sauerstoffmangel während der Geburt. Diese Ereignisse führen meist zu bleibenden Hirnnarben. Entbindungen durch Zangengeburt bergen besondere Gefahren.
Wie sagte der Autor des "Hofmeister" und der "Soldaten"? "Meine philosophischen Bettrachtungen dürfen nicht über zwei, drei Minuten währen, sonst tut mir der Kopf weh". [Jakob Michael Reinhold Lenz]
Für mich findet Melancholie Gestalt in all dem, woran der Zahn der Zeit nagt: das Vergilbte, Verblichene, das Unvollständige und Beschädigte; aber auch alles was sich zwischen Tag und Nacht in die Luft legt. Melancholie ist auch Sehnsucht nach dem Vergangenen, das eingebettet in der Erinnerung einen besonderen Platz gefunden hat - einen bittersüßen.
interessant wie du das beschreibst angie. Ich bin da etwas anderer Ansicht/erlebe Melancholie grade umgekehrt wie du ;) vielleicht erleb ich es auch falsch :rolleyes:
Ich sehe Melancholie bei mir eher als Sehnsucht an. Als Sehnsucht nach dem was noch nicht ist, was aber irgendwann einmal sein wird. Schwer zu beschreiben. Für mich ist Melancholie eher sehnsuchtsvoll nach vorne gerichtet ... Sehnsucht nach dem irgendwann ... verstehst du ... ??
Ich verstehe dich sehr gut Carface, und denke, der Begriff Melancholie hat viele verschiedene Facetten
Was ich dazu saget liegt genauso darin, wie das, was du darunter verstehst und ebenso noch anderes.
Jeder hat da sicher einen eigenen Schwerpunkt.
danke dir für deine Antwort angie :)
enfant de la lune
21.11.2008, 20:25
ist zwar was lyrisches, aber das ist meine Empfindung von Melancholie:
Die Trinität der Dualität
Es wohnen…ach…drei Seelen in meiner Brust.
Mir, die eine ist´s, die andere auch und ebenso die dritte. Doch bin keine ich.
Mein du bist, du Sehnsucht nach Unendlichkeit…des trüben Lebens müde…
Mein du bist, du Sehnsucht nach Unendlichkeit…des Lebensfreude nie genug…
Mein du bist, du Sehnsucht nach Unendlichkeit!
Wehe mir, eine jene gewinne die Übermacht.
Doch ein jede kann alleine nichts bewirken. Allein wär sie mein Untergang.
Der Wechsel ist mein Lebenstrank, ist mein, ist mir, bin ich.
Das Gedicht trifft es sehr gut, finde ich, enfant de la lune! :)
Glückskater
21.11.2008, 23:46
Stammt das Gedicht von Dir enfant de la lune ?
Wow ...das ist echt.... wir empfinden oft ähnlich hab ich festgestellt.. :cool:
enfant de la lune
22.11.2008, 00:13
:schaem:
Melancholic
24.11.2008, 23:07
zwischen "melancholie", "traurigsein", "schwermut" "depression" (in der reihenfolge ) liegen bei mir welten.. und auch innerhalb dieser gefühlszustände gibt es tausend zwischentöne und grenzbereiche.
melancholie ist auf jeden fall das optimistischste und lebensbejahendste aller dieser "dunkel"-gefühle.[/QUOTE]
Also ich muss mich jetzt doch auch mal zu Wort melden, schon allein, weil ich mich in diesem Forum nach der Melancholie benannt habe. Ich sehe mich da wiederum als Experte ( soll jetzt nicht eingebildet klingen, aber ich hab da wohl auch sehr viel Erfahrung drin, weil ich es Tag für Tag erlebe).
Zwischen Melancholie, Traurigsein und Depression liegen für mich ebenso Welten. Ich stimme ebenso auch überein mit der Tatsache, dass heute Melancholie mit Depression gleichgesetzt wird, hab das schon zu oft erfahren müssen. Ich hab dann auch gleich daraufhin Diagnosen von Ärzten in der Psychatrie, in psychosomatischen Kliniken erhalten, die da lauten: protrahierte Identitätsstörungen, Dystymie, emotional instabile Persönlichkeitsstörung, Rezidivierende depressive Verstimmungen...
Vor ein paar Jahren hab ich das noch alles geglaubt, heute denke ich, dass vieles davon einfach meine Persönlichkeit ist und so bin wie ich bin. Ich sehe mich heute nicht mehr als " krank" an, dass ich unter meiner Persönlichkeit dennoch sehr oft leide ist eine andere Sache. Ich denke ich muss "nur" lernen damit umzugehen.
Es war bei mir ähnlich, dass ich sehr oft auf Unverständnis treffe, dass andere mich als pessimistisch und krank sehen und dumme Sprüche kommen. Ich steck das oft nicht so schnell weg, aber bei mir selber versuch ich dann zu denken, dass andere nichts dafür können; sie haben es selbst nicht erlebt und sind einfach nicht fähig, mit so einem Thema umzugehen ( es ist die Schwäche der anderen, nicht meine). Sensible Menschen,so wie ich einer bin,beziehen das aber leider allzu oft auf sich selbst, aber das ist zu lernen, an so was kann man wachsen. Hochsensibel zu sein bringt nunmal sehr viel Unbehagen, extreme Schwankungen der Emotionen und tiefe Verzweiflung mit sich. Ich sehe und empfinde nunmal sehr vieles intensiver, empfinde unendliches Mitleid ( mit Tieren, Natur..), das kann doch nicht krank sein!!!! So ist es und so bin ich ( wohl schon geboren) und es wird mich mein ganzes Leben mehr oder weniger begleiten, dass ich so bin;sensibler zu sein heißt, mehr Leid und Schmerzen ertragen zu müssen, dafür gibt es keine "Heilung". Wie heißt es im Schwäbischen so schön: " Wenns et isch wies sei soll dann ischs halt so wies isch".
Es gab und es gibt sehr viel Momente in meinem Leben, in denen ich mir wünsche, nicht so zu sein. Ich beneide andere um ihre Unbeschwertheit, ihre " Dummheit" ( ist nicht böse gemeint) und ihr Nichtwissen/-empfinden um eine andere Seinswelt. Ich hab schon Gott dafür verdammt, dass ich so sein muss. Aber es ist wohl der Preis den man zahlen muss, um die ganze Fülle der Gefühle des Menschseins erleben zu dürfen, vielleicht ist es ein einzigartiges Geschenk, das wir ( HS) erst nach dem Tod verstehen werden.
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