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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : HSP und Feinmotorik


Eros
17.02.2004, 12:05
Hallo Leute,

ich leide schon seit meiner Geburt an feinmotorischen Störungen und habe noch von keinem dafür Verständnis erhalten. Auch nicht von meinen Eltern, die haben das selber und versuchen das mir schon seit eh und jeh auszutreiben. Andere Leute sagen, dass sei nichts Schlimmes, deshalb denke ich immer soviel darüber nach, was andere darüber denken könnten. Nein es ist nichts Schlimmes, schlimm sind nur die Erfahrungen, die ich in diesem Zusammenhang gemacht habe. Wie sieht Ihr das?

glasperlenspielerin
17.02.2004, 13:06
wie genau äußert sich denn das bei dir? was genau hat man sich darunter vorzustellen? hast du z.b. probleme nen stift in der hand zu halten, einen apfel zu schälen, schulsport (früher) und sowas??

glasperlenspielerin
17.02.2004, 13:56
Andere Leute sagen, dass sei nichts Schlimmes, deshalb denke ich immer soviel darüber nach, was andere darüber denken könnten. Nein es ist nichts Schlimmes, schlimm sind nur die Erfahrungen, die ich in diesem Zusammenhang gemacht habe. Wie sieht Ihr das?


ein paar worte vllt dazu: solange man dir immer und wieder sagen und "einreden" muß, daß dies nichts schlimmes sei, ist und bleibt es aber gerade dadurch thema und eben doch was unangenehmes und schlimmes. --ich glaube, daß ein mensch, der sich richtig akzeptiert und angenommen fühlt von anderen, von seiner umwelt, niemals je nur einen grund und gedanken hätte, sich bei anderen auf verbalem wege diese zustimmung einzuholen "nein, das ist nicht schlimm". meiner meinung nach stimmt da was nicht und du hast recht, wenn du dir sorgen drum machst.

Clown
25.02.2004, 13:50
Tendus, ich fiel schon als Kind auf, weil ich keine richtigen Schleifen binden konnte. Noch heute habe ich Probleme, zum Beispiel beim Reißverschluß, wenn ich den "Läufer" einstecken will, richtig in die Schiene zu kommen. Meine Partner haben dafür Null Verständnis.

nico
05.03.2004, 14:46
Schon als Kind, wurde bei mir die feinmotorische Störung diagnostiziert.
So richtig aufgeklärt wurde ich aber nicht. Ich denke, dass hat die Lage nicht gebessert.
Durch einen ADS-Test, hat der Arzt dann das noch mal festgestellt.
Und seit knapp 1 Jahr, gehe ich in Ergotherapie und das Tendus solltest Du auch machen.
( ist noch im Erwachsenenalter möglich ).
Und tut mir leid das zu sagen, aber wer hat schon Ahnung davon und ich denke das deine Eltern einfach nicht richtig aufgeklärt worden sind.
( so wie bei mir )

Eros
17.03.2004, 11:48
Hallo zusammen,

warum ich damals mit der Feinmotorik hier ins Forum reingestellt habe, einfach aus dem Grund, weil meine Eltern all meine Fehler und Versagen mit meiner Feinmotorik begründeten. Bei mir wurde in der Kindheit die feinmotorischen Störungen im wahrsten Sinne zum Lebensmittelpunkt. Auch in den therapeutischen Sitzungen ging es einzig und alleine immer nur um die Feinmotorik, also darum, was man dagegen tun könne. Der Therapeut meinte, ich müsste dazu wieder zurück in den Sandkasten spielen gehen, soll also heissen, dass ich sie ganz nicht mehr loswerde. Mein Vater hat auch diese und begründet damit seine Lebensprobleme. Das findet ihr doch schlimm, wenn so etwas zum Lebensmittelpunkt gemacht wird. Und ausserden wenn ich deshalb von meinen Mitschülern früher in der Schule diesbezüglich nicht so gehänselt geworden wäre, wäre diese Problematik wahrscheinlich nicht in den Vordergrund gerückt. Das denkt ihr doch auch?

Sensibelchen
20.03.2004, 20:52
Hallo tendus!

Ich weiß wie grausam das ist, wenn man von Mitschülern gehänselt wird. Das habe ich selbst ca. 4 Jahre durchstehen müssen - diese 4 Jahre waren im Alter von 10-14 - also in einem Alter, wo sich seelische Verletzungen sehr tief einprägen und die dann auch das späteren Leben beeinflussen. Leider. Mir ist in dieser Zeit bewusst geworden, dass ich viel sensibler bin als alle anderen Mitschüler. Und da ich damals noch ziemlich pummelig war, bot alles zusammen natürlich eine wunderbare Angriffsfläche. Auf die Grausamkeiten will ich gar nicht näher eingehen... Sogar mein Klassenvorstand (natürlich Nicht-HSP) sagte, dass ich wie eine "Mimose" sei (da war ich 10). Von da an begann ich sehr viel nachzudenken und tue es immer noch.
So wie bei dir ist auch bei mir durch das Hänseln von den Mitschülern diese "Problematik" in den Vordergrund des Lebens gerückt.
Was deine Feinmotorik angeht, weiß ich nicht, wie schlimm sich die neurologischen Fehlfunktionen äußern, daher kann ich darüber nur schwer was sagen und es wäre glaub ich auch rücksichtslos, wenn ich jetzt sagen würde "Es ist sicher nicht so schlimm" und dergleichen, weil ich mir kein Bild davon machen kann.
Ich kann aber aus verschiedenen Gründen verstehen, dass das sehr belastend für dich ist, will aber trotzdem keine vorschnellen Kommentare abgeben, da ja noch die Inakzeptanz von den Eltern dazukommt, was das Ganze natürlich nicht einfacher macht.

(Ich bin total nachdenklich geworden und daher gehen mir jetzt die Worte aus...)

tsurani
04.04.2004, 12:52
Ich habe mal mit meiner Schwester (die als Ergotherapeutin arbeitet) über Wahrnehmung geredet. Sie meinte, es gibt neben den 5 Sinnen, die man so allgemein kennt, noch weitere, z.B. die sogenannte "Tiefensensibilität (http://www.net-lexikon.de/Tiefensensibilitaet.html)".
Das ist die Wahrnehmung des eigenen Körpers. Man fühlt z.B., wo sich gerade ein bestimmtes Körperteil befindet, ohne dass man den klassischen Gefühlssinn (Rezeptoren der Haut) benutzt.
Statt dessen benutzt man Rezeptoren, die sich an Sehnen und Muskeln befinden, und die Werte wie Muskelspannung registrieren, welche dann vom Gehirn weiterverarbeitet werden.
Meine Schwester nimmt an, dass feinmotorische Störungen oft daher kommen, dass die Tiefensensibilität nicht richtig funktioniert, und man dadurch Fingerfertigkeiten o.ä. nicht so leicht erlernen kann. Es hätte dann also indirekt etwas miteinander zu tun.

Tiefensensibilität kann man z.B. testen, indem man mit geschlossenen Augen beide Arme nach außen streckt und dann versucht, die beiden Zeigefinger zusammen zu bringen.

Sensibelchen
05.04.2004, 17:00
@ tsurani

Du hast recht. Deine Schwester spricht von sogenannten Muskelspindeln. Sie liefern Informationen über die Muskellänge & die Geschwindigkeit von Längenänderungen. Andere Rezeptoren sind die Golgi-Sehnenorgane, die die Muskelspannung messen. Daneben gibt es noch die Gelenkssensoren, die die Gelenksstellung messen. Diese Informationen werden an das Zentralnervensystem weitergeleitet (Gehirn). Dieses System ist sehr komplex und daher kann es viele verschiedene Ursachen geben, warum die Feinmotorik gestört ist: Störungen im motorischen Kortex, Kleinhirn, Thalamus, Basalkernen, Pyramidenbahn, Motoneurone,...
Auf der Neurologie kann man durch einige sensomotorische Tests einige dieser Funktionen überprüfen lassen.

glasperlenspielerin
01.05.2004, 15:21
es gab jemanden in meiner jahrgangsstufe, der irgendwann vorm abitur abging und der auch außenseiter war. wenn ich im nachhinein denke, müßte er auch in irgendeiner weise motorisch beeinträchtigt gewesen sein, weil er sich sehr steif udn ungelenk bewegte und extrem langsam schrieb. vllt wirkte das aber auch nur so nur, weil er gleichzeitig auch ein hörgerät hatte. ich bin mir aber nicht sicher, weil ich nur ein fach mit ihm zusammen hatte und auch sonst keinen kontakt mit ihm hatte.

wie genau äußert sich denn eine motorische störung in der praxis? welche bewegungen fallen schwer? grob- oder feinmotorik-was ist stärker betroffen oder beides in gleicher weise?

Eros
01.05.2004, 16:07
@ glasperlenspielerin,

ich denke mal, es ist doch so, dass den Leuten zwar manchmal auffällt ob jemand feinmotorisch gestört ist oder nicht, aber so richtig bewusst interessiert sich doch meiner Meinung nach doch niemand dafür. Und deshalb kannst Du auch nicht sagen, ob Dein ehemaliger Mitschüler von damals diese Probleme hat/hatte, weil Du bewusst nicht darauf geachtet hattest, sehe ich das richtig?


Tendus

glasperlenspielerin
01.05.2004, 17:39
natürlich ist mir das aufgefallen. aber ich hätte ihn niemals drauf angesprochen. sowas tue ich aus prinzip nicht, weil ich der überzeugung bin, dass man dem betroffenen keinen gefallen damit tut (ich weiß ja selbst noch, wie schlimm das war, wenn jemand fragte, warum ich nicht reden würde und so still bin!). außerdem ist das einfach kein "problem" in dem sinne, sondern nur für den betroffenen.
er hat mit mädchen auch überhaupt nie geredet. ich hab nie ein wort mit ihm gesprochen.

Eros
03.05.2004, 17:47
Hallo zusammen,

ich finde dass motorische Störungen genauso ein tabuethema sind wie Depressionen oder Schizophrenie oder Manie. Wie sieht Ihr das? Haben zumindest die Gemeinsamkeit das auch darüber nicht gerne gesprochen wird!


Tendus

Sensibelchen
03.05.2004, 20:24
Ich würde nicht sagen, dass Depressionen ein Tabuthema sind. Es werden viele Artikel und Bücher darüber geschrieben.
Ich denke, dass über Schizophrenie & Manie nur deshalb wenig gesprochen wird, weil verhältnismäßig wenig Leute davon betroffen sind, bzw. die die davon betroffen sind, sich ja nicht alle outen und daher auch nur wenig Leute wissen, was Manie überhaupt ist!

nico
03.05.2004, 21:31
Ich denke, dass nur einige Leute wissen was das ist i.e.S., deshalb
kommt das auch nicht so in der Öffentlichkeit vor.
Es kann sich im Gleichgewicht und in der Muskelanspannung (Tonus)äußern. Aber eigentlich beeinflusst es alles.
Vorstellung, Sprache, Abstraktion, Selbsteinschätzung,Sicherheit, Körperkoordination, Tonus, Konzentration, Wortverständnis, Lateralität,
Phantasie, Rhythmus, Gleichgewichtsregulat., das sind die Folgen
Ich hab da eine Skitze als Baum dargestellt.
Stimmt das so Tendus ?