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Aurora
Registriert seit: 24.02.2004
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Mit dem Däumling zum Ziel, eine empfindsam.de - Geschichte
Es war eine dunkle Nacht. Ich schritt durch den düsteren, unheimlichen Wald. Plötzlich spürte ich ein sanftes Kribbeln unter meinen Füßen. Es kribbelte so stark, dass ich mir einen Baumstumpf suchte, mich setzte, die dicken Lederstiefel auszog und meine handgestrickten Socken von den Füßen streifte. Ich begann mich intensiv zu kratzen.
"Hey, sonst geht's dir gut, oder? Kannst du dich mit deinem dicken Hintern nicht woanders hin setzen? Du versperrst mir den Ausgang!" fiepte eine helle Stimme direkt unter mir. Ich erschrak mich so sehr, dass mein Herz laut pochte und ich meine Kratzbewegungen für den Augenblick stoppte, um mir ans Herz zu fassen. Da kniff mich etwas in den Po. Ich sprang vor Schreck auf und trat mit meinem nackten Fuß auf etwas Hartes.
"Autsch!", rief ich.
Hinter mir hörte ich ein gehässiges Lachen. "Das geschieht dir recht" sagte die Stimme höhnisch. Ich spürte, wie es plötzlich kälter wurde. Sogar meinen Atem konnte ich sehen. Ich drehte mich um und betrachtete den Baumstumpf genauer. Ich erschrak: Der Stumpf hatte Augen. Sie schauten mich aus einem alten runzeligen Gesicht an, waren korallenrot und leuchteten wie zwei unbekannte Sterne. Den Körper konnte ich nicht erkennen, denn in der Dunkelheit verschwamm er mit dem Holz des Baumstupfes.
Ich bückte mich, obwohl mit flau im Magen war. In diesem Moment sprangen die Augen hervor und wurden zu einem Däumling, der auf dem Baumstumpf saß. Ein Däumling mit einem sehr, sehr alten Gesicht ...
"Was willst du in meinem Wald?" sprach der Däumling und schaute mich grimmig an. Das Herz blieb mir fast stehen: " Aber...." stotterte ich," ich wollte doch nur.... meinen Frosch besuchen. Er ist verzaubert und kann nur nachts in menschlicher Sprache mit mir sprechen. Ich sehne mich so nach ihm."
"Ein verzauberter Frosch in meinem Wald? Soso", murmelte der Däumling und kratzte sich am Kinn. Augenblicklich setzte das Kribbeln an meinem Fuß wieder ein.
"Führe mich zu ihm!" sagte der Däumling in einem gebieterischen Ton.
Es kam mir ein wenig albern vor, einem solch mickrigen Knirps zu gehorchen, doch meine Großmutter hatte mir schon, als ich noch klein war, eingeimpft, dass man Wichtel nicht verärgern sollte. Ich seufzte und versuchte, mir auf einem Bein hüpfend, meinen Stiefel wieder anzuziehen. Mich nochmals hinzusetzen traute ich mich nicht.
Aufgeben wollte ich nicht, deshalb sprach ich mit flüsternder Stimme:
"Es ist mein verzauberter Frosch. Er mag es gar nicht, wenn ich Begleitung mitbringe. Du musst wissen, er ist grasgrün, sehr eifersüchtig und will mich mit niemanden teilen. Wenn ich dich hinführe, wird er sich verstecken und weißt du, gerade heute in dieser Vollmondnacht, wollte er mir ein Geheimnis verraten. "
"Das kann ich mir nicht so recht vorstellen, dass man einem sich am Fuß kratzenden, unhöflichen Menschen wie dich, der sich einfach auf anderer Leute Häuser setzt, mit niemandem teilen möchte. Naja, wo die Liebe hinfällt", lachte der Winzling.
"Das reicht!", platzte es aus mir heraus. "Wie kannst du es wagen, das Wort Liebe in den Mund zu nehmen du gräuliches Monster. Du weißt ja gar nicht, was das ist! Wie sollte ich dich mit meinen Menschenaugen in der Nacht sehen? Glaubst du, ich hätte mich hierhin gesetzt, wenn ich gewusst hätte, dass so ein Widerling hier zu Hause wäre? " ich erschrak über meine eigenen Worte und fügte hinzu: " Es tut mir leid, ich hab´s nicht so gemeint. Ich war einfach sehr wütend."
Zu meinem Erstaunen fing der Däumling an herzzerreißend zu heulen. Der Mond war zwischen den Bäumen hervorgetreten, und die Tränen glitzerten im Mondlicht.
"Du weißt ja gar nicht wie das ist, in einem Baumstumpf zu wohnen, ganz allein, und niemand mag einen, niemand besucht einen", schluchzte der Däumling.
Ich suchte in meiner Jackentasche nach meinem Taschentuch und reichte es ihm. Er schnäuzte sich an einem Stoffzipfel und schaute mich vorwurfsvoll an.
Der Däumling ließ den Zipfel meines Taschentuchs gar nicht wieder los.
"Mir ist jetzt nicht mehr so kalt" sagte der Däumling. "Wer weiß, könnte dein grüner Frosch, der eigentlich kein Frosch, sondern nur verzaubert ist, nicht doch einverstanden sein, wenn ich dich begleite? Ich will auch sieben Schritte hinter dir bleiben."
"Was sind, so klein du bist, Däumling, schon sieben Schritte?"
Der Däumling pustete sich auf. Er warf sich in die Brust - "ich verstehe mich auf Zauberei; ich könnte nützlich sein, - dir und deinem grünen Frosch."
"Nun, ich muss ein wenig nachdenken und dich etwas besser kennenlernen. Darf ich mich neben dich setzen?" Der Däumling nickte, und ich setzte mich vorsichtig neben ihn. "Sag was hast du davon, wenn ich dich mitnehme zu meinem Frosch?"
"Du musst wissen, dass ich hier in meinem Stumpf festsitze. Nur durch eine Begleiterin wie dich komme ich von hier fort."
ch fand die Stimme des Däumlings gar nicht mehr so grässlich.
"Und was versprichst du dir von diesem Ausflug?"
"Ich war schon zu lange nicht mehr unterwegs", sprach der Däumling mit träumerischer Stimme. "Am besten, du trägst mich, bis wir zum Frosch kommen, ich bin gar nicht gut zu Fuß. Dann kannst du mich absetzen, so dass dein grüner verzauberter Freund mich gar nicht zu sehen bekommt."
"Und was habe ich davon?" fragte ich den Däumling aufmüpfig.
"Nicht du, sondern dein Freund wird meine Belohnung empfangen".
Tatsächlich ließ ich mich vom Däumling überreden. Ich weiß gar nicht, was mich dazu bewegte, vielleicht die Treuherzigkeit, mit der er mich anblickte.
Ich nahm den Winzling hoch, er wog soviel wie eine Streichholzschachtel. Ich wollte ihn in meine Wandertasche stecken. Aber er schrie so laut, wie er mit seiner Däumlingsstimme vermochte.
"Ich will doch alles sehen!" rief er. So steckte ich ihn in eine Falte, zwischen zwei Knöpfen meiner Bluse. Meine Körperwärme taute ihn regelrecht auf. Er sprach deutlicher und verfiel in einen charmanten Plauderton.
Ich schlug den Waldweg ein, den ich kannte. Er führte zum Mummelteich mit seinen wunderschönen Mummeln, das sind Teichrosen.
Der Wicht, der mir vorher mit seinen Stielaugen so unsympathisch gewesen war, sang mir etwas vor. Eine sich langziehende schwermütige Melodie vom Wassermann und den Elfenfrauen.
"Ich mag wie du duftest", sprach der Kleine. "Ich rieche Zimt und Nelken."
"Das sind meine Plätzchen, die ich für den grünen Frosch gebacken habe".
Putzig war, dass der Däumling immer schwerer wurde. Ja, er war nun dreimal so groß. Ich musste ihn jetzt anders tragen, von meinem Unterarm gestützt.
"Ich weiß längst, welche Bewandtnis es mit deinem Frosch hat", sprach der kleine Waldgeist.
"Er will erlöst werden, aber er kennt die Zauberformel nicht".
Ich schaute ihn verblüfft an, und er zwinkerte mir zu. Inzwischen hatte er die Größe eines Kleinkindes, und ich trug ihn auf der Hüfte abgestützt, die Arme um ihn gelegt.
"Woher weißt du das?", fragte ich ihn. "Ich weiß viel mehr als du denkst und kenne den Wald wie meine Westentasche. Und ich bin sehr, sehr alt. Leider bin ich ja nicht mehr so gut zu Fuß. Das Laufen ist beschwerlich. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Wenn du keine unnötigen Fragen stellst, wirst du schon alles erfahren."
Immer noch wuchs der Däumling weiter, sein Gewicht nahm zu. Bald würde ich ihn auf meine Schultern packen müssen. Aber komisch, etwas veränderte sich, ich begann den kleinen Kerl gern zu haben. Es machte mir nichts aus, seine Last zu tragen.
Meine Verblüffung kann ich gar nicht in Worte kleiden. Der kleine Mann war noch größer geworden und bat mich jetzt, ihn einfach abzusetzen.
Das tat ich, und der Waldgeist, hager, schlank, kräftig, schritt neben mir her als hätte er nie etwas anderes getan. Er nahm mir sogar, gegen meinen Protest, die Tasche ab.
"Wir gehen ja gar nicht zum Mummelteich!" rief ich aus und war richtig ärgerlich. Mein Begleiter, er hatte jetzt mit mir getauscht und gab die Richtung an, lächelte über das ganze alte Gesicht.
"Du wirst dich wundern, was du gleich zu sehen bekommst, in einer guten Stunde werden wir am Ziel sein."
Wir kamen durch eine Gegend, die ich noch nie gesehen hatte. Längst gab es keine Tannen und Fichten mehr. Nach einer großen Lichtung nahm uns ein Wald von Lorbeerbäumen auf. Ich wollte es gar nicht glauben, ich pflückte mir ein Blatt und zerrieb es zwischen den Fingern, - ja, wirklich Lorbeer!
Mitten im Lorbeerwald kamen wir an eine Anhöhe. Die Bäume standen weniger dicht. Und dann sah ich, weiß, mit sieben schlanken Türmen, das weiße Schloss.
"Du musst jetzt ganz still sein", sprach mein Begleiter streng, "auch wenn Schweigen nicht deine Stärke ist."
Ich musste schlucken. Mir war unheimlich zumute. Vom Schloss her war kein Laut zu hören.
"Sie sind alle tief im Traum gefangen im Schloss" flüsterte mein Waldgeist. "Tief unten im Gewölbe ist ein Geheimnis verborgen. Wir werden durch den Schacht zu unserem Ziel kommen. Wenn du Angst hast, so werde ich dich hier am letzten Lorbeerbaum zurücklassen."
"Nein", flüsterte ich, "nimm mich mit."
So stiegen wir Stufe für Stufe dicht am Schloss in die Tiefe, mein Führer schien alles genau zu kennen. Die Stufen waren feucht und von Moos überzogen. Ich wunderte mich, wie viel Kraft der empor gewachsene Däumling hatte, als er mich stützte, ja über die letzten Stufen, die zerbrochen waren, hob er mich hinweg und setzte mich direkt vor der kupferbeschlagenen schweren Holztür zu Boden.
Sage und schreibe einen blanken goldenen Schlüssel, so groß wie eine Männerfaust, zog der Däumling aus seinem Wams und schob ihn ins Schloss, - und ohne Laut, wie durch Zauberei, ging der Bolzen zur Seite, die Sperre war aufgehoben, und wie von unsichtbarer Hand gezogen öffnete sich für uns die schwere Tür.
Einen großen Raum im Halbdunkel betraten wir, in seiner Mitte stand ein großer Zuber, mit Wasser gefüllt.
"Wenn du in diesem Zuber badest, so wird, sobald du dich siebenmal gedreht hast, dein Frosch verwandelt werden und in überraschender Gestalt vor dir stehen. Du darfst aber keine Scham zeigen. Denn du sollst nackt in den Zuber steigen. Ich selbst werde dich nicht erblicken, sondern draußen sein und warten, was geschehen wird."
Schon war mein Begleiter zur finsteren Tür gegangen und nach draußen verschwunden. Hing nun mein Lebensglück vom diesem riesigen Bottich ab, in dem ich baden sollte?
Ich verzog mein Gesicht. Ich trat an den Zuber heran, steckte den Zeigefinger ins Wasser. Es war kalt. Nicht eiskalt. Aber überhaupt nicht einladend.
Es war eine totale Stille. Es gab nichts, wo ich meine Kleider ablegen konnte. Missmutig zog ich mir die Bluse über den Kopf und legte sie auf den Stein, der beim Fensterschacht in den Raum vorsprang. Durch die Öffnung nach draußen, die schmal wie eine Schießscharte war, drang kaum Licht herein.
Was trieb mich, auch noch das Letzte abzulegen, bis ich nackt dastand? Nur der Gedanke an meinen lieben grünen Frosch, diesen schlanken Gesellen, der mir so oft sein lustigstes Spiel gezeigt hatte, - nach der goldenen Krone bis tief auf den Grund des Brunnens zu tauchen, allerdings ohne jemals fündig zu werden.
Ich sollte ja still sein. Aber als ich, nackt wie Eva im Paradies, ins kalte Wasser stieg, stieß ich einen Schrei aus. Das Wasser war kalt und tief. Ich fand keinen Grund. Ich musste mich an den Rand des Zubers klammern.
Und hier im Wasser sollte ich mich, vielleicht noch möglichst feierlich, siebenmal umdrehen? Mir war angst und bange. Meine Sinne drohten zu schwinden.
Ohne eine gute Fee werde ich das nie schaffen, dachte ich, zitternd vor Kälte, Angst im Herzen und voller Ungewissheit, was aus mir werden sollte. Was würden die nächsten Minuten bringen?
Kaum gedacht, klimperte es in meinen Ohren. Sternenstaub flimmerte vor meinen Augen und mir wurde schwindelig. Da kniff mich etwas in den Oberarm und flüsterte mit heller Stimme: " Du bist ein zimperlicher Angsthase und traust dir selbst nichts zu. Es gab Zeiten, da haben die Menschen noch fest daran geglaubt, dass Wünschen hilft. Nun ja, es wird nicht besser mit den Zeiten, ich muss es wohl nehmen, wie es kommt, schließlich ist es meine ureigene Aufgabe." Das was sich Fee nannte, war ein regenbogenfarbiger Fisch. Noch bevor ich meiner Verwunderung Ausdruck verleihen und etwas sagen konnte, tauchte er tief und schwamm unter meine Füße. Ich fand Halt.
Eher hätte ich mir einen Delfin gewünscht. Aber dieser Regenbogenfisch war ein patenter Kerl. Er drückte sich jedes Mal in die richtig Position, wenn ich, bemüht um mein Gleichgewicht, im Wasser mit Hilfe meiner beiden Füße, immer barfuss drauf auf die Regenbogenfarben, die nächste Drehung in Angriff nahm.
Siebenmal sich drehen, in meinem Kopf buchstabierte ich mir die Farben des Regenbogens vor, für jeden Umschwung im Wasser eine, 1 - rot, 2 - orange, 3 - gelb, 4 - grün, 5 - blau, 6 - indigo und 7 - violett.
Es war reine Zauberei. Bei Umschwung 7 kam der Fisch nach oben, er leuchtete wie aus einem inneren Licht. Ich dankte ihm mit einem Kuss auf die feuchten bunten Schuppen links und rechts seines Feen-Mundes. Dieses farbstarke Wesen war durch und durch weiblich. Mit einem Aufglitzern ihrer Augen und einem Sympathie-Fächeln ihrer Kiemen verschwand die Fischfrau, dieses Himmelsgeschenk.
Im selben Moment wurde es hell im Raum. Zwei Undinen, dienstbare Ehrenjungfrauen, halfen mir aus dem Zuber. Sie umhüllten mich mit einem vorgewärmten Flausch aus feinstem Stoff, so weich, dass mir ganz schummerig wurde vor einem Wohlgefühl der Haut.
Meine Kleider, die mir nun karg, ja schäbig vorkamen auf dem Mauerwerk der Fensterkluft, brauchte ich nicht mehr. Die Ehrenjungfrauen zogen mir Sachen an, die perfekt passten. Kaum war ich fertig angekleidet, verwandelte sich das Gewölbe in einen Thronsaal.
Ich traute meinen Augen nicht, aber auf dem Thron, umgeben von seinem Hofstaat, saß klein, grün und vergnügt - mein Frosch.
Ich schritt auf ihn zu (schnelle Bewegungen machte meine Prachttracht unmöglich), beugte mich zu ihm und küsste ihn auf seinen kalten nassen Mund.
Da machte es "knall", - der Frosch war verschwunden und vor mir stand schlank und rank ein Prinz. Zuerst war ich irritiert, weil ich dachte, Leonardo DiCaprio würde sich hier mit mir einen Scherz erlauben.
Liebe Leute, gemach, gemach, - mein Prinz sah Leonardo DiCaprio nur im ersten Moment ähnlich. Kaum hatte er mich von oben bis unten gemustert, schloss der Prinz seine Arme um mich, meine Rippen spürten einen nahezu unziemlichen Druck. Dann besiegelte mein Schicksalsmann das Wiedersehen mit einem Kuss, der mich die Titanic und jeden Film vergessen ließ.
Aber den Däumling vergaß ich nicht. Er saß, klein wie eh und je, an der Seite auf dem Boden und leerte mit einem Zwergenlöffel eine winzige Glasschale mit Götterspeise, die mit einem einzelnen Lorbeerblatt verziert war. Er warf mir einen zufriedenen Blick zu. Die Worte, die er leise sprach, hörte nur ich - "na, siehst du?"
Autoren: shadow of light, Keetha, Dreamer, Diana, Clown, Angie
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Ich bin ein Gärtner. Mein Herz ist ein GARTEN, genannt Eden.
Geändert von angie (01.01.2005 um 17:02 Uhr)
Grund: Änderungen
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